Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021 Motorsport Images
Grosjean-Crash - GP Bahrain 2020
Grosjean-Crash - GP Bahrain 2020
Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir 19 Bilder

Vorschau GP Bahrain 2021: Machtwechsel in der F1

F1-Vorschau GP Bahrain 2021 Machtwechsel in der Formel 1?

Die Formel 1 startet in Bahrain mit vielen Fragezeichen in die neue Saison. Mercedes und Red Bull schieben sich nach den Testfahrten gegenseitig die Favoritenrolle zu. Und im Mittelfeld geht es wohl noch enger zur Sache als im Vorjahr. In der Vorschau haben wir die letzten Infos vor dem Auftakt.

Wegen der Übernahme der alten Monocoques aus der Vorsaison hatten Experten dieses Jahr eigentlich nicht mit großen Verschiebungen im Kräfteverhältnis gerechnet. Doch die Eindrücke der dreitägigen Wintertests mit den neuen Autos deuteten bereits an, dass sich das Feld doch etwas mehr durcheinanderwirbeln könnte als erwartet.

Offenbar haben die erzwungenen Einschnitte im Heck einige Ingenieure auf dem falschen Fuß erwischt. Bis die Techniker die neue Aerodynamik verstanden und mit Technik-Upgrades reagiert haben, könnte es noch ein paar Rennen dauern. So bestehen berechtigte Hoffnungen, dass die Fans zumindest am Saisonbeginn einige Überraschungen erleben.

Nach der Verschiebung des Auftaktrennens in Australien geht es dieses Jahr ausnahmsweise in Bahrain los. Was Spannung und Spektakel angeht, verspricht das flüssige Asphaltband in der Wüste deutlich mehr Drama als der eckige Stadtkurs im Albert Park. Die letzten beiden Krimis auf dem Bahrain International Circuit, mit dem Feuerunfall von Romain Grosjean und dem ersten Sieg von Sergio Perez, sind den Fans sicher noch gut in Erinnerung.

Mit der Einführung eines neuen Trainingsformat wollen die Serienbosse die Wahrscheinlichkeit von unvorhersehbaren Ereignissen dieses Jahr noch steigern. Für die Probeläufe am Freitag stehen nicht mehr drei sondern nur noch zwei Stunden zur Verfügung. Da müssen sich die Piloten bei der Setup-Arbeit deutlich mehr beeilen. Technische Probleme kann sich jetzt keiner mehr erlauben.

Auch das Wetter könnte den Ingenieuren dieses Jahr Kopfschmerzen bereiten. Am Freitag und am Samstag sollen über Mittag noch Spitzentemperaturen von bis zu 35°C erreicht werden, bevor das Quecksilber am Rennsonntag dann schlagartig um mehr als zehn Grad absackt. Weil das Rennen aber erst in den Abendstunden gestartet wird, dürfte der Temperaturunterschied nicht ganz so sehr ins Gewicht fallen. Größere Probleme könnte der Wind machen. Am Sonntag sind Böen von bis zu 75 km/h vorhergesagt – deutlich heftiger als bei den Testfahrten. Vor allem dem windanfälligen Mercedes dürfte diese Prognose gar nicht schmecken.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - Test - Bahrain - 13. März 2021
xpb
Kommt Mercedes beim Saisonstart wirklich ins Schleudern?

Die Strecke: Bahrain International Circuit

Der Wüstenkurs in der Provinz Sakhir ist seit 2004 fast durchgängig im Rennkalender vertreten. Nur 2011 fiel der GP Bahrain politischen Unruhen zum Opfer. Ein Jahr zuvor hatte sich die Formel 1 an einer verlängerten Variante mit insgesamt 6,3 Kilometern probiert, kehrte danach aber wieder auf das alte Layout zurück. 2020 wählte man für den zweiten Teil eines Doppelschlags den nur 3,5 Kilometer kurzen "Outer Track".

