Porsche Mission E / Taycan Cross Turismo (2020)

Elektro-Kombi mit Offroad-Optik geht in Serie

Porsche Mission E Cross Turismo 06/2018 Porsche Mission E Cross Turismo 06/2018 Porsche Mission E Cross Turismo 06/2018 Porsche Mission E Cross Turismo 06/2018 69 Bilder

Bevor der Mission E als Taycan zu kaufen ist, stellt Porsche bereits ein Derivat vor. Die sportlich flache Kombi-Karosse mit 600 Elektro-PS überrascht mit SUV-Elementen und wirkt seriennäher als die des Mission E von 2015. Und: Der Mission E Cross Turismo wird ebenfalls in Serie gehen. Mit der Studie konnten wir bereits fahren.

Porsche bringt ein zweites, rein elektrisch angetriebenes Modell an den Start: In seiner Sitzung vom 18. Oktober hat sich der Porsche-Aufsichtsrat für die Serienfertigung der Konzeptstudie Mission E Cross Turismo entschieden. Für die Produktion des Fahrzeugs, das auf dem Genfer Autosalon 2018 vorgestellt wurde, baut der Sportwagenhersteller 300 zusätzliche Arbeitsplätze am Stammsitz in Zuffenhausen auf.

Mehr als 600 PS, 0 bis 100 km/h in unter drei Sekunden, eine Nordschleifenzeit von weniger als acht Minuten – und das alles mit elektrischem Allradantrieb und mehr als 500 Kilometer Reichweite (nach NEFZ): Was Porsche 2015 mit dem Mission E auf die IAA rollte, klang wie die Quadratur des Kreises: Ein alltagstaugliches Elektroauto und ein Porsche in einem, ein Tesla-Fighter, der nicht nur längsdynamisch kontert.

Denn Porsche ließ den einfachen Weg aus, seine ohnehin hochbauenden SUVs zu elektrifizieren. Das kommt auch noch, mit Technik aus dem Konzern (Premium Platform Electric (PPE) ). Aber das erste Elektroauto der Sportwagenmarke sollte sportlich sein. Dank so genannter Fußgaragen konnte der Mission E markentypisch flach bleiben, ohne die Insassen zu quälen. Fußgarage heißen die Aussparungen in der riesigen Batterie vor und hinter den Vordersitzen, so dass die Passagiere trotz deutlich unter 1,5 Meter Fahrzeughöhe weder unter geringer Kopffreiheit noch unter stark angewinkelten Beinen leiden müssen, weil die Sitzflächen tief liegen, aber der Fahrzeugboden nicht tief genug ist.

Taycan vor Produktionsstart
Porsche stemmt Bau des E-Sportlers

Karosse

Der Mission-E-Concept-Car nutzte das zu einer für einen Viersitzer bemerkenswerten Höhe von nur 1,3 Meter. Der Cross Turismo ist technisch identisch, bietet in seiner Kombikarosse aber mehr Raumkomfort und streckt sich auf 1,42 Meter – ziemlich genau die Höhe des Panamera Sportturismo. Seine Luftfederung erlaubt es, die Bodenfreiheit per Knopfdruck um 5 Zentimeter zu erhöhen.

Porsche Mission E Cross Turismo Foto: Porsche
Der Mission E Cross Turismo ist technisch identisch mit der Studie von 2015.

Mit 4,95 Meter ist er aber 10 Zentimeter kürzer als der aktuelle Reise-Porsche. Optisch wirkt er deutlich gedrungener, sein Interieur dürfte aber dank der Platz sparenden E-Antriebstechnik (Motoren vorn und hinten in Achsnähe) mehr Platz für Passagiere und Gepäck bieten.

Auch bei Einstieg und Beladung ist die größere Höhe hilfreich. Hinter der großen Heckklappe wartet im mit Karbon ausgekleideten Kofferraum des Concept Cars eine Drohne auf einem ausklappbaren Tragrahmen.

Interieur und Bedienung

Davon abgesehen ist der Cross Turismo innen erheblich realistischer als das des ersten Mission E von 2015 und sieht aus wie ein glaubhaft modernisiertes Porsche-Interieur der nahen Zukunft: durchgehendes, klares Armaturenbrett, kräftige Mittelkonsole. Vor dem klassischen Porsche-Lenkrad zeigen digitale Instrumente auf einem Curved Display in 911-Optik, das wie im Klassiker links und rechts über den Durchmesser des Lenkrads hinausragt, die wichtigsten Informationen. Die Motordrehzahl, bislang zentral, gehört allerdings nicht mehr dazu. Ihren Platz nimmt im Concept Car die Reichweite ein.

