Ford Bronco 2021 FORD
Ford Bronco 2021
Ford Bronco 2021
06/2021, Ford Bronco Produktion Michigan Assembly Plant
06/2021, Ford Bronco Produktion Michigan Assembly Plant 32 Bilder
SUV

Ford Bronco 2021: Erst ausverkauft, dann verschoben, nun produziert

Erst extrem hohe Nachfrage, dann Verzögerung Fertigung des Ford Bronco endlich gestartet

Wegen des Kundenansturms hatte Ford die Produktionskapazität für seinen Jeep Wrangler-Fighter Bronco bereits verdoppelt. Doch weil es immer wieder Probleme gab, verzögerte sich die Auslieferung des Geländewagens mehrfach. Doch nun sind die ersten Exemplare endlich vom Band gerollt.

Fords neuer Bronco ist begehrt: Die erste Produktions-Charge der First Edition in Höhe von 3.500 Exemplaren war am Tag der Präsentation ausverkauft. Also hat Ford die Produktionskapazität auf 7.000 Exemplare verdoppelt – und wurde Zeuge, wie auch diese Autos direkt ausverkauft waren. Die Amerikaner boten daraufhin an, dass jeder von seiner Reservierung zurücktreten kann und die 100 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 82 Euro) Reservierungsgebühr vollständig erstattet bekommt.

Anscheinend nutzte aber kaum jemand die Möglichkeit des Rücktritts – schließlich sind mit dem Kauf der First Edition auch Hoffnungen auf spätere Wertzuwächse verbunden. US-Marktbeobachter halten es für wahrscheinlich, dass Händler, die sich Exemplare der First Edition sichern konnten, diese mit einem kräftigen Preisaufschlag weiterverkaufen. Insgesamt verzeichnete Ford bis Mitte Juni 2021 satte 190.000 Reservierungen und 125.000 konkrete Bestellungen.

Lieferprobleme beim Hardtop

Wann die ersten Kunden ihre Broncos erhalten, war jedoch lange unklar – viele Besteller mussten lange auf ihre Autos warten. Wie Ford zwischenzeitlich zähneknirschend in einem Brief an die Vorbesteller mitteilte, sei das Hardtop die "Achillesferse", hier gebe es "Hürden in der Lieferkette". Der Hersteller konnte damals, Ende Mai 2021, keine Prognose abgeben, wann die Probleme gelöst sein werden: "Wir sind noch nicht in der Lage, Ihnen ein Update zum Liefertermin zu geben", heißt es in den Schreiben an die Käufer. Doch nun scheint die Sache überstanden zu sein: In der eigens aufgerüsteten Michigan Assembly Plant in der US-Stadt Wayne rollten nun, Mitte Juni 2021, die ersten Exemplare vom Band.

06/2021, Ford Bronco Produktion Michigan Assembly Plant
Ford Motor Company
Einer der ersten Broncos, der in der Michigan Assembly Plant vom Band rollt.

Bereits im Dezember 2020 kündigte Ford Verzögerungen beim Bronco an. Weil es durch das Coronavirus Probleme bei den Zulieferern gebe, komme der Geländewagen nicht vor Sommer 2021 zu den Händlern, hieß es damals. Ursprünglich sollten die Auslieferungen der ersten Autos im Frühjahr beginnen. Ford ging seinerzeit davon aus, dass sich einige Kunden mit Lieferzeiten von einem Jahr oder mehr konfrontiert sehen werden. Das vor allem von Offroad-Fans herbeigesehnte Sasquatch-Paket, bei dem Ford den 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit einem manuellen Getriebe kombiniert, könnte sogar erst für Broncos des 2022er Modelljahres zur Verfügung stehen.

Ford Bronco als amtlicher Jeep-Wrangler-Gegner

Das Warten könnte sich für die vielen Vorbesteller dennoch lohnen: Was mit zahlreichen Erlkönig-Bildern und im Internet geleakten Infos bereits zu ahnen war, ist seit der offiziellen Präsentation des Offroaders im Sommer 2020 amtlich: Mit dem Bronco feuert Ford eine Breitseite gegen den Jeep Wrangler und nimmt dessen Fahrzeugkonzept als Blaupause: Zwei- und Viertürer mit herausnehmbaren Türen, abnehmbares Hardtop, kernige Technik mit Leiterrahmen und hinterer Starrachse.

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FORD
Den neuen Ford Bronco gibt es als Zwei- und als Viertürer.