Auf der 5,412 Kilometer langen normalen Variante zählen vor allem Traktion, Motorleistung und Bremsstabilität. 75 Prozent der Runde stehen die Fahrer voll auf dem Gas. Gleich vier Mal pro Runde beschleunigen sie auf über 300 km/h. Zwischen den langen Geraden bremsen viele langsame Kurven die Autos ein. Beschleunigen, Bremsen: Das geht vor allem auf die Hinterreifen. Zumal die Streckenoberfläche eine der rauesten überhaupt ist. Wer ein reifenschonendes Chassis gebaut hat, ist hier im Vorteil. Auch der Fahrer kann über die Fahrweise die Reifen bis zu einem gewissen Grad schonen.

Das erste und dritte Training finden traditionell am frühen Nachmittag bei Tageslicht statt. Dadurch sind Luft- und Streckentemperatur hoch. Die Bedingungen sind eigentlich nur im zweiten Freien Training repräsentativ für Qualifying und Rennen. Hier leuchten 495 Flutlichter die Strecke aus. Mit den tieferen Temperaturen ändert sich das Aufwärm- und Abnutzungsverhalten der Reifen. Ingenieure und Fahrer müssten aufpassen, sich nicht mit dem Setup zu verzetteln.

Bahrain geht besonders auf das Material. Der hohe Vollgasanteil setzt den Motoren zu. Sieben Bremszonen, drei davon von den Ingenieuren als starke Verzögerungsstellen ausgewiesen, treiben auch die Karbon-Stopper an die Belastungsgrenze. Auch das Getriebe wird härter rangenommen. 58 Mal schaltet der Fahrer pro Runde – nur Sotschi ist in dieser Beziehung anspruchsvoller.

Der feine Sand stellt für die Autos keine größeren Schwierigkeiten dar. Die Strecke wird von der dünnen Schicht, die der Wind aufträgt, relativ schnell freigefahren. Neben der Ideallinie bleibt es etwas rutschig, was die Jagd nach der perfekten Runde im Qualifying und das Überholen erschwert. Die FIA schreibt wie schon im letzten Jahr drei DRS-Zonen aus.

Pirelli-Grafik - Vorschau - GP Bahrain 2020
Pirelli
In Bahrain wird zum ersten Mal mit den neuen Reifen der Generation 2021 gefahren. Wir sind gespannt, ob die Fahrer mehr als zwei Boxenstopps im Rennen einlegen.

Fast Facts zum GP Bahrain:

  • Streckenlänge: 5,412 km
  • Rundenzahl: 57
  • Renndistanz: 308,238 km
  • Anzahl Kurven: 15 (6 links / 9 rechts)
  • Rundenrekord im Rennen: 1:31.447 Min. (Pedro de la Rosa, 2005)
  • Absoluter Rundenrekord: 1:27.264 Min. (Lewis Hamilton in Q3, 2020)
  • Distanz Pole zur ersten Bremszone: 352 Meter
  • Länge Boxengasse: 421 Meter (Zeitverlust bei 80 km/h: ca. 18,8 Sekunden)
  • DRS-Zonen: zwischen T15-T1, T3-T4, T10-11
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent
  • Reifen: C2/C3/C4

Das Setup

In Bahrain ist ein guter Kompromiss gefragt. Auf den langen Geraden sollte das Auto möglichst wenig Luftwiderstand aufbauen, was im Umkehrschluss für kleine Flügel sprechen würde. Doch in den 15 Kurven muss vor allem die Hinterachse auf dem Asphalt kleben – beim Anbremsen, Einlenken und Beschleunigen. Zu klein dürfen die Flügel also nicht gewählt sein. Ansonsten verliert man zu viel Zeit im technisch anspruchsvollen Mittelsektor, wo fast die Hälfe der Kurven steckt. Und noch etwas: Mit zu wenig Anpressdruck geraten die Autos außerdem ins Rutschen. Wer rutscht, überhitzt seine Reifen.

Früher mussten die Bremshutzen wegen der hohen Temperaturen etwas größer ausgelegt werden. Durch die Verlegung der Startzeit in den Abend hat sich die Hitzeproblematik deutlich entspannt. Der Asphalt ist zwar nicht mehr ganz so eben wie in den ersten Jahren. Doch im Vergleich zu anderen Strecken gibt es immer noch relativ wenige Bodenwellen. Die Ingenieure können die Autos also sehr tief einstellen.