Porsche Mission E Cross Turismo Foto: Porsche
Das Curved Display ist der Hingucker in der neuen Mission E-Studie von Porsche.

Das ist aber nicht in Stein gemeißelt. Zumindest im Concept Car sollen die drei virtuellen Rundinstrumente darauf reagieren, wohin der Fahrer blickt: Mittels Kamera im Innenspiegel erkennt das Eye-Tracking-System, auf welches Instrument der Fahrer gerade blickt. Es wird dann in den Vordergrund gerückt, während andere durch Wegschauen entsprechend reduziert werden. Die Bedienung erfolgt über Smart-Touch-Controls am Lenkrad.

Der Beifahrer muss nicht neidisch sein: Sein Bildschirm zieht sich über die gesamte Breite der Beifahrerseite und lässt sich ebenfalls per Eye-Tracking steuern. Mittels Touch-Funktion kann der Beifahrer verschiedene Apps bedienen und so Funktionen wie Medien, Navigation, Klima und Kontakte steuern. Ein Touch-Bedienfeld in der Mittelkonsole mit detaillierten Informationsmenüs komplettiert die Displaylandschaft. Außerdem sitzen kleine Touch-Screens in den multifunktionalen Fensterheber-Modulen (für Sitzverstellung und Komfortfunktionen des Sitzes) und in den lamellenlosen Luftausströmern rechts und links im Armaturenträger. Dort lässt sich zum Beispiel durch Wischen von links nach rechts die Stärke der Lüftung erhöhen.

Schick: Die Türverkleidungen bestehen aus 3D-Elemente mit einer strukturierten Oberfläche, die zusammen mit der farblich verstellbaren Ambiente-Beleuchtung interessante Effekte erzeugt.

Fahrbericht

Porsche Mission E Cross Turismo 06/2018 Foto: Porsche
auto motor und sport-Chefreporter Jens Dralle konnte dem Showcar die Sporen geben.

Vorneweg: Ein Ford Crown Victoria. Hintendran: Ein Chevrolet Tahoe. Beide gelenkt von Männer, denen eine Sonnenbrille den ohnehin ernsten Blick zusätzlich verfinstert. Sie sind Cops. Zwischen ihren Einsatzfahrzeugen: Der Porsche Mission E Cross Turismo. Ein Einzelstück, ein Showcar. Aber eines, das fährt. Und vor allem fahren soll, denn in ihm steckt schon die Technik des zukünftigen Elektrosportwagens Mission E der Marke. Im Spätsommer 2019 kommt er auf den Markt, zunächst als eine Art Coupé mit vier Türen. Etwas später könnte dann der Cross Turismo folgen, sehr wahrscheinlich sogar, doch „beschlossene Sache ist das noch nicht“, wie Stefan Weckbach betont.

Er verantwortet die neue Elektro-Familie, sitzt auf dem Beifahrersitz und ermuntert, nun „mal richtig Gas zu geben“. Rund 500 PS leisten die beiden permanent erregten Synchronmotoren, verteilen etwa 1000 Nm an alle vier Räder, in der Serie mit ausgefuchstem Torque Vectoring. Das Akku-Paket steckt im Fahrzeugboden. „Das hilft uns ungemein, um die markentypische Fahrdynamik zu erzielen. Der Schwerpunkt des Mission E liegt sogar unterhalb dem des 911“, erklärt Weckbach.

Zwei Tonnen mit 600 PS

Jetzt aber: Schub. Die Polizei ist ja dabei, sichert den nicht zugelassenen Prototypen ab. Dessen 20-Zoll-Räder stemmen nun das grobe Offroad-Profil in den Asphalt, die E-Motoren sirren nur dezent, der Cross Turismo drückt nahezu geräuschlos aber mit erheblichem Schub voran, obwohl er in diesem Stadium noch nicht die Leistungsvorgaben erfüllt, mehr als 600 PS sollen es später sein. Hinzu kommt das Gewicht, denn die Studie wiegt gut 500 Kilogramm zu viel. Das Serienmodell des Mission E wird rund 2,1 Tonnen wiegen, also ähnlich viel wie ein Panamera. Von dem übernimmt die neue Baureihe auch Fahrwerkskomponenten, das Fahrgefühl vermutlich gleich mit. Zumindest soweit sich das jetzt schon sagen lässt – denn noch drückt die Sitzlehne mit der Geschmeidigkeit eines Stahlträgers in den Rücken drückt. Wie gesagt: Showcar.

