Der Rekordsieger der Formel 1 ist auch der Rekordsieger in Silverstone. Insgesamt neun Mal gewann Lewis Hamilton den Grand Prix von Großbritannien. In der Pressekonferenz am Donnerstag (2.7.) vor dem Wochenende blickte der Superstar auf seine lange Silverstone-Geschichte zurück. "Die Verbindung zu den Fans ist 20 Jahre gewachsen und sehr stark. Es ist eine Ehre für uns Briten, hier zu fahren."
Die englischen Fans reisen mit Hoffnung zum Klassiker. Schließlich liegt ihr Held 46 Punkte hinter Kimi Antonelli auf Platz drei der Fahrerwertung. Hamilton jagt den achten Titel. Ein zehnter Erfolg auf seiner Heimstrecke wäre enorm wichtig. Ob das realistisch ist? Ein Gegner wird die kostbare Elektro-Energie sein. "Es wird eine der schwierigsten Strecken, was das Energie-Management angeht. Viele Fahrer haben im Gruppenchat schon geschrieben, dass es schlimm wird."
Ein Nachteil für die Scuderia. Die Batterie-Aufladung ist direkt abhängig von der Verbrenner-Power. Da es dem Ferrari-V6 an Leistung fehlt, ist das Energie-Management schwieriger als bei Primus Mercedes. "Es gibt nur ein paar Kurven, um die Batterien aufzuladen. Da werden wir am meisten leiden. Vielleicht doppelt so viel wie zuletzt", war Hamilton deshalb pessimistisch.
Spielberg als Wachmacher
Das erste Motoren-Upgrade, das Ferrari laut ADUO-Mechanismus zusteht, brachten die Italiener bereits zum Österreich-GP (28.6.). Rund fünf PS soll der neue Antrieb an zusätzlicher Leistung haben. In Spielberg wurde aber deutlich, dass dieses Upgrade nicht ausreicht. "Wir haben im Rennen vier Zehntel alleine auf der Geraden verloren. Wir haben ein großartiges Auto. In den Kurven sind wir schnell und hatten tolle Rennen zuvor. Aber wir müssen durchhalten, bis wir mehr Leistung haben", erklärte Hamilton.
Nach dem umjubelten Barcelona-Sieg (14.6.) ist wieder die Realität bei Ferrari eingekehrt. Auf die Silberpfeile fehlt noch ein Stück. "Kimi ist immer noch weit voraus. Mercedes ist ein phänomenales Team. Sie operieren auf so einem hohen Niveau. Was sie dieses Jahr geschafft haben, ist beeindruckend. Es wird für alle schwierig, sie zu schlagen." Und fügte scherzhaft an: "Es sei denn, ich gehe in die Mercedes-Werkstatt und löse die Schrauben!"
Hamilton sprach deshalb noch nicht von einem möglichen Titelkampf. Einen alten Rivalen hat er ebenfalls noch auf dem Zettel. "Red Bull hat einen großen Schritt gemacht. Max [Verstappen] ist auch ein Faktor. Wir müssen alles rausholen, was drin steckt. Manchmal auch mehr, als bei der Performance möglich ist. Aber es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist."

Der Ferrari ist ein gutes Auto, aber dem SF-26 fehlt es noch an Motor-Power.
Schadensbegrenzung in Silverstone?
Bei seinem 20. Grand Prix in der Heimat des britischen Motorsports müssen er und sein Rennstall sofort abliefern. Wegen des Sprint-Wochenendes bleibt den Teams nur ein Training am Freitag (3.7.), um das Auto für die Sprint-Qualifikation abzustimmen. "Meine Ingenieure haben mich gefragt, wie ich normalerweise hier das Auto fahre. Aber wir haben nur eine Trainings-Session. Das wird schwer, hier das Setup zu treffen."
Der 41-Jährige erläuterte zudem, warum sich Silverstone so sehr von früher unterscheiden dürfte. "Normalerweise schreit der Motor in deinem Rücken, wenn du durch Copse fährst. Jetzt werden wir segeln. Wahrscheinlich werden wir sogar herunterschalten, um die Drehzahl hochzuhalten. Auch in Maggots und Becketts werden wir lupfen. Es ist eine komplett andere Strecke jetzt. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr wieder besser wird", blickte der siebenmalige Weltmeister auf die Regel-Änderung für 2027.

Die Fans verwandeln Silverstone jedes Jahr zu einem Tollhaus.
Fans pushen Hamilton
Immerhin kann sich der Ausnahmepilot auf seine treuen Unterstützer verlassen. Silverstone ist mal wieder ausverkauft. Es wird ein neuer Zuschauerrekord erwartet. "Es wird wichtig, die Energie aufzunehmen, die einem die Fans hier geben. Wir müssen das Maximum abrufen und schauen, was am Ende dabei rauskommt. Es fühlt sich so an, dass sie mich nach vorne pushen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie es ist, die ganzen Fans hier zu sehen. Du siehst sie hier die ganze Strecke und wie sie dich anfeuern. Das ist echt besonders", schwärmte Hamilton.
Eine kleine Hoffnung hat der Engländer noch, was die Zuschauer angeht. Letztes Jahr waren in seiner ersten Saison in Rot noch nicht so viele Fans auf die neue Farbe umgeschwenkt: "Ich hoffe, wir werden mehr mit roten Kappen sehen. Ich erinnere mich, als Michael [Schumacher] mit dem roten Auto hier gefahren ist. Die Ferrari-Fans zu sehen, wenn man aus der Garage fährt, ist etwas Besonderes. Ich muss mich selbst noch manchmal zwicken."












