Formel 1: Red Bulls Fahrer-Dilemma – Das spricht für den Verstappen-Wechsel

Red Bulls Fahrer-Dilemma
Das spricht für Verstappens McLaren-Wechsel

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.07.2026
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Max Verstappen - Red Bull - GP England 2026 - Silverstone - Formel 1
Foto: Red Bull

Die Laune war im Keller. Nach dem England-Grand-Prix (5.7.) hatte Max Verstappen genug von seinem zickigen Red Bull. In Runde 48 flog der Niederländer auf P3 liegend bei knapp 300 km/h in Stowe ab. "Es war das Gleiche wie in Österreich. Wieder hat der Heckflügel nicht ganz geschlossen. Das kann natürlich nicht sein. Es nervt mich am meisten, dass wir so viele Probleme haben. Aber auch, dass wir viel zu langsam sind."

Nur eine Woche zuvor hatte der Superstar in der Spielberg-Qualifikation (27.6.) einen ähnlichen Unfall. In der schnellsten Kurve der Strecke blieb der Heckflügel einen Spalt geöffnet. Gegen den plötzlichen und massiven Abtriebsverlust kann auch ein Ausnahmekönner nichts mehr ausrichten. In Silverstone zählte er sein Team an. "Es ist extrem gefährlich, weil man sich schwer verletzen kann. In Österreich hatte ich Glück, hier hatte ich Glück. Aber genau deshalb habe ich es wirklich satt."

Zwar folgte umgehend die Entschuldigung von Teamchef Laurent Mekies, das dürfte Verstappen in der aktuellen Situation aber kaum besänftigen. Er weiß, dass er momentan am längeren Hebel sitzt und Red Bull dank seiner Ausstiegsklausel auf eigenen Wunsch mit dem Ablauf dieser Saison verlassen darf.

Wechsel zu McLaren?

Der Vertrag läuft eigentlich noch bis Ende 2028, doch sein Management hatte ihm für Klauseln bei der letzten Verlängerung eingebaut. Vergangenen Sommer musste er bis zum Stichtag am 1. Juli mindestens auf Platz drei in der Fahrerwertung liegen. Für dieses Jahr hatte sich die Klausel nochmal verschärft. Verstappen hätte bis zum 1. Juli auf Rang zwei stehen müssen.

Dieses Ziel haben Red Bull und der Ex-Weltmeister klar verfehlt. Der 28-Jährige kann nun frei entscheiden, was er machen will. Diversen britischen Medien zufolge soll es eine Annäherung zwischen McLaren und Verstappen geben. Verbrieft ist aktuell nur, dass die Fahrer-Seite in der Woche vor Spielberg um ein Gespräch mit der McLaren-Führung gebeten haben soll, das auch stattgefunden hat.

Das ist nichts Ungewöhnliches in der Formel 1. Allerdings befeuern die zwei Abflüge und die unzufriedenstellende Performance das Misstrauen beim Fahrer. Öffentlich zählt Verstappen Red Bull immer wieder an, so auch in Silverstone. "Ich lag doch nur auf dem dritten Platz wegen Strafen, Safety-Cars, virtuellen Safety-Cars. Hätte ich dieses Podest geholt, hätte es einen Beigeschmack gehabt. Verdient hätten wir es nicht."

Max Verstappen - Red Bull - GP England 2026 - Silverstone - Formel 1
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Red Bull in der Zwickmühle

Das Top-Team hat in den letzten Jahren viele hochkarätige Ingenieure wie Adrian Newey und Erfolgsgaranten wie Christian Horner, Helmut Marko sowie Jonathan Wheatley verloren. Wie man hört, soll nun auch Chefingenieur Paul Monaghan vor dem Abschied stehen. Der Wechsel von Renningenieur Gianpiero Lambiase zu McLaren ist für die Saison 2028 schon bestätigt. Von dem alten Dream-Team ist somit nur noch Max Verstappen übrig. Er ist der größte Trumpf des Rennstalls.

