12/2020, Mercedes-AMG One GP Circuit Abu Dhabi Daimler AG
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12/2020, Mercedes-AMG One GP Circuit Abu Dhabi 60 Bilder

Mercedes-AMG One (2021): AMG-Hypercar mit finalem Antrieb

Mercedes-AMG One (2021) 1.000-PS-Hypercar fährt über 350 km/h

Der Mercedes-AMG One mit dem F1-Antriebsstrang nimmt Tuchfühlung zur Motorsport-Königsklasse auf. Auf den Markt kommt der Supersportler jedoch erst verspätet im kommenden Jahr.

Der Mercedes-AMG Project One wurde 2017 auf der größten Bühne der IAA in Frankfurt vorgestellt. Tenor: Wir bringen die Formel 1 auf die Straße. Im Heck des Karbon-Renners steckt der Motor aus dem Silberpfeil der Saison 2015 – inklusive Rekuperation und Hybridisierung. Das soll für einen Top-Speed von mehr als 350 km/h sorgen. Für den Hunderter-Sprint versprachen die AMG-Verantwortlichen eine Zeit von unter 2,5 Sekunden.

Teaser-Video mit Lewis Hamilton

Bei der Abstimmung des Hypercars, dessen endgültiger Name schlicht "One" lauten wird, durfte niemand Geringeres als Weltmeister Lewis Hamilton helfen, was dem ganzen Projekt noch zusätzlichen Formel-1-Glanz verlieh. Das Gleiche gilt auch für die Liste der Kunden: Zu den Käufern, die ihre Bestellung verbindlich abgegeben haben, gehören neben dem sechsfachen F1-Weltmeister zum Beispiel auch Teamkollege Valtteri Bottas und die Ex-Grand-Prix-Piloten Nico Rosberg und David Coulthard.

Ein erstes Teaser-Video zeigte den noch getarnten One im Sommer 2020 in seinem damaligen Entwicklungs-Status, und zwar fahrend auf einer Rennstrecke in Deutschland. Der Sportwagen ist darin recht flott unterwegs, fährt aber auch vollelektrisch. "Das Auto verhält sich wie eine Kanonenkugel", sagt der F1-Champion, "es beschleunigt unglaublich und klingt wie ein Rennwagen."

Zu sehen ist außerdem, dass der Mercedes-AMG One mit reichlich aerodynamischem Leitwerk bestückt ist. Einige Luftleitelemente arbeiten dabei aktiv. Es zeigen sich außerdem vier zentrale, im Pagani-Stil angeordnete Auspuff-Endrohre, Pushrod-Fahrwerkselemente und eine Motorabdeckung aus Karbon. Innen gibt es einen Digitaltacho, einen breitformatigen Infotainment-Bildschirm – und ansonsten viele Kabel, Messgeräte und einen Laptop. Typisch Prototyp.

Mit Videos wie diesen will Mercedes-AMG die Wartezeit verkürzen, die für die erlesene Kundschaft allmählich deutlich länger ist als gedacht. Die Markteinführung der rund drei Millionen Euro teuren Hightech-Flunder wurde eigentlich für 2019 versprochen. Doch wie mittlerweile bekannt wurde, sollen die ersten Modelle erst 2021 an die Kunden ausgeliefert werden. Der Grund: Es gab Probleme mit dem Antriebsstrang.

Komplizierte Antriebstechnik mit über 1.000 PS

Der 1,6-Liter-V6-Hybrid Benzinmotor wird beim One mit insgesamt vier Elektromaschinen gekoppelt. Eine davon soll wie in der Formel 1 im Turbolader integriert sein, eine andere soll sich direkt am Verbrennungsmotor befinden und mit der Kurbelwelle verbunden sein. Zwei weitere werden die Vorderräder antreiben. In der finalen Konfiguration sollen diesem Antriebsstrang mit variablem Allradantrieb über 1.000 PS entspringen. Mittelfristig soll sich der AMG One auch auf der Nordschleife des Nürburgrings beweisen.

Die Probleme kommen für Experten allerdings nicht unerwartet. Die Ankündigung, dass die Kunden damit prahlen dürfen, das echte F1-Weltmeister-Triebwerk zu fahren, war vollmundig und mehr als ambitioniert. F1-Triebwerke taugen nur für die F1, für nichts weiter. Das musste auch schon Porsche erfahren, wo man sein fertig entwickeltes F1-Aggregat in die Tonne trat, nachdem der VW-Vorstand den Einstieg in die Königsklasse abgeblockt hatte.

Mercedes macht jetzt die gleiche Erfahrung. Zwei kleine Beispiele: F1-Motoren sind empfindsame Zicken. Man muss ihren Ölkreislauf im Stand mühsam anwärmen, bevor man sie überhaupt starten darf. Das jedoch hat auch konstruktive Rückwirkungen – und die wiederum sind überhaupt nicht kompatibel mit dem, was beim Straßeneinsatz passiert.

Strenge Zulassungsbestimmungen

Und offenbar hat sich bei der Entscheidung, den F1-Motor zu verwenden, auch keiner Gedanken darüber gemacht, wie man die fragile Konstruktion emissionstechnisch auf die Straße bringen kann. Mehrere Abgas-Nachreinigungssysteme samt Partikelfilter müssen zum Einsatz kommen, wenn man das Auto auch außerhalb von Ruanda für den Straßenbetrieb zulassen will. Zudem musste der Verbrenner auf den Betrieb mit handelsüblichem Super Plus statt Rennbenzin adaptiert werden, weshalb das Drehzahllimit auf 11.000/min. begrenzt ist.

Ein AMG-Insider enthüllt: "Sowohl die Motoren-Kollegen bei Mercedes-AMG High Performance Powertrains in England als auch Mercedes und AMG in Deutschland haben die Aufgabenstellung bei diesem Motor unterschätzt." So wird aus einem Prestigeobjekt schlagartig ein großer Schlamassel.

Die Red-Bull-Konkurrenz, die mit dem Aston Martin Valkyrie ein eigenes Hypercar auf Kiel gelegt hat, witzelt bereits im F1-Fahrerlager: "Statt Project One sollten sie das Auto mittlerweile vielleicht lieber Project Twenty-One nennen." Man darf für Mercedes nur hoffen, dass es am Ende nicht zu einem ähnlichen finanziellen Fiasko wird wie Stuttgart 21.

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Ein cooles, ambitioniertes Projekt, das eben genug Entwicklungszeit erfordert.
AMG sollte einsehen, dass man sich übernommen hat, und das Projekt einstellen.

Fazit

Nachdem es zwischenzeitlich Gerüchte gab, Mercedes könnte das Experiment namens Project One wegen der vielen technischen Schwierigkeiten beenden, steht nun endgültig fest: Das Auto kommt, und zwar 2021. Weitere Einzelheiten dürfte Mercedes-AMG in Kürze bekanntgeben.

Mercedes AMG One
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