Koenigsegg Jesko (2019)

300-mph-Hypercar debütiert in Genf

03/2019, Koenigsegg Jesko Foto: Koenigsegg
Auto Salon Genf 2019

Mit dem Jesko peilt Koenigsegg einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Serienautos an: über 480 km/h. Dafür gibt es Hightech für Motor, Getriebe und Aerodynamik. Und einen neuen Namen für das Auto, das eigentlich Ragnarok heißen sollte.

Den Rekord für das schnellste Serienauto der Welt hält … Trommelwirbel … Koenigsegg. Mit 457,2 km/h bzw. 277,9 mph raste der 1.176 PS starke Agera RS am 4. November 2017 einen abgesperrten Highway im US-Bundesstaat Nevada entlang. Wenn es nach Koenigsegg geht, hält der Rekord nicht mehr allzu lange. Das Auto, das den Rekordhalter beerben und den Rekord brechen soll, debütiert gerade auf dem Genfer Autosalon, hört auf den Namen Jesko und soll die 300-mph-Schallmauer hinter sich lassen – also schneller fahren als 482,8 km/h. In Simulationen soll das schon geklappt haben, wenn auch mit einem windschlüpfigeren Aerodynamik-Setup, als es das in Genf gezeigte Modell präsentiert.

Neue 180-Grad-Kurbelwelle für mehr Drehfreude

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Damit das Vorhaben auch im wahren Leben klappt, hat Koenigsegg seinen Fünf-Liter-Twin-Turbo-V8 weiterentwickelt. Der Flatplane-Motor verfügt nun über eine um 180 Grad gekröpfte, nur 12,5 Kilogramm schwere Kurbelwelle, die den Motor vor allem drehfreudiger machen soll. Das Drehzahl-Limit soll nun oberhalb von 8.500 Touren liegen. Der Tendenz von Flatplane-Motoren zu stärkeren Vibrationen wirkt Koenigsegg mit aktiven Motorlagern entgegen. Neu konstruierte Pleuel und Kolben runden die innermotorischen Maßnahmen ab.

Außerdem saugt der Koenigsegg Jesko die Luft effizienter an, kontrolliert die Drücke präziser, indem jeder einzelne Zylinder von Sensoren überwacht wird, und erhält neue Turbolader. Die sind nicht nur größer, sondern arbeiten auch mit einem neuen, hauseigenen und patentierten Luft-Einspritz-System. Das besteht aus einem kleinen Kompressor samt Karbon-Lufttank, der innerhalb des Lader-Systems sitzt und 20 bar starke „Luftschüsse“ verteilt, wenn die entsprechende Leistung abgefragt wird. Das spannt die Turbos vor und führt zu einem verzögerungslosen Ansprechen.

1.622 PS im E85-Bioethanol-Modus

03/2019, Koenigsegg Jesko Foto: Koenigsegg
Über den Heck thront ein mächtiger Flügel mit zwei Profilen.

Und wofür das Ganze? Nun ja, die 1.298 PS im Betrieb mit normalem Benzin wären schon ein stichhaltiges Argumente für den großen Aufwand. Aber die 1.622 PS, die der Koenigsegg Jesko mit E85-Bioethanol liefert, dürften diesen endgültig rechtfertigen. Als maximales Drehmoment geben die Schweden 1.500 Newtonmeter bei 5.100 Umdrehungen an; mehr als 1.000 davon liegen im gesamten Bereich zwischen 2.700 und 6.170 Kurbelwellenrotationen an.

Doch beim Motor endet das Hightech-Feuerwerk des Jesko noch lange nicht. Auch das Getriebe wartet mit einigen Besonderheiten auf. Nicht nur, dass es mit 90 Kilogramm Gewicht sehr leicht geraten ist. Es verzichtet auch auf klassische Synchronringe und hat nicht nur zwei, sondern sechs Kupplungen. Das soll den entscheidenden Vorteil bringen, bei hohem Tempo nicht erst durch alle Gänge schalten zu müssen, wenn zusätzliche Beschleunigung benötigt wird.

