Schon beim Silverstone-Sprint am Samstagmittag (4.7.) war Andrea Kimi Antonelli zur Höchstform aufgelaufen. Im 17 Runden dauernden Kurzformat überholte er nach zehn Umläufen den Publikumsliebling Lewis Hamilton. Den Rückenwind des ersten Sprint-Erfolgs seiner Formel-1-Karriere nahm er in die Qualifikation am Nachmittag mit.
Der Italiener brannte eine Zeit von 1.28,111 Minuten in den 5,891 Kilometer langen Asphalt des ehemaligen Flugplatzes. Es war die fünfte Pole-Position des Jahres und die neunte für Mercedes in dieser Saison. Damit wahrten die Silberpfeile ihre weiße Weste bei der Zeitenjagd. Etwas unruhig war der 19-Jährige vor seinem letzten Versuch im dritten Qualifying-Segment. Er musste als Erster die Meute anführen. "Ich war ein bisschen gestresst. Ich gehe nie gerne als Erster auf die Strecke beim letzten Versuch. Aber es hat alles gepasst. Es war ein sauberer Versuch. Und das trotz des Windes. Das war gar nicht so leicht."
In der Sprint-Qualifikation am Freitag musste sich der WM-Führende noch Hamilton um elf Tausendstelsekunden geschlagen geben. Mercedes änderte aber nur Kleinigkeiten am Auto für das zweite Qualifying des Wochenendes. "Wir haben nichts am Auto verändert. Wir haben etwas beim Differenzial anders eingestellt", erklärte der Teenager.
Leclerc schlägt Hamilton
Ein Sonderlob gab es von seinem Teamchef Toto Wolff. "Kimi war wieder in einer eigenen Liga. Dass er das auf eine Runde so hinbekommen hat, ist beeindruckend. Wirklich beeindruckend." Hinter Antonelli reihte sich aber nicht der Ferrari von Hamilton ein, sondern dessen Teamkollege Charles Leclerc.
Der Monegasse unterstrich seine außergewöhnlichen Fähigkeiten auf eine Runde, verlor aber trotzdem 0,175 Sekunden auf Antonelli. "Ich freue mich. Es gab ein paar harte Rennen, bei denen nicht alles gepasst hat. Es fühlt sich gut an, wieder da zu sein. Heute ist der erste Tag, an dem ich mich wieder gut gefühlt habe. Wir haben uns alle Sachen angeschaut. Wir haben gut daran gearbeitet und ich bin glücklich mit P2. Aber ich wäre natürlich gerne auf der Pole gestanden."
Etwas zerknirscht wirkte dagegen Hamilton. "Die beiden haben einen guten Job gemacht. Wir hatten nicht ganz die Pace von den Mercedes. Wir wissen nicht, ob wir mit den Mercedes mithalten können. Vielleicht können wir was mit der Strategie machen", blickte der Altmeister schon auf das Rennen am Sonntag (5.7.).

George Russell erkundete die Offroad-Eigenschaften seines Silberpfeils.
Russell nur Vierter
Noch schlechter lief es für seinen Landsmann George Russell. Der zweite Mercedes-Mann war fast vier Zehntelsekunden langsamer als sein Stallgefährte. Es reichte nur zum vierten Rang. "Was den George betrifft, ist das Wochenende ein bisschen durchwachsen. P4 ist für mich Schadenbegrenzung. Aber von dort aus kann man Rennen gewinnen. Für mich ist das Ergebnis nicht so schlecht", machte Toto Wolff seinem Schützling Mut.
In Q1 rutschte der 28-Jährige in Luffield ins Kiesbett. Mit viel Glück und Können konnte sich Russell wieder ausbuddeln und schaffte es, in die zweite Qualifikations-Runde einzuziehen. Der Grund für den Ausrutscher war simpel. "Das war der Wind, der schiebt so brutal", klärte Wolff die Ursache auf.
Für das Rennen scheint Mercedes am besten aufgestellt. Die Silberpfeile hatten im Sprint eine bessere Pace als die Ferrari. "Es wird nicht einfach. Die Ferrari werden zusammenarbeiten. Die haben eine gute Pace, aber wir waren auch stark im Sprint und ich hoffe, wir können das für morgen beibehalten", blickte Antonelli auf das Rennen.
Toto Wolff weiß schon jetzt, wie die ersten Runden verlaufen werden. "Am Anfang werden wir ein bisschen Jojo haben. Wie im Sprint heute." Dort ging es wegen des sensiblen Energie-Managements auf der High-Speed-Strecke hoch her.