Als Ford die Produktion des Bronco 1996 nach insgesamt 30 Jahren Bauzeit beendete, war vom Ursprungsgedanken dieser Fahrzeugreihe nichts mehr zu erkennen. Der Ur-Bronco aus dem Jahr 1966 war ein relativ kompakter, sehr geländetauglicher Wagen mit Starrachsen, der gegen den Jeep CJ (der heutige Wrangler) positioniert war. Als die erste Generation ausgemustert wurde, setzte Ford aus Kostengründen auf die Plattform der F-Serie-Pickups. Entsprechend schwoll der Bronco im Laufe der Jahre immer weiter an.

Ganz nahe am Ur-Bronco

Der gewaltige Erfolg des Jeep Wrangler in Nordamerika, wo Jeep seit Jahren auf Höchsttouren produziert (2019 rund 230.000 verkaufte Wrangler alleine in den USA), weckte bei Ford natürlich Begehrlichkeiten. 2016 kündigte man schließlich auf der Detroit Motor Show an, den Bronco wiederaufleben zu lassen.

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Robuste Offroad-Technik mit Leiterrahmen und hinterer Starrachse. Die dicken 35-Zoll-Gummis kosten allerdings extra

Der neue Ford Bronco besinnt sich einerseits wieder auf seine Wurzeln aus den 1960er Jahren und ist formal wie konzeptionell ganz nahe am Ur-Bronco. Andererseits kennt man bei Ford natürlich die Erfolge des viertürigen Jeep Wrangler Unlimited und stellt deshalb dem Zweitürer eine längere, familientaugliche Variante mit vier Türen zur Seite. Ausgestattet werden die beiden Modelle je nach Kundenwunsch mit verschiedenen Offroad-Technik-Paketen.

Vorne Einzelradaufhängung, aber zwei Differenzialsperren

Als Basis bekommt der Ford Bronco einen mechanisch zuschaltbaren Allradantrieb, optional ist ein Verteilergetriebe mit Automatik-Allrad verfügbar. Eine zuschaltbare Geländeuntersetzung ist immer an Bord. Im Gegensatz zu Jeep verzichtet Ford auf eine vordere Starrachse und verbaut dort eine Einzelradaufhängung. Allerdings sind für beide Achsen zuschaltbare Differenzialsperren erhältlich, was die systembedingten Defizite bei der Achsverschränkung auszugleichen hilft.

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Schaltgetriebe und Automatik stehen zur Auswahl, ebenfalls zwei unterschiedliche Allradsysteme

Ebenfalls optional gibt es das "Trail Toolbox"-Paket, in dem mehrere elektronische Fahrhilfen gebündelt sind. Dies umfasst unter anderem einen Gelände-"Tempomat", mit dem man sich bei voreingestellter Geschwindigkeit auf das Lenken konzentrieren kann, sowie eine Lenkunterstützung, bei der das kurveninnere Hinterrad abgebremst wird und so in engen Geländesituationen den Wendekreis verbessert. Außerdem gibt es einen Modus für das sogenannte "One Pedal Driving". Fast wie bei einem Elektroauto soll so auf das Betätigen der Bremse verzichtet werden können und Beschleunigung/Verzögerung alleine über das Gaspedal gesteuert werden.

Bei den Geländewerten verspricht Ford unter anderem 29 Zentimeter Bodenfreiheit, wobei nicht erwähnt wird, wo diese gemessen wird – unter der Fahrzeugmitte oder dem hinteren Differential als tiefstem Punkt. Allerdings wird es den Bronco gegen Aufpreis mit 35-Zoll-Reifen geben, die zweifellos für reichlich Luft unter dem Kiel sorgen. Die maximale Wattiefe gibt Ford mit 85 Zentimetern an. Unterfahrschutzbleche und seitliche Rockslider als Schwellerschutz gibt es als Aufpreis-Option, wobei diese tatsächlich ernst gemeint sind und nicht wie die Pseudo-Plastik-Verkleidungen moderner SUV nur der Show dienen.

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Die Halbtüren mit Durchguck werden wohl Aufpreis kosten, Standard sind geschlossene Ganzstahl-Türen

Speziell für die massiven Unterfahrschutz-Maßnahmen wirbt Ford damit, diese auf einzelnen Etappen des "King of the Hammers"-Wettbewerbs getestet zu haben – ein in den USA sehr populäres und extrem schwieriges Offroad-Rennen, bei dem teils meterhohe Felsen überwunden werden müssen.

