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02/2020, Microlino 2.0 Micro Mobility Systems AG
02/2020, Microlino 2.0
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02/2020, Microlino 2.0 15 Bilder

Microlino 2.0 (2021)

Elektro-Zwerg mit bis zu 200 Kilometer Reichweite

Auto Salon Genf 2020

Kommt er oder kommt er nicht? Zuletzt gab es viele Unsicherheiten rund um den Elektro-Kleinstwagen Microlino. Jetzt stellen die Schweizer die 2.0-Version mit geändertem Design und Technik-Updates vor.

Kommt er nun, oder kommt er nicht? Seit der Kickboard-Hersteller Micro 2016 auf dem Genfer Autosalon den Prototypen eines Isetta-ähnlichen Elektro-Kleinstwagens gezeigt hatte, wurde der Serienstart immer wieder verschoben. Nun wird es aber wieder konkreter in Sachen Microlino: Nachdem das Debüt auf der Automesse wegen deren Absage ins Wasser fiel, stellten die Schweizer die 2.0-Version der Isetta-Neuauflage nun im Internet vor. Und zwar neben einem Ableger namens Microletta, bei dem es sich um einen dreirädrigen Elektroroller handelt (mehr dazu in diesem Artikel).

Re-Design aus Sicherheitsgründen

Allerdings verfügt der Microlino nun über ein geändertes Design und einige Technik-Updates. Hauptgrund für das umfassende Facelift schon vor dem Produktionsstart ist die Sicherheit. Um höhere Standards zu erreichen, musste die gesamte Fahrzeugstruktur geändert werden. Das Chassis besteht nun aus Stahlblech und Aluminium. Um die Fahrstabilität zu verbessern und Einzelradaufhängung zu ermöglichen, zeigt sich die hintere Spurweite nun um 50 Prozent verbreitert.

02/2020, Microlino 2.0
Micro Mobility Systems AG
Der neue Microlino ist eindeutig am durchgängigen heckseitigen Leuchtenband zu erkennen.

Außerdem erhält der Micolino 2.0 einen völlig neuen Antrieb und andere Energiespeicher. Der Synchronmotor mit Permanentmagnet soll im Vergleich zur zuvor getesteten E-Maschine 15 Prozent effizienter arbeiten und eine bessere Leistungsentfaltung an den Tag legen. Die Lithium-Ionen-Batterie erhielt neue Zellen mit höherer Energiedichte, baut deshalb kompakter und schafft Platz im Innenraum. An der maximalen Reichweite soll sich nichts ändern: Wie zuvor soll der Microlino maximal 200 Kilometer schaffen.

Microlino behält die "Kühlschrank"-Tür

Zudem scheint der Microlino ein wenig gewachsen zu sein. Zumindest in Bezug auf die Fahrzeughöhe hat die Familie Ouboter, die hinter dem Microlino steht, dies inzwischen bestätigt. Die markantesten Design-Änderungen zeigen sich im Bereich der Scheiben: Das farblich abgesetzte Dach startet nun hier und nicht mehr auf Schulterhöhe, außerdem ist die A-Säule nun schmaler gestaltet. Ebenfalls neu sind die quer über die Fronttür verlaufende Leiste, die seitlich den Microlino-Schriftzug trägt, farblich abgesetzte Leisten im Bereich der Scheiben und/oder Schweller, das (noch nicht endgültige) Felgen-Design und die nun in die Karosserie integrierten, als durchgängiges Band über die gesamte Breite verlaufenden Heckleuchten.

02/2020, Microlino 2.0
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Auch vorne gibt es eine ununterbrochene Lichtleiste. Markant sind die außen angebrachten Scheinwerfer.

Statt eines Stoff-Faltdaches lassen sich nun feste Elemente nach hinten schieben, und heckseitig haben die Ouboters nun den Markennamen anbringen lassen. Seinen Isetta-Charme behält der Zweisitzer aber, schließlich bleiben die markante "Kühlschrank-Tür", die aufgesetzten Scheinwerfer-Rückspiegel-Einheiten und die unterschiedlichen Spurweiten erhalten.

Microlino 2.0 mit fester Lenksäule

Markanteste Änderung im Innenraum ist die feste Lenksäule, die nun nicht mehr zusammen mit der Tür aufschwingt, sobald diese geöffnet wird. Das soll die Konstruktion vereinfachen und die Lenkkräfte verringern. Obendrein soll der Innenraum geräumiger und dank neuer Sitze ergonomischer sowie komfortabler werden und sich die Rundumsicht verbessern. Das Armaturenbrett präsentiert sich maximal minimalistisch. Hinter dem Digital-Display verläuft ein Aluminiumrohr über die gesamte Breite, an das sich das eigene Smartphone, tragbare Bluetooth-Lautsprecher oder andere Accessoires anbringen lassen.

02/2020, Microlino 2.0
Micro Mobility Systems AG
Der Microlino verfügt künftig über eine feststehende Lenksäule.

