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Milliardengeschäft mit gebrauchten deutschen E-Autos?

Prognose Elektroautos in Deutschland bis 2030 Milliardengeschäft mit gebrauchten deutschen E-Autos?

Das Ziel von 15 Millionen Elektroautos in Deutschland bis 2030 wird nicht erreichbar sein. Zudem grassiert der steuersubventionierte Export von E-Autos.

Die Ankündigung von großen Zielen gehört zum Standard-Repertoire der Politik, natürlich auch beim Thema Elektro-Autos. Die Merkel-Regierung hatte es vorgemacht und 2016 das Ziel ausgegeben, vier Jahre später eine Million E-Autos auf deutschen Straßen zu haben. Bekanntlich dauerte es etwas länger und klappte dann auch Mitte 2021 erst, nachdem der Umweltbonus auf nahezu fünfstelliges Rekordniveau erhöht wurde.

Dataforce Prognose Elektroautos
Dataforce
In ihrem Koalitionsvertrag hat die Ampelregierung das Ziel ausgegeben, bis 2030 einen Bestand von 15 Millionen Elektroautos zu erreichen. In einer ersten Einschätzung im November 2021 hat Dataforce bezweifelt, dass dieses Ziel unter den gegebenen Umständen erreicht werden kann.

Die neue Ampel-Regierung hat Ende 2021 ein sehr viel ambitionierteres Ziel verkündet. "Unser Ziel sind mindestens 15 Millionen vollelektrische Pkw bis 2030", ist auf Seite 22 des Koalitionsvertrages nachzulesen. Diese Ankündigung hatte das Frankfurter Unternehmen Dataforce, ein auf den Automobilmarkt spezialisiertes Marktforschungsunternehmen, bereits im vergangenen Jahr zum Anlass einer genaueren Analyse genommen. Deren kurz zusammengefasstes Fazit: Das wird nichts.

Im Idealfall elf Millionen Autos mit Stecker

Auf dem Weg zur vollständigen Elektrifizierung kalkulieren die Marktexperten nun in einer neuen Bestandsprognose vom 4. Mai 2022 auch Plug-in-Hybride mit zu den elektrifizierten Fahrzeugen und stellen fest: Auch das reicht nicht. Für die sogenannten "Steckerfahrzeuge", also aufladbare BEV und PHEV, rechnen die Analysten für das Jahr 2030 mit einem realistischen Bestand von rund elf Millionen. Zum Vergleich: Aktuell sind (Stand März 2022) insgesamt 48,54 Millionen Pkw in Deutschland zugelassen. Selbst wenn diese Zahl nicht wie in den Vorjahren weiter steigen würde, bedeutet das im Jahr 2030 einen EV-Anteil im Pkw-Bestand von 23 Prozent, also weniger als ein Viertel.

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Politik & Wirtschaft

Hierzu müsste allerdings alles optimal laufen, die Produktion ebenso wie der Kaufwille der Kunden. Bei ersterem knirscht es aktuell bekanntlich gewaltig, die Lieferzeiten werden länger und länger. Und die angekündigte Kürzung der Kaufprämien für E-Autos beziehungsweise deren Abschaffung für Plug-in-Hybride ab 2023 wird die Nachfrage nicht eben ankurbeln.

Steuer-Subventionierung von Export-Autos

Ein von Dataforce angemahnter weiterer Aspekt, um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen, klingt zunächst unscheinbar: Die neu zugelassenen Stromer müssen dafür auch in Deutschland bleiben. Doch bei ihrer Marktanalyse haben die Frankfurter eine Feststellung gemacht, die das Zeug dazu hat, die gesamte Förderpraxis in Frage zu stellen: Demnach sind 40,4 Prozent aller 2018 neu zugelassenen BEV/PHEV drei Jahre später nicht mehr in Deutschland angemeldet.

Dataforce Prognose Elektroautos
Dataforce
Von knapp 69.000 Neuzulassungen aus 2018 waren Ende 2021 nur noch 40.000 im Bestand. Die Ausfallrate ist mit 40,4 Prozent extrem hoch.

