Der Grand Prix in Silverstone (5.7.) bot den Fans vor allem gegen Ende ein packendes Rennen, das kurz vor Schluss durch einen Unfall von Max Verstappen nochmal auf den Kopf gestellt wurde. Doch das wahre Chaos folgte erst nach der Zieldurchfahrt, als die Stewards einen kuriosen Vorfall aus der verhängten Safety-Car-Phase untersuchten. Im Mittelpunkt stand Williams-Pilot Carlos Sainz. Der Spanier wurde für ein Vergehen bestraft, das aus einer bizarren Regelsituation resultierte.
Der Vorfall ereignete sich in der späten Rennphase. Nach dem Abflug von Max Verstappen führte das Safety-Car das Feld an. Die Rennleitung gab wie üblich die Nachricht aus, dass die überrundeten Fahrer sich nun zurückrunden können. Williams wies seinen Fahrer Carlos Sainz an, das Safety-Car von Bernd Mayländer zu überholen, was dieser auch tat. Das Manöver schien auf den ersten Blick regelkonform. Später nahmen die Rennkommissare die Aktion allerdings genau unter die Lupe.
Nach dem Rennen wurde Sainz zusammen mit einem Teamvertreter von Williams ins Büro der Rennleitung zitiert. Dort musste das Team eine komplexe Situation erklären. Die Kommissare zogen wie üblich umfangreiches Beweismaterial heran, darunter das Positionierungssystem, Videoaufnahmen, Zeitnahmedaten und die Onboard-Kamera am Fahrzeug von Sainz.
Regel-Wirrwarr in der Boxengasse
Die Regelhüter standen vor einem außergewöhnlichen Fall, der durch die spezielle Streckenführung in Silverstone ausgelöst wurde. Das Team argumentierte, man habe auf die offizielle Anweisung der Rennleitung reagiert. Die Analyse der Daten zeichnete jedoch ein anderes Bild. Das stellte sich wie folgt dar:
- Als Sainz während der Safety-Car-Phase an die Box fuhr, war er überrundet.
- Durch die kürzere Boxengasse in Silverstone hatte er sich jedoch temporär zurückgerundet, als er die entscheidende Zeitmesslinie überfuhr.
- Für das System galt er in diesem kritischen Moment also nicht als überrundetes Auto und war somit nicht berechtigt, das Safety-Car zu überholen.
Das Team räumte zwei Fehler ein: Erstens habe man die komplexe Situation nicht korrekt erfasst und zweitens übersehen, dass die Startnummer 55 (die Sainz gehört) nicht in der offiziellen Mitteilung der Rennleitung aufgeführt war, die den Fahrern das Überholen explizit gestattete.
Keine Gnade für Sainz
Die Stewards zeigten sich für die Argumentation des Teams, dass die Situation verwirrend war, teilweise empfänglich. In ihrer Urteilsbegründung erkannten sie die außergewöhnlichen Umstände an. Da Sainz durch das Manöver jedoch eine komplette Runde unrechtmäßig gutgemacht hatte, sahen die Stewards einen erheblichen und bleibenden Vorteil.
Am Ende zeigten die Kommissare keine Gnade und verhängten mit der Strafrunde eine der härtesten Strafen im Reglement.
Diese Strafrunde wird nachträglich von der gefahrenen Distanz abgezogen. Das wirft Sainz im Klassement vom ursprünglich erreichten zwölften Platz ans Ende des Feldes auf Rang 17 zurück.





