Inmitten von Hotelburgen unter der spanischen Sonne öffnet sich ein verrostetes Rolltor. Dahinter geht es auf Panzerplatten steil bergab in ein Gewölbe aus Sichtbeton, das an einen alten Luftschutzbunker erinnert. In diesem kühlen, unterirdischen Versteck parkt Renault das Facelift des Megane E-Tech noch vor der offiziellen Premiere abseits neugieriger Blicke. Wer nun eine optische Revolution erwartet hat, wird beim ersten Rundgang eines Besseren belehrt. Renault modifiziert seinen kompakten Stromer nach rund vier Jahren Bauzeit nur sehr behutsam.
Auf den ersten Blick fallen die neuen Lichtsignaturen auf. Die seitlichen Lufteinlässe an der Front weichen Tagfahrleuchten im Schachbrettmuster (acht rautenförmige Elemente). Am Heck setzen die Designer nun auf 3D-Leuchten, die auf ein klassisches Abdeckglas verzichten. Auffällig ist, was der Megane nicht hat: Während die Konkurrenz (auch andere Modelle der Marke) zunehmend auf beleuchtete Logos setzt, schwärzt Renault die Embleme beim Megane schlichtweg. Es ist eine Reduzierung aufs Wesentliche. Durch das technische Update im Unterboden wächst der Wagen zudem um 20 Millimeter in die Höhe, was durch angepasste Schürzen kaschiert wird.
Unter der Haube: Neue Akku-Technologie, aber kein Frunk
Die größte Neuerung des Facelifts betrifft den Elektroantrieb. Renault verabschiedet sich von der bisherigen Batterie und verbaut nun einen Lithium-Eisenphosphat-Akku (LFP). Dieser nutzt eine neue "Cell-to-Pack"-Architektur, bei der 232 Zellen extrem dicht gepackt werden. Das Akkupaket wiegt somit rund 70 Kilogramm mehr als vorher, stammt von LG und baut nun rund zwei Zentimeter höher, wodurch sich die Bodenfreiheit des Facelift-Megane verringert. Das Resultat: 67 kWh nutzbare Kapazität und eine WLTP-Reichweite von glatt 500 Kilometern.
Auch beim Nachladen haben die Franzosen optimiert. Die Gleichstrom-Ladeleistung (DC) steigt auf maximal 165 kW. Laut Hersteller lässt sich der Akku damit in rund 24 Minuten von 15 auf 80 Prozent füllen – ein solider Wert in der Kompaktklasse. Neu ist zudem die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), mit der sich externe 220-Volt-Geräte mit bis zu 3.700 Watt über das Auto betreiben lassen.
Angetrieben wird der Megane von einem Synchronmotor mit 160 kW (218 PS), der komplett ohne Seltene Erden auskommt. Ein architektonischer Nachteil bleibt jedoch bestehen: Der Motor baut so hoch, dass unter der vorderen Haube kein Platz für einen "Frunk" (vorderer Kofferraum) bleibt. Das Ladekabel muss weiterhin im recht tiefen Ladeabteil des Hecks verstaut werden – unter einer Klappe, die nach wie vor nicht elektrisch öffnet.
Innenraum: Platzangebot überschaubar, Bedienung gewöhnungsbedürftig
Klappen die bündigen Türgriffe aus, gibt der Megane den Blick in den überarbeiteten Innenraum frei. An den Platzverhältnissen ändert das Facelift erwartungsgemäß nichts. Während man vorn klassenüblich sitzt (in der Top-Version nun auf enger geschnittenen Sitzen mit Massagefunktion), bleibt das Platzangebot im Fond weiterhin sehr überschaubar.
Die Materialqualität überzeugt durch einen geschickten Mix aus harten und weichen Kunststoffen, garniert mit Ziernähten. Im Detail wurde die Mittelkonsole aufgeräumt und bietet nun ein herausnehmbares Ablagefach ("Utensilo") genug Platz für den Alltagskram.
Gewöhnungsbedürftig bleibt die Ergonomie am Lenkrad (das in der sportlichen Ausstattung mehreckig gestaltet ist). Renault hält hartnäckig an einer Fülle von Hebeln auf der rechten Seite der Lenksäule fest: Scheibenwischer, Gangwahlhebel und der klobige Satellit für die Audiobedienung drängen sich hier auf engstem Raum, flankiert von den Schaltwippen für die Rekuperation. Hier greift man beim Fahren unweigerlich hin und wieder ins Leere oder betätigt den falschen Hebel.
Eine technische Neuerung dürfte dieses Problem jedoch etwas entschärfen: Renault führt ein echtes "One-Pedal-Driving" ein. Das Auto verzögert nun bis zum Stillstand, sodass die manuelle Einstellung der Rekuperation über die Wippen im Alltag deutlich seltener nötig sein wird.
Software: Tiefere Google-Integration
Vor dem Fahrer baut sich weiterhin die bekannte, L-förmige Display-Landschaft (12,3 Zoll Tacho, 12 Zoll Multimedia) auf. Ein großes Plus: Es gibt weiterhin physische klickende Tasten für die Klimabedienung.
Das Infotainment-System "openR Link" basiert auf Google Automotive und wurde weiter aufgebohrt. Der ohnehin schon sehr gute EV-Routenplaner mit Ladeplanung bleibt an Bord. Neu ist, dass man das Smartphone für viele Funktionen gar nicht mehr braucht. Renault integriert einen Zugang zum PlayStore mit über 100 Apps (darunter Videostreaming). Ein entsprechendes Datenpaket (ca. 2 GB/Monat bzw. ausreichend für 40h Audio-Streaming) ist für drei Jahre im Kaufpreis enthalten. Zudem gibt es nun ein Lade-Pad nach dem neuen Qi2-Standard (MagSafe-kompatibel), das Smartphones deutlich schneller und kühler lädt.
Kleine Randnotiz aus der Sitzprobe: Der aktuelle Google Assistant im Auto weigert sich auf Nachfrage beharrlich, Witze zu erzählen. Das soll sich ab Ende 2026 ändern, wenn Renault den neuen, deutlich dialogfähigeren KI-Assistenten Google Gemini per Update in das System integriert. Zur Überwachung der Aufmerksamkeit sitzt nun außerdem eine Kamera in der A-Säule, die nebenbei den Fahrer am Gesicht erkennt und Sitz- sowie Medien-Profile automatisch lädt.
Flucht nach vorn
Mit dem Facelift entrümpelt Renault die Preisliste; auch wenn genaue Preise noch nicht bekannt sind. Um die Kunden bei der Konfiguration nicht zu überfordern und gleichzeitig die Produktion in Nordfrankreich effizienter zu gestalten, gibt es künftig nur noch zwei voll ausgestattete Linien: Techno und Esprit Alpine. Dieser Schritt kommt zur richtigen Zeit. Im vergangenen Jahr verkaufte sich der elektrische Megane in Deutschland gerade einmal rund 500 Mal. Zudem wächst der Druck im eigenen Haus durch den neuen, stark beachteten Renault 4 E-Tech. Ab Juli kann das Facelift bestellt werden. Im Oktober rollt der Megane dann zu den Händlern.