Um die Traktion aus den langsamen Kurven zu verbessern und den Reifenverschleiß zu begrenzen, ist aber etwas Federweg auf der Hinterachse zu empfehlen. Mechanischer Grip entscheidet in Bahrain über die Rundenzeit, weil die wenigen schnellen Kurven ohnehin mit Vollgas durchfahren werden.

Da die Temperaturen vom Start bis zum Ziel um bis zu 20°C fallen können, sind Verschiebungen des Kräfteverhältnisses im Laufe des Rennens möglich, je nachdem, in welches Temperaturfenster das Setup besser passt. Die Ingenieure müssen im ersten und dritten Freien Training bei Tageslicht aufpassen, dass sie sich von den heißeren Temperaturen nicht in die Irre führen lassen. Mit mehr Gummi und weniger Sand verbessert sich der Grip auf der Ideallinie im Laufe des Wochenendes spürbar.

Pirelli entschied sich wie schon im Vorjahr für die Reifenmischung C2 bis C4 – also die mittlere Stufe aus dem Sortiment. Beim letzten Bahrain-Rennen legten die meisten Piloten drei Boxenstopps ein. Die neue Gummi-Generation für diese Saison soll tendenziell aber etwas haltbarer sein. Wir rechnen damit, dass sich die Mehrzahl der Strategen für zwei Reifenwechsel entscheiden, wenn keine Safety-Car-Phasen dazwischen kommen.

F1-Technik: Die neuen Autos im Detail

Mercedes - Technik-Details - Formel 1 - 2021
Mercedes - Technik-Details - Formel 1 - 2021 Mercedes - Technik-Details - Formel 1 - 2021 Mercedes - Technik-Details - Formel 1 - 2021 Mercedes - Technik-Details - Formel 1 - 2021 44 Bilder

Technik-Updates

Beim ersten Rennen des Jahres bringen die Teams immer noch einmal viele neue Teile an den Start. Die Entwicklungsprogramme sind traditionell in zwei Stufen auf die Testfahrten und den eigentlichen Saisonstart abgestimmt. Allerdings birgt die verkürzte Trainingszeit am Freitag die Gefahr, dass man sich mit den Upgrades verzettelt. Etwas entspannt wird die Situation aber wiederum dadurch, dass man nach den dreitägigen Tests an gleicher Stelle bereits viele Vergleichsdaten gesammelt hat.

Noch ist nicht klar, welche Teams wie viele Neuteile im Köcher haben. Der Verdacht, dass Mercedes zum Grand-Prix-Wochenende eine große Ausbaustufe auspacken könnte, entspricht nach Angeben der Ingenieure nicht der Wahrheit. Es gebe nur Kleinigkeiten, heißt es. Ein Kandidat für überraschende Technik-Upgrades ist immer Red Bull. Aus Angst vor Kopien packt Design-Genie Adrian Newey seine größten Innovationen traditionell erst in letzter Sekunde aus. Vor allem beim Unterboden erwarten wir, dass einige Teams noch einmal nachlegen werden.

Die Favoriten

Fragt man Mercedes, dann ist Red Bull nach den guten Testeindrücken der große Favorit. Geht es nach Red Bull, dann ist Mercedes der erste Anwäter auf den Sieg. Für Max Verstappen ist das alles Teil eines großen Psychospiels: "Mercedes will, dass die Leute denken, dass wir Favorit sind um uns unter Druck zu setzen. Ich sehe jede Saison als neue Chance, sie zu schlagen. Es wäre aber dumm zu denken, dass es für uns leicht wird oder dass wir nach den Tests vorne liegen."

Die Daten der Proberunden deuteten aber stark daraufhin, dass Red Bull zumindest mit einem kleinen Vorsprung in die Saison gehen könnte. Die Mercedes-Piloten kämpften sichtbar mit einem nervösen Heck, was sich auch in einigen Drehern und Ausrutschern widerspiegelte. So etwas macht man nicht mit Absicht. Allerdings ist Mercedes auch als eine effiziente Problemlösungsmaschine bekannt. Die Ingenieure haben sich seit der letzten Testrunde sicher voll darauf konzentriert, dem W12 die schlechten Manieren auszutreiben.