Fünf lässig schwebende Elfer-Uhren

Mehr als nur Show dagegen: Die Instrumente. Nein, keine anlaogen Rundinstrumente, natürlich. Stattdessen ein frei konfigurierbares Display, geformt wie die Umrandung der klassischen fünf Elfer-Uhren, scheinbar frei schwebend und gebogen. Sieht lässig aus, kommt auch so in Serie. Ebenso wie die beiden berührungsempfindlichen Monitore, die sozusagen als Zierleiste ins Cockpit integriert sich bis zum Beifahrer erstrecken. Der kann sich also sein eigenes Programm gestalten. „Wenn er möchte, lässt sich von hier aus auch die Drohne steuern, die sonst im Kofferraum untergebracht ist“, sagt Gantimur Meissner, Leiter User Experience. Braucht kein Mensch? Das sieht Meissner anders. „Features, die keinen direkten Nutzwert haben, aber gut funktionieren, empfinden viele Menschen als cool“, sagt Meissner.

Deutlich mehr Nutzwert dagegen bietet das überarbeitete Bedienkonzept. „Ein Sprach-Dialogsystem erleichtert vieles“, verspricht Meissner. Als Fahrer möchtest du vor allem Lenkrad und Pedale bedienen, was beim Cross Turismo in gewohnt ergonomischer Umgebung bestens klappt. Nur eben nicht so, wie es der Mission E dann können soll, wenn er fertig entwickelt über die Straßen rollt. Besser: rennt. In weniger als drei Sekunden von Null auf 100 km/h, gerne mehrfach hintereinander, wie Weckbach betont. „Wird kaum jemand machen, aber unser Kunden erwarten, dass ein Elektro-Porsche das kann“. Und Kurven wegputzen. Doch das kann der Cross Turismo nur ein ganz kleines bisschen. Weil: Showcar. Und nicht etwa wegen der Polizeieskorte.

Porsche Mission E Cross Turismo – Daten im Stenogramm

  • Länge 4,95 Meter
  • Breite 1,99 Meter
  • Höhe 1,42 Meter
  • Luftfederung: 5 cm mehr Bodenfreiheit auf Knopfdruck
  • Reifen 275/40 R auf 20-Zoll-Felgen
  • 800-Volt-Architektur
  • Reichweite: > 500 km
  • Aufladung: 15 Minuten bringen rund 400 Kilometer Reichweite
  • Leistung > 600 PS
  • 2 Elektromotoren, Allradantrieb und Torque Vectoring
  • 0 bis 100 km/h in 3,5 s
  • 0 bis 200 km/h in < 12 s

Fazit

Wenn der Taycan sowas ist wie der elektrische Nachfolger des Panamera, dann ist der Mission E Cross Turismo der künftige Panamera Sport Turismo mit Elektro-Antrieb. Und seit dem 18. Oktober 2018 ist klar: Er geht in Serie. Als Taycan-Derivat übernimmt er sicher auch den Namen, vermutlich mit dem Zusatzbezeichnung der Studie: Taycan Cross Turismo.

Für den Taycan hat Porsche 2016 mit umfangreichen Bauarbeiten in Zuffenhausen begonnen, die schon weit gediehen sind. Kein Wunder: 2019 soll die Serienversion debütieren. Porsche glaubt in naher Zukunft an Jahresstückzahlen von bis zu 30.000. Mit dem Taycan Cross Turismo könnten noch ein paar dazukommen.

Der Preis des Taycan soll zwischen Varianten von Cayenne und Panamera mit vergleichbarer Leistung liegen. Und weil der Taycan zuerst in der Top-Variante mit 600 PS auf den Markt kommt, dürfte sein Preis nicht unter 145.000 Euro beginnen. Der Preis des Taycan Cross Turismo wird analog zum Abstand zwischen Panamera und Panamera Sport Turismo anfangs also nicht unter 152.000 kommen.

Bereits bestätigte Varianten des Taycan könnten einen Basispreis von etwa 95.000 Euro haben, beim Taycan Cross Turismo wären das entsprechend gut 100.000 Euro.

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