Mit seiner letzten Neuheit hatte Ferrari weltweit für Aufsehen gesorgt, allerdings wahrlich nicht nur positiv. Nachdem das erste Elektromodell Luce in allen Aspekten kontrovers diskutiert wurde, kehren die Italiener nun zum Tagesgeschäft zurück. Und präsentieren mit dem 12Cilindri Manuale einen Sportwagen, der uneingeschränkt zum Markenkern passt. Mehr noch: Obwohl er kein komplett neues Modell, sondern "nur" eine Variante des 12Cilindri ist, stärkt der Manuale mit seinem ausgeklügelten Getriebe das Hightech-Image des Nobelherstellers aus Maranello. Genau wie die Verbindung zu seinen treuesten Kundinnen und Kunden, die sich schon lange neue Modelle zum Selberschalten gewünscht haben.
Das Wichtigste in Kürze
- Limitierung: 1.499 Exemplare
- V12-Saugmotor (6,5 Liter): 611 kW (830 PS), 678 Nm, 9.500/min
- Getriebe: 8-Gang-DCT, gesteuert über Schalthebel + Kupplung ("Manuale by-wire")
- 0–100 km/h: 2,9 s Vmax: > 340 km/h
- Leergewicht: 1.565 kg 48,4:51,6 Gewichtsverteilung (v/h)
Getriebe: "Manuale by-wire" statt klassischer Mechanik
Der Ferrari 12Cilindri Manuale führt nämlich ein von den Italienern neu entwickeltes "Manuale by-wire"-System ein: Schalthebel und Kupplungspedal sind real vorhanden, die Ansteuerung der Kupplung erfolgt jedoch elektronisch (Clutch-by-wire) – bei gleichzeitigem Erhalt des ursprünglichen Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes als Basis. Das Ziel: echte Fahrerarbeit und analoges Feedback, ohne die Alltagstugenden und die Robustheit eines modernen Antriebsstrangs aufzugeben.
Das achtstufige DCT koppelt Ferrari beim 12Cilindri Manuale an eine komplett neue Bedienarchitektur mit Schalthebel, Schaltkulisse und Kupplungspedal. Der Fahrer oder die Fahrerin agiert zwar wie bei einer klassischen Handschaltung, die Umsetzung übernimmt jedoch ein elektronisches System, das die Kupplungshydraulik des DCT ansteuert.
Entscheidend: Ferrari will nicht "leicht und glatt" schalten lassen, sondern das typische Erlebnis reproduzieren. Deshalb arbeitet die Schalteinheit mit ausgeklügelter Kinematik, Rastpunkten und Lastwechseln, die den Synchronisations- und Einkuppel-Moment fühlbar nachbilden sollen. Wenn die Person am Steuer die Kupplung nicht tritt oder ein Gangwechsel unplausibel ist, kann das System den Schaltvorgang sogar mechanisch blockieren.
Auch beim Hebel selbst betreibt Ferrari Aufwand. Ein zentraler Drehblock aus hochfestem Stahl sorgt für Präzision beim Schalten. Der Hebel zentriert sich zudem selbst, indem er in der Neutralstellung automatisch ins Zentrum der Schaltkulisse zurückfindet. Wer mit dem 12Cilindri Manuale rückwärts fahren möchte, muss den Hebel ganz analog nach unten drücken. Konsequent: Schaltwippen gibt es erstmals seit vielen Jahren nicht. Ferrari verlagert das Fahrerlebnis vollständig zurück auf die rechte Hand und den linken Fuß (sofern es sich um einen Linkslenker handelt).
Kupplung: Clutch-by-wire mit "echtem" Pedalgefühl
Das Kupplungspedal ist nicht nur ein Symbol: Die Pedalstellung wird über eine Sensorik erfasst und in eine hydraulische Betätigung der DCT-Kupplung übersetzt. Ein passives mechanisches System (unter anderem mit Vorspannfeder, Nocke und Rolle) modelliert dabei die Kraft-Weg-Kennlinie eines mechanischen Kupplungssystems – inklusive der Konsequenzen: Wer schlecht synchronisiert, bekommt das zu spüren. Ferrari spricht explizit davon, dass sich das System "wie ein Schaltgetriebe" verhält, bis hin zu möglichen Reaktionen wie Ruckeln oder im Extremfall Abwürgen beim Anfahren.
