12/2019, Mercedes-AMG One mit Lewis Hamilton Mercedes-AMG / Facebook
12/2019, Mercedes-AMG One mit Lewis Hamilton
12/2019, Mercedes-AMG One mit Lewis Hamilton
Mercedes-AMG One Showtruck
Mercedes-AMG One Showtruck 45 Bilder

Mercedes-AMG One (2021)

AMG-Hypercar auf der Rennstrecke unterwegs

Der straßenzugelassene Sportwagen mit F1-Antrieb verzögert sich und kommt wohl 2021 zu den Kunden. Aber er kommt. Um die Wartezeit zu verkürzen, veröffentlichte Mercedes-AMG ein Teaser-Video mit Formel 1-Champion Lewis Hamilton.

Der Mercedes AMG Project One wurde 2017 auf der größten Bühne der IAA in Frankfurt vorgestellt. Tenor: Wir bringen die Formel 1 auf die Straße. Im Heck des Carbon-Renners steckt der Motor aus dem Silberpfeil – inklusive Rekuperation und Hybridisierung. Das soll für einen Top-Speed von mehr als 350 km/h sorgen. Für den Hunderter-Sprint versprachen die AMG-Verantwortlichen eine Zeit von unter 2,5 Sekunden.

Neues Teaser-Video mit Lewis Hamilton

Bei der Abstimmung des Hypercars, dessen endgültiger Name schlicht „One“ lauten wird, durfte niemand Geringeres als Weltmeister Lewis Hamilton helfen, was dem ganzen Projekt noch zusätzlichen Formel-1-Glanz verlieh. Das Gleiche gilt auch für die Liste der Kunden: Zu den Käufern, die ihre Bestellung verbindlich abgegeben haben, gehören neben dem sechsfachen F1-Weltmeister zum Beispiel auch Teamkollege Valtteri Bottas und die Ex-Grand-Prix-Piloten Nico Rosberg und David Coulthard.

Lewis Hamilton mit dem Mercedes-AMG One
1:00 Min.

Nun veröffentlichte Mercedes-AMG ein Teaser-Video, das neben Hamilton auch den noch getarnten One in seinem aktuellen Entwicklungs-Status zeigt, und zwar fahrend auf einer Rennstrecke in Deutschland. Der Sportwagen ist darin recht flott unterwegs, fährt aber auch vollelektrisch. „Das Auto verhält sich wie eine Kanonenkugel“, sagt der F1-Champion, „es beschleunigt unglaublich und klingt wie ein Rennwagen.“

Zu sehen ist außerdem, dass der Mercedes-AMG One mit reichlich aerodynamischem Leitwerk bestückt ist. Es zeigen sich außerdem vier zentrale, im Pagani-Stil angeordnete Auspuff-Endrohre, Pushrod-Fahrwerkselemente und eine Motorabdeckung aus Karbon. Innen gibt es einen Digitaltacho, einen breitformatigen Infotainment-Bildschirm – und ansonsten viele Kabel, Messgeräte und einen Laptop. Typisch Prototyp.

Mit Videos wie diesen will Mercedes-AMG die Wartezeit verkürzen, die für die erlesene Kundschaft allmählich deutlich länger ist als gedacht. Die Markteinführung der rund drei Millionen Euro teuren Hightech-Flunder wurde eigentlich für 2019 versprochen. Doch wie mittlerweile bekannt wurde, sollen die ersten Modelle nicht vor 2021 an die Kunden ausgeliefert werden. Der Grund: Es gibt Probleme mit dem Antriebsstrang.

Mercedes-AMG Project One - Hypercar - IAA 2017 - Vorstellung
Mercedes-AMG
Der Mercedes AMG Project One soll die F1-Antriebstechnik auf die Straße bringen.

Komplizierte Antriebstechnik

Der 1,6-Liter-V6-Hybrid Benzinmotor wird beim One mit insgesamt vier Elektromaschinen gekoppelt. Eine davon soll wie in der Formel 1 im Turbolader integriert sein, eine andere soll sich direkt am Verbrennungsmotor befinden und mit der Kurbelwelle verbunden sein. Zwei weitere werden die Vorderräder antreiben.

Die Probleme kommen für Experten allerdings nicht unerwartet. Die Ankündigung, dass die Kunden damit prahlen dürfen, das echte F1-Weltmeister-Triebwerk zu fahren, war vollmundig und mehr als ambitioniert. F1-Triebwerke taugen nur für die F1, für nichts weiter. Das musste auch schon Porsche erfahren, wo man sein fertig entwickeltes F1-Aggregat in die Tonne trat, nachdem der VW-Vorstand den Einstieg in die Königsklasse abgeblockt hatte.

Mercedes macht jetzt die gleiche Erfahrung. Zwei kleine Beispiele: F1-Motoren sind empfindsame Zicken. Man muss ihren Ölkreislauf im Stand mühsam anwärmen, bevor man sie überhaupt starten darf. Das jedoch hat auch konstruktive Rückwirkungen – und die wiederum sind überhaupt nicht kompatibel mit dem, was beim Straßeneinsatz passiert.

Mercedes-AMG Project One
Vorstellung Mercedes-AMG Project One (IAA 2017)
1:33 Min.

Strenge Zulassungsbestimmungen

Und offenbar hat sich bei der Entscheidung, den F1-Motor zu verwenden, auch keiner Gedanken darüber gemacht, wie man die fragile Konstruktion emissionstechnisch auf die Straße bringen kann. Mehrere Abgas-Nachreinigungssysteme samt Partikelfilter müssen zum Einsatz kommen, wenn man das Auto auch außerhalb von Ruanda für den Straßenbetrieb zulassen will.

Ein AMG-Insider enthüllt: „Sowohl die Motoren-Kollegen bei Mercedes-AMG High Performance Powertrains in England als auch Mercedes und AMG in Deutschland haben die Aufgabenstellung bei diesem Motor unterschätzt.“ So wird aus einem Prestigeobjekt schlagartig ein großer Schlamassel.

Die Red-Bull-Konkurrenz, die mit dem Aston Martin Valkyrie ein eigenes Hypercar auf Kiel gelegt hat, witzelt bereits im F1-Fahrerlager: „Statt Project One sollten sie das Auto mittlerweile vielleicht lieber Project Twenty-One nennen.“ Man darf für Mercedes nur hoffen, dass es am Ende nicht zu einem ähnlichen finanziellen Fiasko wird wie Stuttgart 21.

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Ein cooles, ambitioniertes Projekt, das eben genug Entwicklungszeit erfordert.
AMG sollte einsehen, dass man sich übernommen hat, und das Projekt einstellen.

Fazit

Nachdem es zwischenzeitlich Gerüchte gab, Mercedes könnte das Experiment namens Project One wegen der vielen technischen Schwierigkeiten beenden, soll das neue Teaser-Video wohl vor allem eines bewirken: Keine Sorgen, liebe Fans und Kunden, das Auto fährt, und es fährt schnell, und es kommt auch auf den Markt. Nur wann es kommt, ist weiterhin die große Frage. Aktuell geht der Hersteller von 2021 aus – und wird sich spätestens dann an dieser Prognose messen lassen müssen.

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