Audi A6 Avant 50 TDI, Exterieur Achim Hartmann

Irreführende KBA-Statistik

Nur noch vier Prozent Diesel-Anteil beim Audi A6

Audi hat 2019 laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) 44.000 A6 verkauft. Davon haben angeblich nur 1702 einen Dieselmotor – ein marginaler Anteil. Was dahinter steckt und was Audi dazu sagt.

Laut KBA liegt der Dieselanteil beim Audi A6 bei schmalen 3,8 Prozent. Das überrascht. Denn normalerweise liegt der Diesel-Anteil in der Oberklasse bei 50 bis 80 Prozent. So ist es selbst den Zahlen des KBA zufolge auch bei den wichtigsten Wettbewerbern BMW 5er und Mercedes E-Klasse.

Diesel? Hybrid? Beides!

Dafür liegt bei Audi der Anteil an Hybrid-Zulassungen sehr hoch: 42.000 der 2019 neu in Deutschland zugelassenen A6 treibt ein Hybrid an. weil das KBA jedes Auto in diese Kategorie einordnet, das einen zweiten Antriebsmotor und einen zweiten Energiespeicher hat.

Audi: 80 Prozent der A6 sind Diesel

Audi A6 Allroad 45 TDI, Motorraum
Rossen Gargolov
Diesel, Benziner oder Hybrid? Mit den KBA-Zahlen allein schwer festzustellen.

Audi baut seine A6-Modelle inzwischen standardmäßig als Mildhybrid – also mit zweitem Akku und kleinem Elektromotor. Laut KBA-Definition wird ein Auto damit zum Hybrid, auch wenn es keinen Meter elektrisch fährt. Um beim Beispiel des A6 zu bleiben: Dort dient der Mildhybrid zum „elektrischen Segeln“: Das 48-Volt-System versorgt Systeme wie die Servolenkung, wenn das Auto zwischen 55 und 160 km/h mit ausgeschaltetem Motor dahinrollt. Das spart laut Audi bis zu 0,7 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern. Rein elektrisch fährt der A6 jedoch keinen Meter.

Audi selbst nennt für die aktuelle Generation des A6 auf Nachfrage übrigens einen Diesel-Anteil von etwa 80 Prozent. Zur Hybrid-Einstufung kommt lediglich wegen der 48-Volt-Technik. Die Förderungen und Steuererleichterungen für Plug-in-Hybridautos bekommt der A6 damit natürlich nicht – Plug-in-Hybride haben ohnehin eigene Schlüsselnummern. Aber mit der Erfassung des Mildhybrid-Systems als eigene Anriebsart hat das KBA die Verbrennungsart dummerweise aus der Statistik getilgt.

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Künftig keine Verbrenner mehr – in der Statistik

Kling erstmal nach einem nachrangigen Zähl-Problem. Aber seit dem Dieselskandal, der im September 2015 begann, ist zumindest in Deutschland der Diesel-Anteil interessanter als ohnehin schon. Zwischendurch fiel er, weil Fahrverbote in Städten Käufer skeptisch werden ließen. Künftig kann das KBA diese Zahl offenbar nicht mehr liefern, weil ein zunehmender Anteil an Mildhybriden die Statistik verfälscht.

VW etwa wird im Golf Benziner mit 48-Volt-Technik (eTSI mit mit 110, 130 und 150 PS) anbieten. Diese Motoren werden wie bei VWs MQB-Technik üblich bald auch im Passat zu haben sein – und bei anderen Konzernmarken. BMW stattet den Zweiliter-Diesel in mehreren Baureihen (3er, 5er, X3, X4) ebenfalls mit einem 48-Volt-Mildhybrid aus – also wie bei VW echte Volumenmodelle. Spätestens dann wird der Hybridanteil scheinbar stark steigen. Ob eine Änderung der unglücklichen Zählung geplant ist, und ob Besitzer eines solchen Autos die (wahre) Antriebsart ihres Autos im Fahrzeugschein erkennen können, konnte das Kraftfahrt Bundesamt auf Nachfrage nicht erklären. Auch die Frage, wie es zu den Schlüsselnummern kam, ließ die Behörde unbeantwortet.

Fazit

Hybrid? Benziner? Diesel-Hybrid? Ein Auto ist ein komplexes technisches Gebilde, aber bei der Zulassungsstatistik macht es sich das KBA offenbar zu einfach. So kommt es zu kuriosen Fällen wie dem hohen Hybridanteil beim Audi A6, der in Wahrheit ein hoher Dieselanteil ist. Könnte ein bloßes Kuriosum sein, wird aber spätestens dann ein Politikum, wenn der Anteil an Mildhybriden steigt. Genau das ist nicht nur bei Volumenmodellen wie dem VW Golf, sondern bei fast allen Herstellern geplant – CO2-Grenzwerte zwingen zum Hybridisieren. Und dann weiß womöglich bald niemand mehr, wie viele Diesel neu verkauft werden.

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