Das weiß auch die Führungsspitze. Die Verantwortlichen sollen versucht haben, dem 72-maligen Grand-Prix-Sieger die Ausstiegsklausel abzukaufen. Aktuell hat Verstappen das Team in der Hand. Sein Auftreten und die öffentliche Kritik irritiere mittlerweile auch die Verantwortlichen. Dennoch steckt Red Bull in der Klemme. Ein Ultimatum einzufordern, kann ins Leere laufen. Entscheidet sich Verstappen erst im Herbst des Jahres, was er in der Zukunft machen wird, sind die Top-Fahrer bereits vom Markt.

Max Verstappen - Oscar Piastri - McLaren - Formel 1
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Piastri als Tausch?

Sollte Verstappen zu McLaren wechseln, müsste dort natürlich ein Fahrer weichen. Im Zweifel würde es eher Oscar Piastri treffen. Der Australier scheint bei McLaren sowieso nicht mehr ganz glücklich zu sein. Nach dem knapp verpassten WM-Titel im Vorjahr und der Monza-Stallregie zugunsten von Teamkollege Lando Norris scheint das Verhältnis zum Team etwas abgekühlt. Seine Leistungen liegen diese Saison nicht auf dem Niveau des letzten Jahres.

Der 25-Jährige soll sich ebenfalls eine Ausstiegsklausel in den Vertrag geschrieben haben, der Ende 2028 ausläuft. Bereits im Winter gab es Gerüchte, dass es erste Kontaktaufnahmen seines Managers Mark Webber mit Red Bull gegeben haben soll. Der Landsmann fuhr selbst lange für das Team aus Milton Keynes.

McLaren-CEO Zak Brown versuchte die Verstappen-Gerüchte beim Silverstone-Wochenende abzumoderieren. Laut seiner Aussage will der Rennstall aus Woking mit der aktuellen Fahrerpaarung weitermachen. "Wir haben zwei Top-Fahrer, die unsere Cockpits besetzen. Ich könnte ihm aktuell gar keinen Platz in unserem Auto anbieten. Es gibt dazu also absolut nichts zu berichten."

Arvid Lindblad - Racing Bulls - GP England 2026 - Silverstone - Formel 1
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Junioren-Beförderung als Joker

In der Formel-1-Welt kann sich so etwas aber bekanntlich schnell ändern. Wenn Verstappen anklopft und Piastri ohnehin weg will, würde sich bei McLaren sicher keiner in den Weg stellen. Auf die Personalie Verstappen angesprochen, antwortete Teamchef Andrea Stella: "Wenn ein vierfacher Weltmeister an die Tür klopft, dann ist das ein Zeichen, dass man ein attraktives und glaubwürdiges Team ist. Aber wir sind happy mit Norris und Piastri. Da müsste die FIA uns schon erlauben, ein drittes Auto einzusetzen."

Neben einem Wechsel und Verbleib bei Red Bull gibt es noch ein drittes Szenario, das dem Team Sorge bereitet. Verstappen könnte nach der Saison aufhören. Die aktuelle Fahrzeuggeneration hat er schon mehrmals verbal vernichtet. Spaß macht ihm das sensible Energie-Management nicht. Zudem hat er kein siegfähiges Paket und McLaren fährt aktuell auf dem Niveau von Red Bull. Eine sportliche Steigerung ist nicht garantiert.

Sollte Verstappen aufhören und Piastri doch bei McLaren weitermachen, müsste sich Red Bull beim B-Team bedienen. Liam Lawson fährt eine starke Saison. Der Neuseeländer saß aber bereits Anfang 2025 für zwei Rennen im Auto und enttäuschte die Teamführung.

Die zweite Option wäre, Arvid Lindblad zu befördern. Der Rookie ist fast auf Augenhöhe mit Lawson unterwegs und gilt als Juwel. Seinen Platz könnte Formel-2-Tabellenführer Nikola Tsolov einnehmen. Das wären zwar kostengünstige Lösungen, aber der Qualitätsverlust, ohne Max Verstappen in eine Saison zu gehen, wäre immens.

Fazit