VW-Werk Wolfsburg Gregor Hebermehl
VW Trinity 2026
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VW Trinity: Volkswagen baut neues Werk in WOB

VW Trinity - neues Werk in Wolfsburg Großmodule, Drohnen - so will VW Tesla einholen

Der Volkswagen-Konzern will bis 2026 ein neues Werk am Stammsitz in Wolfsburg für die Elektroautos des Trinity-Projekts bauen. Hier lesen Sie, was die Gründe für diese Entscheidung sind und wie es die Fahrzeuge genauso schnell und effizient produzieren können soll wie Tesla in Grünheide.

Nach heftigen Streitereien hat der Volkswagen-Konzern die so genannte "Planungsrunde 70" abgeschlossen. Darin ist auch ein neues Werk für das Zukunftsprojekt Trinity abgesegnet. Es wird am Standort Wolfsburg entstehen, aber vermutlich außerhalb des Werksgeländes. Warum braucht Volkswagen ein neues Werk? Der Konzern hat jahrzehntelang gelernt, massenhaft Autos mit Verbrennungsmotor in hoher Qualität zu bauen. Für einen VW Golf braucht das Stammwerk dazu 25 Stunden, für ein E-Auto auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MEB) nimmt sich die Fabrik in Zwickau gar 30 Stunden Zeit; demnächst sollen es immerhin nur mehr 20 sein. Aber Tesla wird zur Produktion eines Model Y in Grünheide angeblich nur 9 Stunden benötigen. Zeit ist Geld. Je länger die Produktion dauert, desto mehr Arbeitsstunden gehen dafür drauf.

Elon Musk bei Herbert Diess VW ID.3
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Die Produktionszeit pro Auto war darum der Ausgangspunkt heftiger Debatten in der Konzernführung, weil der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess Szenarien hat rechnen lassen, die den Entfall von 35.000 Arbeitsstellen bedeutet hätten, viele davon im Stammwerk in Wolfsburg. Das wiederum hätte Herbert Diess fast den Job gekostet. Bei den Planungsrunden soll er gar nicht mehr anwesend gewesen sein.

E-Fuels, Herbert Diess
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Großmodule helfen, Trinity einfacher zu bauen

Das Projekt, das den Rückstand gegenüber Tesla aufholen soll, heißt Trinity (engl. für Dreieinigkeit). Die neuen Elektroautos sollen auf einer neuen Architektur (Punkt 1) aufbauen (der Scalable Systems Platform, siehe Bildergalerie), den VW-Produkten durch Elektronik, Software und Autonom-Fähigkeiten (Punkt 2) einen neuronalen Schub verschaffen und mit einem radikal neuen Produktionsansatz (Punkt 3) herzustellen sein. Zu dem gehören:

  • Großmodule (z.B. Innenraummodul, Dach-Modul, Vorderwagen-Modul), die schon außerhalb der Kernlinie montiert werden – inhouse oder beim Lieferanten.
  • Aluminium-Guss-Teile: Ihren Einsatz prüft VW. So würden nicht mehr Hunderte von kleinen Blechteilen zusammengeschweißt, sondern schon die Fahrzeug-Großmodule (wie der Vorder- und Hinterwagen) aus wenigen Großgussteilen zusammengesetzt. Das bringt weitere Geschwindigkeit in der Fertigung.
  • Verringerung der Komplexität: Beim Golf sind rund 10 Millionen Konfigurationen möglich. Bei Trinity sollen es nur noch rund 140 sein. Das verschlankt auch das Logistik-Konzept.
  • Logistik: Sie soll direkt an die Produktion andocken, Drohnen sollen helfen.
  • Elektronikarchitektur in der Produktion: Softwareeinspielungen "Over the air" verkürzen die Zeiten zur Inbetriebnahme, das autonome Fahren soll bereits in der Produktionshalle zur Anwendung kommen.

Einmal investieren, billiger produzieren

Noch-VW-Markenchef Brandstätter verspricht, dass Trinity-Modelle in einem neuen Werk in zehn Stunden entstehen können. 250.000 Fahrzeuge sollen dort pro Jahr vom Band rollen. Zu Baukosten und zur Anzahl der Mitarbeiter in der neuen Trinity-Fabrik äußerte sich Brandstätter nicht. Aber auch der Markenchef sieht einen Stellenabbau bei VW. Anders als Diess glaubt er allerdings, dass sich der über Altersteilzeit und Vorruhestand regeln lasse. "Diese Instrumente sind ausreichend", betonte er.

VW Trinity 2026 Brandstätter
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Und Geld für eine neue Fabrik scheint nicht das Problem zu sein. Nach der Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember 2021 präsentierte der Konzern neben zahlreichen neuen Vorstandsstellen, die je nach Lesart Herbert Diess unterstützen oder einhegen sollen, wo und wie er investieren will: Insgesamt 159 Milliarden in den nächsten fünf Jahren. Erstmals machen Zukunftsinvestitionen, primär in E-Mobilität und Digitalisierung, mit 89 Milliarden Euro beziehungsweise 56 Prozent, den größten Anteil aus. Eine neue Fabrik sollte weniger als zehn Prozent davon kosten – Tesla hat für seine neue Fabrik etwa sechs Milliarden investiert. Dort sollen etwa 12.000 Mitarbeiter bis zu 500.000 Fahrzeuge pro Jahr herstellen. In Wolfsburg sind aktuell rund 14.000 Mitarbeiter in der Produktion beschäftigt. Laut Betriebsratschefin Cavallo werden dort 2021 erstmals seit den 50er-Jahren statt gut 500.000 wohl weniger als 400.000 Fahrzeuge vom Band laufen – allerdings vor allem wegen des Chipmangels.