Prognosen vor dem ersten Rennen sind immer Kaffeesatzleserei. Wenn uns der Eindruck von den Testfahrten nicht belügt, dann sollte das Mittelfeld ein gutes Stück näher an die beiden Spitzenteams herangekommen sein. Vor allem McLaren und Alpha Tauri geigten stark auf. Aber Ferrari, Alpine und Aston Martin darf man natürlich auch nicht unterschätzen. Die große Frage lautet zudem, wie schnell sich Sebastian Vettel, Carlos Sainz, Daniel Ricciardo, Fernando Alonso und Yuki Tsunoda an ihre neuen Dienstwagen gewöhnen.

Verschiebungen sind nicht nur an der Spitze und bei den Verfolgern möglich, sondern auch ganz hinten. Alfa Romeo scheint den Rückstand auf das Mittelfeld deutlich reduziert zu haben. So dürften sich nur noch Williams und Haas darum streiten, nicht Letzter zu werden. Nach den Testeindrücken hat Williams die Nase leicht vorne, was allerdings auch an der starken Leistung von George Russell lag. Die beiden Haas-Rookies Mick Schumacher und Nikita Mazepin werden sich wohl um die besseren Plätze in den letzten Startreihen kämpfen.

Mick Schumacher - Haas - Test - Formel 1 - Bahrain - 12. März 2021
Haas
Mick Schumacher gibt in Bahrain sein Grand-Prix-Debüt. Große Chancen darf sich der Rookie aber nicht ausrechnen.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP Bahrain 2020:

Der Bahrain-Grand-Prix 2020 wird immer mit dem schweren Feuer-Crash von Romain Grosjean verbunden sein. Der Franzose hatte nach einem Kontakt mit Daniil Kvyat in der Startrunde die Kontrolle über seinen Haas-Renner verloren und war mit 192 km/h in die Leitplanke eingeschlagen. Nur mit Glück konnte sich der Franzose alleine aus dem brennenden Wrack befreien. Ein Schutzengel sorgte dafür, dass Grosjean mit leichten Verbrennungen an den Händen und einen verstauchten Knöchel davonkam. In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die dramatischen Bilder.

Nach einer anderthalbstündigen Unterbrechung konnte das Rennen erneut gestartet werden. Und dann krachte es direkt noch einmal. Lance Stroll legte seinen Racing Point nach einer Kollision mit Kvyat in Kurve acht aufs Dach. Erst nachdem der rosa Rennwagen aus dem Weg geräumt war, kam das Rennen endlich in Schwung. An der Spitze ließ Pole-Setter Lewis Hamilton nichts anbrennen. Er hielt Verfolger Max Verstappen routiniert in Schach und gewann am Ende knapp aber ungefährdet mit 1,2 Sekunden Vorsprung.

Mehr Spannung herrschte beim Kampf um Platz drei. Eigentlich war Sergio Perez schon auf dem besten Weg zum Podium, als ihm vier Runden vor Schluss der Motor explodierte. Nutznießer war Alexander Albon, der Hamilton als zweiter Red-Bull-Pilot neben Verstappen auf dem Treppchen einrahmte. Valtteri Bottas hatte nach einem frühen Plattfuß nichts mit der Pokalvergabe zu tun. Der Finne wurde nur Achter – noch hinter den beiden McLaren von Lando Norris und Carlos Sainz sowie Pierre Gasly (Alpha Tauri) und Daniel Ricciardo (Renault).

Alle Trainings, Qualifying und Rennergebnisse gibt es hier in der Übersicht.

Zeitplan GP Bahrain 2021

Qualifying und Rennen starten jeweils um 18 Uhr Ortstzeit. Wegen der Zeitumstellung in Deutschland müssen die Zuschauer am Samstag um 16 Uhr den Fernseher einschalten, am Sonntag aber erst um 17 Uhr. Bitte aufpassen: Gestartet wird diese Saison wieder zur vollen Stunde und nicht mehr um zehn Minuten danach.

Zeitplan GP Bahrain 2021

Sitzung Start (MEZ)
Freies Training 1 26. März - 12.30 Uhr
Freies Training 2 26. März - 16.00 Uhr
Freies Training 3 27. März - 13.00 Uhr
Qualifying 27. März - 16.00 Uhr
Rennen 28. März - 17:00 Uhr

Um den Zeitplan in Ihren Kalender zu übertragen besuchen Sie unsere GP Bahrain Übersichtsseite.

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