McLaren MCT Hauptquartier Verkauf McLaren / Patrick Lang
SPERRFRIST 17.2.21 00:15 Uhr McLaren Artura Supercar Hybrid
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SPERRFRIST 17.2.21 00:15 Uhr McLaren Artura Supercar Hybrid 16 Bilder

McLaren verkauft Klassiker, um Artura fertig zu entwickeln

McLaren holt sich frisches Kapital Klassiker verkauft, um Artura fertig zu entwickeln

Die Pandemie hat McLaren hart gebeutelt. Der Sportwagenbauer hat schon viel versucht, um finanziell wieder auf die Beine zu kommen. Nun haben die Briten einen Teil ihrer historischen Sammlung verkauft.

Mit dem Artura, dem neuen Plug-in-Hybrid-Sportwagen (siehe Fotoshow und Video), wollte McLaren endlich seine wirtschaftlichen Turbulenzen hinter sich lassen und in eine neue, hoffentlich glorreiche Ära aufbrechen. Und zwar bereits in der ersten Jahreshälfte 2021. Doch der Artura verzögerte sich mehrfach: McLaren wollte vor der endgültigen Markteinführung des Hoffnungsträgers noch "gewisse technische Verbesserungen" durchführen. Das Problem: Den chronisch klammen Briten fehlt dafür das nötige Kapital. Ihr Verlust in den ersten neun Monaten 2022 betrug 203 Millionen Pfund (fast 237 Millionen Euro).

McLaren sah sich deshalb gezwungen, sein Tafelsilber zu verkaufen. Wie ein Sprecher des Nobelherstellers bestätigte, wurden unlängst einige historische Fahrzeuge aus der firmeneigenen Sammlung veräußert. Und zwar an den Hauptanteilseigner des Unternehmens, den Staatsfonds des arabischen Landes Bahrain, der bereits etwa 60 Prozent der McLaren-Anteile besitzt. Im Gegenzug sollen 100 Millionen Pfund (aktuell knapp 117 Millionen Euro) nach Woking geflossen sein.

Zusätzliche "Rekapitalisierung der Gruppe"

Nähere Angaben zu den Autos, die verkauft wurden, machte McLaren nicht. Hier kommen diverse Rennwagen und Straßenautos infrage: Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wies der Hersteller in seinem Geschäftsbericht 2021 den Besitz von insgesamt 54 historischen Formel-1-Boliden und Exemplaren des Neunzigerjahre-Supercars F1 aus. Üblicherweise dekoriert McLaren sein Hauptquartier wechselnd mit diversen Autos aus seiner Sammlung, die wohl nicht zum ersten Mal geschrumpft ist. Die Briten weisen darauf hin, dass sie immer wieder Autos aus ihrem historischen Fahrzeug-Pool verkaufen.

McLaren MP4-1
Gregor Hebermehl
Sein Hauptquartier in Woking dekoriert McLaren mit wichtigen Vertretern aus seiner Motorsport-Historie.

Mit dem Verkauf seiner Klassiker ist McLarens Finanzloch aber wohl noch längst nicht gestopft. Zusätzlich befänden sich die Briten "in aktiven Gesprächen mit allen Aktionären über eine Rekapitalisierung der Gruppe". Eine solche fand bereits im Sommer 2021 statt. Mit der privaten Gesellschaft Ares Management Corp. und dem Staatsfonds des Landes investierten damals zwei neue saudi-arabische Geldgeber zusammen 400 Millionen Pfund (nach heutigem Umrechnungskurs etwa 466 Millionen Euro). Weitere 150 Millionen Pfund (knapp 175 Millionen Euro) steuerten seinerzeit der Staatsfonds und die Nationalbank von Bahrain bei; nicht das erste Mal, dass der Hauptanteilseigner außer der Reihe finanziell in die Bresche sprang.

Hauptquartier in Woking verkauft

Bereits Ende 2020 meldete der von der Corona-Pandemie schwer gebeutelte Sportwagenhersteller den geplanten Verkauf des Hauptquartiers in Woking für rund 220 Millionen Euro. Zuvor hatten die Briten einen ganz eigenen Weg gewählt, um es dem Virus heimzuzahlen. Temporär wurde der Komplex in ein Impfzentrum verwandelt. Ortsansässige Risiko-Patienten und Pflegekräfte erhielten in den Hallen der Sportwagen-Manufaktur ihre Impfungen. Jetzt ist der Deal mit Investor GNL abgeschlossen.

