06/2020, Lordstown Endurance Lordstown Motors
04/2021, Lordstown Endurance Beta Prototyp
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06/2020, Lordstown Endurance 21 Bilder

Vorwürfe von Hindenburg Research gegen Lordstown

SEC-Ermittlung nach Hindenburg-Research-Vorwürfen Börsenaufsicht untersucht, Lordstown macht weiter

Ein Shortseller überzieht Lordstown Motors mit schweren Anschuldigungen, die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt. Der Elektroauto-Hersteller sieht sich aber weiter auf Kurs und plant seine Zukunft mit weiteren Investitionen und einem neuen Modell.

Das Phänomen des Shortsellings (auch bekannt als Leerverkauf) ist sehr umstritten am Wertpapiermarkt. Der Shortseller spekuliert dabei auf fallende Aktienkurse eines Unternehmens, wobei diese Wette oft mit schweren Vorwürfen in Richtung der betreffenden Firma einhergeht. Immer wieder prangern die Leerverkäufer aber auch Unternehmen an, die ihre Investoren tatsächlich täuschen. Beim Wirecard-Skandal beispielsweise halfen sie mit, die Missstände rund um den Finanz-Dienstleister aufzudecken, während die Behörden und private Ermittler nichts gegen die Machenschaften unternahmen.

Erst Nikola, nun Lordstown

Einer der bekanntesten Shortseller ist Hindenburg Research. Vor wenigen Monaten brachte der Investor den Elektroauto-Hersteller Nikola in einer schwere Existenzkrise, indem er ihm unlautere Methoden bis hin zum Betrug vorwarf. Mit dem Ergebnis, dass die Aktie abstürzte, der Chef zurücktrat, das US-Justizministerium Ermittlungen aufnahm und sich namhafte Autohersteller und -zulieferer aus der Kooperation mit Nikola zurückzogen. Nun nimmt Hindenburg Research mit Lordstown Motors das nächste E-Auto-Startup ins Visier und überzieht es mit ganz ähnlichen Vorwürfen.

06/2020, Lordstown Endurance
Lordstown Motors
Wie kurz steht der Lordstown Endurance tatsächlich vor der Markteinführung?

Die zentrale Anschuldigung: Lordstown veröffentliche in Bezug auf sein Erstlingswerk Endurance, eines elektrisch angetriebenen Pickups, nicht nur unkorrekte Bestellzahlen, sondern fälsche sogar Aufträge. Viele der bislang etwa 100.000 Bestellungen seien "fiktiv" und stammten beispielsweise von Briefkastenfirmen, Beratungsagenturen oder Kleinbetrieben, die angeblich dafür bezahlt wurden, bei Lordstown Bestellungen zu platzieren. "Viele der angeblichen Kunden betreiben weder Flotten noch haben sie die Mittel, die angegebenen Käufe tatsächlich zu tätigen", heißt es in der Veröffentlichung von Hindenburg Research. Das Start-up wolle mit dieser Strategie auf unlautere Weise zusätzliche Investoren anlocken und Kapital beschaffen.

Wie kurz steht die Serienfertigung bevor?

Ein weiterer Vorwurf: Lordstown gebe zwar vor, kurz vor Start der Serienproduktion zu stehen – im September 2021 soll es soweit sein. Tatsächlich soll diese jedoch mindestens drei oder vier Jahre entfernt sein. Dies gehe aus Gesprächen mit ehemaligen hochrangigen Mitarbeitern hervor, die Hindenburg Research zu dem Thema befragt habe. Zudem sei keine Testreihe des Elektro-Pickups zufriedenstellend abgeschlossen worden. Im Gegenteil: Im Januar 2021 sei ein Endurance-Prototyp nach zehn Minuten Testfahrt in Flammen aufgegangen.

03/2021, Lordstown Endurance Werk Ohio
Lordstown Motors
Der Lordstown Endurance soll in einem Ex-GM-Werk in Ohio gefertigt werden.

Hindenburg Research sieht den Firmengründer und -chef Steve Burns als zentrale Figur in einem Netz aus fragwürdigen und unethischen Geschäftspraktiken. Die Zeit bei seiner vorherigen Firma, dem Nutzfahrzeug-Hersteller Workhorse, wurde von ähnlichen Vorwürfen begleitet und endete im Frühjahr 2019. Kurze Zeit später gründete Burns Lordstown Motors mit dem Ziel, in einer ehemaligen General-Motors-Fabrik in der gleichnamigen Stadt seinen Elektro-Pickup zu bauen. Dafür gab es hohe Fördergelder und sogar öffentliche Unterstützung vonseiten des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Kein Wunder, schließlich versprach Steve Burns, dort künftig mit 4.000 bis 5.000 Mitarbeitern bis zu 600.000 Autos pro Jahr zu bauen.

"Kein verkaufsfähiges Produkt"

Shortseller Hindenburg Research glaubt nicht, dass es dazu kommt; Lordstown Motors habe "kein verkaufsfähiges Produkt". Ein schlechtes Zeichen sei zudem, dass viele Führungskräfte nach dem Börsengang im Oktober 2020 bereits Anteile im Wert von 28 Millionen Dollar (knapp 23,5 Millionen Euro) abgestoßen hätten. Direkt nach der Veröffentlichung von Hindenburg Research brach die Lordstown-Aktie um etwa 20 Prozent Prozent ein. Gut für den Shortseller; er hatte zuvor schließlich auf einen fallenden Kurs gewettet.

06/2020, 2021 Lordstown Endurance
Lordstown Motors
Der Elektro-Pickup soll auf einem Skateboard-Chassis aufbauen, dass alle Antriebs-Komponenten enthält.

Inzwischen ist auch die US-Börsenaufsicht alarmiert. Sie leitete eine Untersuchung ein, bei der Lordstown nach eigener Aussage kooperiere. Der Elektroauto-Hersteller habe zudem im Vorstand ein spezielles Komitee gebildet, das die Vorgänge aufklären soll. In einer Telefonkonferenz betonte Lordstown, dass das Unternehmen bei der Markteinführung des Endurance auf Kurs sei. Noch im März soll die Produktion der Prototypen abgeschlossen sein, im September soll die reguläre Serienfertigung beginnen.

Zweites Modell, größere Kapazitäten

Lordstown Motors stellte außerdem seine Pläne für die mittelfristige Zukunft vor. Der Hersteller plane eine Investition von 275 Millionen Dollar (gut 230 Millionen Euro) in das Werk, um die jährliche Produktionskapazität auf 60.000 Autos aufzustocken. Obendrein will das Unternehmen im Sommer ein zweites Modell vorstellen. Dabei soll es sich um einen elektrisch angetriebenen Lieferwagen handeln, dessen Fertigung in der zweiten Jahreshälfte 2022 starten soll.

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Fazit

Nach dem von den Anschuldigungen verursachten Kurssturz hat sich das Wertpapier wieder stabilisiert. Es gibt offensichtlich Anleger, die Steve Burns und Lordstown Motors weiterhin vertrauen. Ob das gerechtfertigt ist, wird sich jedoch erst zeigen, sobald der Endurance auf dem Markt ist und als Produkt überzeugen kann.

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