Als Lewis Hamilton in der Sprint-Qualifikation (3.7.) des England-Grand-Prix die Bestzeit von Mercedes-Pilot Kimi Antonelli um gerade einmal elf Hundertstelsekunden unterboten hatte, flippten die Fans auf den Tribünen völlig aus. Ihr Liebling hatte auf seiner Heimstrecke mal wieder den Unterschied gemacht.
Mit neun Siegen in Silverstone ist er ohnehin der Rekordhalter. Sobald er den Boden des alten Flugplatz-Geländes betritt, scheint er noch ein paar Extra-Zehntel zu finden. "Ich liebe diesen Ort. Ich liebe diese Fans", bedankte sich der englische Held bei seinem Publikum.
Der Ferrari-Pilot umrundete den 5,891 Kilometer langen Kurs in 1.28,376 Minuten. Schon im einzigen Training am Freitagmittag war der Altmeister Bestzeit gefahren. "Ich war die ganzen Sessions schnell, aber am Ende war es gerade mal eine Hundertstel. Wir stehen vor diesen schnellen Jungs wie Mercedes und Red Bull. Wir hätten nicht gedacht, dass wir in Silverstone vorne sein könnten."
In der Pressekonferenz am Donnerstag (2.7.) war Hamilton noch pessimistisch gewesen. Wegen der zu geringen Motor-Leistung des V6-Turbos war der 41-Jährige davon ausgegangen, dass der Abstand sogar doppelt so groß sein könnte wie eine Woche zuvor in Spielberg.

Lewis Hamilton bedankte sich nach der Sprint-Qualifikation bei seinen Fans.
Ferrari nun Siegkandidat?
Zwar geht es im Sprint um lediglich acht Punkte für den Sieger, doch Hamilton will jetzt natürlich auch den Erfolg in der 100-Kilometer-Hatz am Samstag (4.7.), die um 12 Uhr deutscher Zeit beginnt. "Unsere Longrun-Pace war ganz gut. Aber da konnten wir nur wenig ausprobieren. Ich freue mich auf den Sprint. Es wird nicht einfach, aber ich gebe mein Bestes."
Glaubt man den wenigen Daten aus dem einzigen freien Training, ist die Chance dazu vorhanden. "FP1 hat gezeigt, dass es zwischen Ferrari und uns ganz knapp ist. Vielleicht ist Ferrari etwas vorne. Wir müssen dann mal schauen, wie es im Sprint aussieht", gab der stellvertretende Mercedes-Teamchef Bradley Lord einen kleinen Ausblick.
Bei den Silberpfeilen ärgerte man sich nicht über die verlorene Pole-Position des WM-Leaders, wusste aber, an welcher Stelle ihnen ihr Ex-Pilot Hamilton den besten Startplatz weggeschnappt hatte: "In Kurve 3 und Kurve 4. In den langsamen Kurven hatte Kimi leichtes Untersteuern, da waren seine Reifen noch nicht ganz auf Temperatur. Dort hat Lewis auf alle zwei Zehntel gutgemacht", erklärte Lord.
Russell mit Rückschlag
Nicht nur im ersten Sektor war Hamilton stark unterwegs. Gerade im letzten Streckenteil war der Ferrari im Vergleich zu den anderen Autos besonders schnell. Ähnlich wie Mercedes in Spielberg. Dort überzeugte George Russell das gesamte Wochenende. Ausgerechnet beim Heim-GP startet er nur von Platz fünf in den Sprint. Mehr als drei Zehntel verlor der 28-Jährige auf die Bestzeit und musste sich auch Max Verstappen im Red Bull sowie dem zweiten Ferrari von Charles Leclerc geschlagen geben.
"Er hatte nicht das Vertrauen im Auto. Wir glauben, dass die Reifen nicht ausreichend auf Temperatur waren in SQ1 und SQ2. Wir haben ihn dann ermutigt, stärker zu pushen auf seiner Outlap in SQ3 und dort ist ihm auch seine beste Runde gelungen", berichtete Bradley Lord über die Probleme des WM-Zweiten.
Für Russell geht es nun darum, nicht zu viele Punkte im Sprint auf Hamilton und Antonelli zu verlieren. Nach dem umjubelten Befreiungsschlag von Spielberg scheint das Momentum in Silverstone aber wieder zu kippen – zu seinem alten Teamkollegen Lewis Hamilton.