Könner am Lenkrad sind andererseits dazu in der Lage, klassische Fahrmanöver wie die "Spitze-Hacke-Technik" zum Zwischengas geben anzuwenden. Wer dagegen komfortorientiert im Automatikmodus unterwegs ist, kann im 12Cilindri Manuale dank des "Coasting-Managements" auch Segeln, bis der Ferrari seine Leerlaufdrehzahl erreicht hat.
Antrieb: V12-Sauger als perfekter Spielpartner
Unter der vorderen Haube bleibt es beim Herzstück, das wir aus dem 12Cilindri mit klassischem DCT-Getriebe kennen. Ein 6,5-Liter-V12-Saugmotor mit 65 Grad Bankwinkel und Trockensumpfschmierung, der im Manuale besonders gut zum Konzept passen soll. Als Hauptgrund nennt Ferrari seine große Drehfreude bis 9.500/min und die Charakteristik, insbesondere "obenrum" viel Power bereitzustellen.
Technische Eckdaten (Motor):
- 6.496 cm³, Bohrung/Hub 94 × 78 mm
- 830 PS (611 kW) bei 9.250/min
- 678 Nm bei 7.250/min
- Verdichtung 13,5:1
- 128 PS/l
- +5 PS Dynamic im Overboost (mit 98 Oktan)
Fahrleistungen:
- 0–100 km/h: 2,9 s
- 0–200 km/h: < 7,9 s
- Vmax: > 340 km/h
Fahrwerk und Regelsysteme
Am technischen Unterbau ändert Ferrari nichts Grundsätzliches, aber das Paket an Fahrhilfen ist ohnehin hochmodern und reichhaltig bestückt. Mit an Bord sind unter anderem Systeme wie Side Slip Control SSC 8.0, ABS evo in allen Manettino-Positionen, ein elektronisches Differenzial, PCV 3.0 (virtueller kurzer Radstand), Ferrari Dynamic Enhancer FDE 2.0 sowie magnetorheologische Dämpfer (SCM). Die Lenkung agiert elektrisch. Die Bremsanlage arbeitet vorn mit 398 Millimeter großen Scheiben; die hinteren Pendants messen 360 Millimeter. Sie sitzt hinter geschmiedeten 21-Zoll-Rädern im Fünfspeichen-Design mit 275/35er-Reifen vorn und 315/35er-Pneus hinten.
Außendesign: Hommage mit Pinstripes und Details
Weil der Manuale nicht nur Technik-, sondern auch Sammlerware ist, bekommt er eigene Design-Merkmale. Dazu zählen ein seitliches Emblem mit lasergraviertem Logo, ein "Scudetto", der ähnlich wie Münzen in einem speziellen Verfahren geprägt wird, und Aluminium-Einstiegsleisten mit eingraviertem Emblem. Die Pinstripe-Lackierung an Frontsplitter und Heckflügel ist eine Hommage an den Ferrari 365 GTB/4. Der Manuale ist in 25 Ferrari-Farben erhältlich; die Launch-Farbe, ein dunkles Rot, heißt "Rosso Rubino".
Innenraum: Schaltkulisse, Alu-Knauf, Drei-Pedal-Layout
Im Cockpit inszeniert Ferrari die Handschaltung als ikonisches Zentrum: Mittelkonsole, offene Schaltkulisse, runder Aluminium-Schaltknauf. Die Kulisse zeigt das Sechsgang-Schema (R oben links) und der Knauf trägt ein hintergrundbeleuchtetes Display, das Gangstufen und den Modus (Automatik oder manuell) anzeigt. Die Pedalerie weist eine komplett neu gestaltete Drei-Pedal-Anordnung auf, die fahrerorientiert positioniert ist. Auch bei den Sitzen spielt Ferrari das Sechsgang-Thema durch: optional befinden sich darauf sechs vertikale Rillen.
Markteinführung & Positionierung: Für Puristen
Ferrari beschreibt den 12Cilindri Manuale als Angebot für Fahrerinnen und Fahrer, die ein physisches, bewusstes Erlebnis suchen – ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Deshalb bleibt die DCT-Funktionalität erhalten: Der Sportwagen kann manuell oder im Automatikmodus gefahren werden. Das Ganze richtet sich ausdrücklich an Ferraristi, die den zweisitzigen Berlinettas mit V12-Frontmotor treu sind.
Offizielle Preise nennt Ferrari bisher nicht. Angesichts der Limitierung, der Anbindung an die hauseigene Individualisierungsabteilung "Tailor Made" und der besonderen (Getriebe)Technik ist jedoch klar: Der Manuale wird deutlich teurer als der reguläre 12Cilindri sein – und der kostet bereits mindestens 395.000 Euro.