Aktuell zeigt sich das Microlino-Interieur allerdings noch nicht im finalen Zustand: Die Farben und Materialien der Sitzbezüge werden erst im nächsten Entwicklungsschritt festgelegt. Kunden, die das Auto bereits vorbestellt haben, sollen im Hinblick darauf – genau wie bei den Felgen – ein Mitspracherecht genießen.

2021 soll die Produktion starten

Die Produktion des Microlino soll 2021 beim neuen Partner CECOMP im italienischen Turin starten. Zuvor war geplant, zusammen mit Artega eine Serienfertigung aufzubauen. Doch die Partner überwarfen sich, was in einem monatelangen Rechtsstreit gipfelte. "Die Unternehmen gehen per sofort getrennte Wege", erklärt Micro in einer Pressemitteilung. Die außergerichtliche Einigung sei schon im November 2019 zustande gekommen. Artega darf seinen eigenen Kabinenroller "Karo" auf den Markt bringen. Damit können beide Firmen einen Elektro-Kleinstwagen im Isetta-Look vertreiben. Micro hat im September außerdem Peter Müller als Cheftechniker eingestellt. Müller war unter anderem bei BMW und Porsche im Vorstand tätig und soll helfen, den Microlino zur Serienreife zu bringen.

Microlino (2018)
Microlino
Gehen wieder getrennte Wege: Marco Batillani (Tazzari), Erik Tazzari (Tazzari), Klaus Frers (Artega), Wim Ouboter (Microlino), Oliver Ouboter (Microlino), Merlin Ouboter (Microlino).

Artega hatte im Herbst 2018 den Microlino-Entwicklungspartner TMI/Tazzari übernommen. In der Folge sollte der Elektro-Kleinstwagen überarbeitet und serienreif gemacht werden. Artega hatte in die Produktion etwa drei Millionen Euro gesteckt und angekündigt, 50 Arbeitsplätze zu schaffen. Pro Jahr sollten in Delbrück 8.000 Fahrzeuge gefertigt werden. Der ganz frühen Planung zufolge hätte die Produktion Anfang 2018 in Italien bei Tazzari beginnen sollen; danach sollten im Januar 2019 die ersten Microlino in Delbrück entstehen. Doch zunächst gab es Streit über die Qualität, anschließend über die Frage, ob Artega einen eigenen Elektro-Kleinstwagen mit dem Namen Karo bauen und verkaufen darf.

Alles zum ursprünglichen Microlino

Wahrscheinlich ist, dass der serienreife Microlino 2.0 etwas andere technische Daten präsentieren wird als das bisher geplante Modell. Dieses war 2,40 Meter lang und wog ohne Batterie 450 Kilogramm. Es war als L7e-Fahrzeug eingestuft und musste darum keine Crashtests absolvieren. Laut Hersteller besteht er trotzdem einen Crashtest mit 50 km/h. Anders als die Original-Isetta hatte dieser Microlino eine Heckklappe; dahinter fand ein 300 Liter großer Kofferraum Platz. Diese Version des Zweisitzers hatte einen 15 kW starken Motor mit 110 Nm Drehmoment. In fünf Sekunden sollte er aus dem Stand auf 50 km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit war auf 90 km/h begrenzt. Den geplanten Einstiegspreis von 12.000 Euro soll aber auch der Microlino 2.0 halten.

Microlino (2018) Elektro-Kabinenroller
Microlino
Beim ursprünglichen Microlino war die Lenkung komplett in die Fronttür integriert.

Zwei Batteriegrößen waren geplant: Die kleine Variante mit 8 kWh wäre 125 Kilometer weit gekommen und hätte mit Typ-1-Stecker in einer Stunde von null auf 80 Prozent geladen. Mit dem größeren 14,4-kWh-Akku hätte der Microlino eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern erhalten. Je nach Anschluss waren Ladezeiten von zwei bis sechs Stunden von leer auf 80 Prozent avisiert.

Erste Probefahrt des Microlino

Bei einer ersten Probefahrt der Ursprungsversion gelang der Einstieg in den zweisitzigen Microlino durch die weit öffnende Tür an der Front überraschend problemlos. So, als ob es ganz normal und alltäglich wäre, ein Auto von vorne zu entern. In der modernen Kugel kauerte selbst der 1,92 Meter große Autor dieser Zeilen einigermaßen kommod. Zumindest Kurzstrecken ließen sich auch zu zweit auf der überraschend bequemen Sitzbank abreißen. Die wenigen Bedienelemente waren in der Fronttür eingelassen, die Pedale standen aufgrund des engen Baumraums aber für große Menschen recht nah. Stark angewinkelte Knie waren die Folge.

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Fiese Nummer. Da wird den Schweizern ziemlich übel mitgespielt.
Das ist Business. Da waren die Schweizer wohl ein bisschen zu naiv.

Fazit

So kurz das Auto ist, so lang scheint der Weg zur Serienreife: Micro glaubt seit 2016 an den Microlino und möchte das Elektrofahrzeug zwischen Auto und Motorrad nun Anfang 2021 auf die Straße bringen. Wir sind gespannt auf die erste Probefahrt im dann umfassend umgemodelten Microlino!

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