08/2022, McLaren Zukunftsmodelle Michael Leiters CEO
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Die angepeilten 220 Millionen Euro hatte der Verkauf des Hauptquartiers zwar nicht ganz eingebracht, aber immerhin 196 Millionen Euro sind geflossen. Dafür musste sich McLaren verpflichten, die Räumlichkeiten mindestens 20 Jahre lang vom neuen Besitzer zu mieten. So könne man sicherstellen, dass einerseits die Liquidität gesichert und andererseits das Tagesgeschäft nicht beeinflusst werde.

Speedtail-Produktion 2020 gestoppt

Cashflow heißt das, was McLaren damals und heute dringend braucht – frisches Geld, das den laufenden Kosten entgegensteht. McLaren geht es eigentlich nicht schlecht, die Auftragslage ist besser als unternehmensintern zu Beginn der Corona-Krise befürchtet. Aber zwischenzeitlich gab es nur wenige Auslieferungen und damit kaum Einnahmen. Seine extrem flexible und gut durchorganisierte Manufakturarbeit musste McLaren im Zuge der zeitweise in England recht heftig wütenden Corona-Pandemie zwischenzeitlich komplett einstellen – auch weil die Zulieferketten zusammenbrachen.

Genf International Motor Show 2019, Switzerland, Geneva, 05.03.2019 - Copyright Stefan Baldauf / SB-Medien
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Besonders der Speedtail war für 2020 als Cashcow geplant. Die ersten Exemplare des McLaren-F1-Nachfolgers waren zum Zeitpunkt des Pandemie-Ausbruchs bereits in Kundenhand. Mit Beginn von Corona endeten die Auslieferungen des rund zwei Millionen Euro teuren Modells der Ultimate Series aber abrupt. Die Einnahmen fielen auf Null und als unabhängiger Hersteller konnte sich McLaren auch keine Hoffnungen auf Querfinanzierungen oder Finanzspritzen aus anderen Unternehmensteilen machen.

Regierung lehnte finanzielle Hilfe ab

Auf der Suche nach Geldquellen fragte McLaren damals sogar bei der britischen Regierung an – ein Darlehen in Höhe von 150 Millionen Pfund (aktuell umgerechnet zirka 175 Millionen Euro) wünschte sich der Autobauer. Die Minister lehnten das Ansinnen ab. Daraufhin sah sich McLaren gezwungen, ein Drittel der Anteile an seinem Formel-1-Team an die Investoren-Gesellschaft MSP Sports Capital zu verkaufen.

McLaren Technology Centre
McLaren
Das ikonische Hauptquartier in Woking ist inzwischen verkauft; McLaren ist nur noch Mieter.

Bevor er es ganz verkaufte, nahm der Autohersteller bereits eine Hypothek auf sein Hauptquartier auf. Der Bezahl-Sender Sky schätzte damals, dass sie bis zu 200 Millionen Pfund (233 Millionen Euro) brachte. McLaren bestätigte seinerzeit nur, dass man viele Möglichkeiten durchdenke, an das nötige Geld zu kommen.

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Wenn sie kurzfristig wieder liquide werden, dann klappt das schon.
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Fazit

Die Corona-Pandemie hat der Autoindustrie weltweit zugesetzt. Besonders die kleinen Hersteller haben ihre finanziellen Reserven dabei schnell aufgebraucht. McLaren hat es in England besonders hart erwischt, schließlich litten die Briten zwischenzeitlich besonders stark unter der Corona-Pandemie. Gleichzeitig musste McLaren die Auslieferungen des Speedtail stoppen.

Ähnlich erging es dem Unternehmen mit dem neuen Hoffnungsträger Artura, was einmal mehr den Teufelskreis versinnbildlicht: Um seinen Cashflow in Gang zu bringen, muss McLaren den PHEV-Sportwagen endlich ausliefern. Um ihn ausliefern zu können, muss er zu Ende entwickelt werden. Das geht nur mit frischem externen Kapital, das offenbar nur durch einen Teilverkauf des eigenen Tafelsilbers aufgetrieben werden konnte.

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