Trinity-Fabrik am Standort Wolfsburg, aber nicht im Stammwerk?

Das erste Trinity-Modell soll 2026 anlaufen. Eine moderne Fertigung im laufenden Betrieb des Stammwerks in Wolfsburg zu implementieren, hält Noch-VW-Markenchef Brandstätter indes nachvollziehbarerweise für schwierig. So setzten beispielsweise die Großmodule eine noch engere Verzahnung von Produktion, Logistik und Einkauf voraus. Die Logistikplanung ist natürlich auf einer grünen Wiese deutlich einfacher. Und in einem neuen Werk würden sich die höheren Produktivitätsziele insgesamt besser erreichen lassen als in einem (umgebauten) älteren Werk, so Brandstätter.

Trotzdem bestätigte die Planungsrunde 70 nur die Elektrifizierung des "Standortes Wolfsburg" mit dem Projekt Trinity. "Außerdem ist angesichts der hohen Nachfrage nach E-Autos die Einrüstung des ID.3 für eine Vollfertigung ab dem Jahr 2024 geplant". Vor 2024 sei "eine Teilfertigung mit Belieferung aus Zwickau vorgesehen". So will das Unternehmen erwartetes "zusätzliches Marktvolumen bedienen, das Zwickau alleine angesichts langfristig guter Auslastungsprognosen nicht erfüllen könnte". Schließlich erwarte man, dass jedes vierte verkaufte Fahrzeug im Jahr 2026 einen batterieelektrischen Antrieb hat.

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Zu einem neuen Werk heißt es in der Veröffentlichung der Beschlüsse am 9. Dezember 2021 nur, "eine Fabrik außerhalb des jetzigen Werksgeländes" werde "in Betracht gezogen".

Kein Werksbau ohne Bürokratie-Abbau?

Warum wird das nur in Betracht gezogen? Für einen Konzern wie Volkswagen ist es im Gegensatz zum US-Autobauer Tesla offenbar schwierig, den Bau eines Werks auf veranschlagten vier Quadratkilometern Fläche schon jetzt als sicher einzuplanen. Anders als "Alleinherrscher" Elon Musk kann die Volkswagen AG zumindest nicht einfach ohne Genehmigung loslegen und für den Fall eines abschlägigen Bescheids einen kostspieligen Rückbau versprechen, der nicht mal als Investition abzuschreiben wäre. Deswegen kann der Aufsichtsrat Stand Ende 2021 nur grünes Licht für den Bau des ersten Trinity-Modells am Standort Wolfsburg geben, aber noch nicht für eine neue Fabrik.

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Falls sich Baulandsuche und Genehmigungsfahren dafür nicht binnen der sich aus Bauzeit und Produktionsbeginn ergebenden Zeitfenster darstellen lassen, bliebe ein Neubau der Trinity-Produktionsanlagen innerhalb des Stammwerks; die dafür notwendige Fläche betrüge dann nur mehr etwa 2 Quadratkilometer, weil Logistikflächen und Parkplätze für Mitarbeiter ja schon vorhanden sind. Andererseits ist die Logistik innerhalb einer großen Automobilproduktionsanlage wichtig für kurze Herstellungszeiten, siehe oben.

Wolfsburg bekommt zweites Trinity-Modell

So oder so: "Bis 2030 ist geplant, eine zweite moderne E-Fertigung auf dem jetzigen Werksgelände aufzubauen." Sprich: Das Stammwerk soll in jedem Fall perspektivisch auch Trinity-Modelle herstellen. Ergänzen solle den Standort "das modernste Forschungs- und Entwicklungszentrum in Europa", der Campus Sandkamp. Herbert Diess sagte dazu: "Mit der Vision für 2030 geben wir dem Standort Wolfsburg eine neue Identität. Unser Ziel ist ein international zukunftsfähiger Standort mit effizienter Konzernsteuerung, zwei E-Fertigungen, einem hochmodernen Forschungs- und Entwicklungszentrum und dem Auf- und Ausbau weiterer Zukunftsfelder". Klingt irgendwie nach Tesla – ohne dass der CEO den Namen nennt, was ihm so viel Kritik eingebracht hat.

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Fazit

Trinity ist das Zukunftsprojekt des Volkswagen-Konzerns. Aber auch mit einem Investitionsplan von 159 Milliarden Euro lässt sich das offenbar heute noch nicht sicher aufgleisen, obwohl das erste Trinity-Modell bereits 2026 vom Band laufen soll. Selbst das wirkt angesichts der Erfolge von Tesla und der erstarkenden Konkurrenz aus China verspätet.

Dass sich der VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess darüber Sorgen macht und bei der Transformation aufs Tempo drückt, ist verständlich, dass der Betriebsrat des Spezialkonzerns Volkswagen das missversteht, sicher auch Diess‘ provokanter Kommunikation geschuldet.

Das eigentliche Problem des Riesentankers VW mit 680.000 Mitarbeitern weltweit, scheint aber die Trägheit der Bürokratie in seinem Heimatland, wegen der ein "Einfach-machen"-Milliardär Elon Musk wie das Risiko eingeht, eine Giga-Factory ohne Genehmigung fertigzustellen.

Zöge VW ein solches Vorgehen beim Trinity-Werk in Erwägung, würde vermutlich nicht erst Aufsichtsrat Stephan Weil, Ministerpräsident des Bundeslandes Niedersachsen, als Kontrolleur der Unternehmungsführung die Stirn runzeln.

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