Getriebe-Hightech, vom Fahrrad inspiriert

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Während ein klassisches Doppelkupplungsgetriebe beim Zurückschalten vom – beispielsweise – siebten in den vierten Gang auch in die sechste und fünfte Fahrstufe wechseln muss, weil die Elektronik immer nur den nächsten Gang vorwählt, kann der Koenigsegg sie einfach überspringen. Das funktioniert ein bisschen wie die Ritzel beim Fahrrad: Der Jesko kombiniert quasi ein Zweier- mit einem Dreier-Ritzelpaket und kann daraus jederzeit jede Kombination wählen, ohne irgendeine Art von Synchronisierung berücksichtigen zu müssen. Macht mathematisch: 3² = 9 Gänge. Dafür muss der Fahrer lediglich eine Taste am Wählhebel verstellen und länger am Schaltpaddel ziehen; der Jesko wechselt dann automatisch in den Gang, der die beste Beschleunigung verspricht.

Das Fahrwerk arbeitet mit verlängerten und verbesserten Doppel-Querlenkern nach Formel-1-Vorbild. Die komplett einstellbaren Stoßdämpfer liefert Öhlins. Und zwar drei pro Rad für sowohl die Vorder- als auch die Hinterachse, wobei zwei vertikal und einer horizontal angeordnet sind. Das soll sowohl den Abstand zum Asphalt als auch das Griplevel jederzeit auf perfektem Niveau halten. Neu ist, dass die Hinterräder mitlenken, und zwar in einem Winkel von bis zu drei Grad. Apropos Räder: Die wachsen im Vergleich zum Agera RS und haben nun die Dimensionen 9,5x20 (vorne) und 12x21 Zoll (hinten). Serienmäßig rollt der Jesko auf Michelin Pilot Sport Cup 2-Reifen. Deren noch extremere R-Variante ist optional erhältlich.

1.000 Kilogramm Anpressdruck bei 275 km/h

Laut Hersteller erhält der 1.420 Kilogramm schwere Jesko das aggressivste Aerodynamik-Paket aller bisherigen Koenigsegg-Modelle; im Vergleich zum Agera RS soll der maximale Anpressdruck um 40 Prozent höher liegen. Zentrales Bestandteil des Luftleit-Konzepts ist der Heckflügel, dessen charakteristisches Design von den beiden aus der Karosserie wachsenden Haltestegen und dem doppelten Profil bestimmt wird. Der Frontsplitter arbeitet mit beweglichen Klappen, die Außenspiegel sind ebenfalls dazu da, die Luft an die richtigen Stellen zu leiten. Allein sie sollen bis zu 20 Kilogramm Anpressdruck produzieren – von insgesamt 1.000, die der Jesko bei 275 km/h produziert.

03/2019, Koenigsegg Jesko Foto: Koenigsegg
Das Lenkrad verfügt über zwei kleine Touchscreens mit haptischem Feedback.

Wie jeder Koenigsegg baut auch der Jesko auf einem Kohlefaser-Monocoque-Chassis auf, das im Vergleich zum Agera RS aber 40 Millimeter länger und 22 Millimeter breiter geworden ist. Das soll mehr Platz für die Insassen schaffen. Auch der Komfort soll sich verbessert haben. Zum Beispiel durch neu entwickelte Türen, die einen größeren Einstiegswinkel freigeben. Oder durch induktive Lademöglichkeiten fürs Handy. Oder durch die Einparkhilfe per „Bird’s Eye View“-Monitor. Und so weiter. Das Infotainment-System besteht aus einem zentralen Neun-Zoll-Touchscreen und einem fünf Zoll großen, digitalen Instrumenten-Monitor hinter dem Lenkrad. Das wiederum ist mit kleinen Touchscreens samt haptischem Feedback ausgerüstet, über das Telefon-, Audio- oder andere Funktionen gesteuert werden können. Software-Updates gibt es „over the air“ aus der Koenigsegg-Cloud.

125 Exemplare für 2,5 bis 3 Millionen Euro netto

Keine Frage: Der Vater von Christian von Koenigsegg, Gründer und Chef des Sportwagenherstellers, wäre stolz auf das, was sein Sohn samt Team da auf die Straße bringt. Zumal das Auto nach dem heute 80-Jährigen benannt ist. Diese Geste war übrigens eine Überraschung, Jesko von Koenigsegg wusste bis zur Enthüllung in Genf nichts davon. Christian hat sogar falsche Pressemeldungen verschickt; bis zuletzt war noch der Name Ragnarok im Gespräch. 125 Exemplare will Koenigsegg insgesamt bauen, also deutlich mehr als vom Agera RS (25) oder Regera (80). Der Nettopreis dürfte bei 2,5 bis drei Millionen Euro liegen.

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