Nachdem davon ausgegangen werden darf, dass diese maximal dreijährigen Fahrzeuge nicht kollektiv dem Unfalltod oder der Verschrottung zum Opfer fielen, ist klar, dass hier ein gutes Geschäft zu Lasten des deutschen Steuerzahlers läuft: Die subventionierten Fahrzeuge werden nach kurzer Haltedauer als Gebrauchtwagen ins Ausland verbracht. Ein Umstand, der bereits seit längerem bekannt ist, aber nicht in dieser Dimension.

Bereits seit geraumer Zeit nutzen findige Händler und deren Kunden ein – völlig legales – Schlupfloch. Ein neues E-Auto wird angemeldet, die Förderprämie kassiert und das Fahrzeug nach sechs Monaten Haltedauer als Gebrauchtwagen ins EU-Ausland weiterverkauft, zum Neupreis abzüglich der Fördersumme. Für alle beteiligten Parteien ist das ein gutes Geschäft: Der Verkäufer fährt praktisch kostenlos für ein halbes Jahr einen Neuwagen, der Käufer (größtenteils gehen die Autos in die skandinavischen Länder) bekommt ein neuwertiges Auto dank der Deklarierung als Gebrauchtwagen zu einem viel geringeren Preis, als ein Neuwagen dort kosten würde. Und die Händler verdienen sowieso an dem Hin und Her.

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Lukratives Geschäft: Vor allem Tesla-Modelle sind gefragt. Dieser Händler wirbt offen mit dem Geschäftsmodell, durch den deutschen Staat subventionierte E-Fahrzeuge nach kurzer Haltedauer ins Ausland zu verkaufen.

Bislang ging man von rund jedem achten Fahrzeug aus, das auf diese Weise unterstützt durch deutsche Stromer-Subventionen den Rest seines Lebens im Ausland verbringt. Doch die Dataforce-Analyse lässt aufhorchen. Würde sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen, dass rund 40 Prozent der BEV und PHEV binnen drei Jahren das Land verlassen, geht es um Milliardensummen. Alleine im Jahr 2021 zahlte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) für 585.000 Anträge mehr als drei Milliarden Euro für die "Innovationsprämie" an die EV-Käufer aus.

Haltedauer muss verlängert werden

Eine Möglichkeit, diese Geschäftemacherei zu Lasten der Steuerkasse einzubremsen, wäre die Verlängerung der Haltedauer von geförderten Neufahrzeugen auf mindestens 24 Monate. Eine Verlängerung von sechs auf 12 Monate ist zwar bereits aus der Politik vage verkündet worden, doch passiert ist bis heute nichts. Immerhin: Ab 2023 wird die Geschichte etwas weniger lohnend, wenn die deutschen Förderprämien wie geplant eingedampft werden.

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Fazit

Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs ist eines der Hauptziele der deutschen Politik. Auf dem Weg dorthin gibt es allerdings Stolpersteine. Selbst wenn die ambitionierten Ziele von 15 Millionen E-Autos bis 2030 erreicht würden (woran die Experten von Dataforce zweifeln), würde die Mehrheit der Pkw im deutschen Bestand immer noch aus Verbrennermodellen bestehen. Bei ihrer Analyse haben die Marktexperten allerdings einen anderen Aspekt entdeckt, der überrascht.

Demnach sind über 40 Prozent der subventionierten Elektroautos und Plug-in-Hybride nach drei Jahren nicht mehr in Deutschland. Geplant waren Umweltbonus und Innovationsprämie ursprünglich auch, um langfristig ein Angebot günstigerer E-Gebrauchtwagen auf dem deutschen Markt aufzubauen. Denn viele Autofahrer sind auf den Gebrauchtmarkt angewiesen, weil Neufahrzeuge für sie unerschwinglich sind. Sollte sich der von Dataforce festgestellte Trend fortsetzen, demnach fast die Hälfte der als Neuwagen subventionierten Stromer nach kurzer Zeit das Land verlassen, darf an der Sinnhaftigkeit der deutschen Förderpraxis gezweifelt werden.

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