Neuer Ford Bronco mit zwei Benzinmotoren

Als Antrieb gibt es zunächst zwei Benziner zur Auswahl. Der 2,3-Liter-Vierzylinder Ecoboost-Motor wird mit 270 SAE-PS und 420 Newtonmetern Drehmoment angegeben. Für den optionalen 2,7-Liter-V6 liegen die Angaben bei 310 PS und erstaunlichen 542 Newtonmetern. Zwei Getriebe stehen zur Auswahl, wobei das Schaltgetriebe die interessantere Variante ist: Es handelt sich um ein Siebengang-Getriebe, bei dem der erste Gang als "Crawl"-Gang besonders niedrig übersetzt und genau gegenüber dem Rückwärtsgang platziert ist – eine Auslegung, die beispielsweise der VW Iltis seinerzeit als Ersatz für die dort fehlende Geländeuntersetzung mit auf den Weg bekam. Mit dieser Konfiguration ist der schnelle Wechsel zwischen Rückwärts- und Vorwärtsfahrt in einer Schaltebene möglich, um ein im Schlamm oder Sand festgefahrenes Auto freizuschaukeln. Wer sich diesen Spaß entgehen lassen möchte, kann wahlweise eine Zehngang-Automatik ordern.

Mit dem kurzen ersten Gang hat Ford auch einen Trick umgesetzt: Während beim Jeep Wrangler ein aufpreispflichtiges, in der Geländestufe 4:1 untersetztes Verteilergetriebe bei Offroad-Fahrt die Übersetzung superkurz ausfallen lässt, übernimmt diesen Part bei Ford der Kriechgang in der linken Schaltebene. Damit kommt der neue Bronco auf eine maximale Gesamtübersetzung von 94,8:1, ein selbst unter kompetenten Geländewagen ziemlich spektakulärer Wert. So kann mit minimaler Geschwindigkeit und maximalem Drehmoment im schweren Gelände manövriert werden.

Bronco mit demontierbarem Hardtop

Für den Frischluft-Spaß setzt Ford auf eine Lösung mit demontierbarem Hardtop – wie das Vorbild von Jeep. Die (auf Wunsch lackierten) Hardtops bestehen aus mehreren Einheiten über den Vorder- und Rücksitzen und können so auch nur teilweise entfernt werden, während das Hauptteil hinter dem Überrollbügel montiert bleibt. Bei den Viertürern kostet das Hardtop Aufpreis, diese werden serienmäßig mit einem Stoffdach geliefert.

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Weil es Lieferprobleme beim Hardtop gibt, müssen viele Kunden weiter auf ihren Bronco warten.

Während der Innenraum mit abwaschbaren und staubfesten Oberflächen und Bauteilen betont robust ausgeführt wird, wird bei den elektronischen Gadgets zeitgemäße Technik aufgefahren. Der neue Ford Bronco bekommt die vierte Generation des Ford SYNC-Systems, das unter anderem Over-the-Air-Updates erlaubt. Eine neue Funktion integriert dabei ein Navigationssystem für Offroad-Strecken. Laut Ford sind über 1.000 verschiedene Gelände-Trails verfügbar, die sich mit dem Bronco so einfach wie mit der Straßennavigation abfahren lassen.

Ford Bronco (2021) – der Preis

Insgesamt fünf verschiedene Ausstattungsvarianten stehen für den neuen Ford Bronco zur Wahl, außerdem wird es eine exklusive First Edition-Version zum Verkaufsstart geben. Der einzige bislang kommunizierte Preis ist der des dreitürigen Basismodells mit 29.995 Dollar, umgerechnet rund 26.400 Euro. Auch in diesem Punkt orientiert sich Ford am Jeep Wrangler in den USA, was Rückschlüsse auf die Preise höherer Ausstattungslinien und der viertürigen Varianten zulässt.

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Fazit

Mit dem Bronco rennt Ford in den USA offene Türen ein. Bis heute hat der Ur-Bronco aus dem Jahr 1966 unter Offroad-Enthusiasten Legenden-Status, den die weichgespülteren Nachfolgemodelle nie erreichen konnten. Angesichts des gewaltigen Verkaufserfolges des Jeep Wrangler in den USA ist es nachvollziehbar, dass Ford bei vielen Details ganz genau hingesehen und diese für das eigene Modell "interpretiert" hat. Ob die versprochenen Geländefähigkeiten des Ford Bronco tatsächlich reichen, um den bislang in diesem Bereich ungeschlagenen Jeep Wrangler Rubicon vom Thron zu stoßen, wird sich noch weisen müssen. Und ob der coole Offroader von Ford auch nach Europa kommt, ist noch völlig offen. Erst recht angesichts der hiesigen CO2-Grenzwerte, die für solche Spaßgeräte nur noch wenig Platz lassen.

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