Der Barcelona-Coup von Lewis Hamilton hatte Hoffnungen auf einen Titelkampf zwischen Ferrari und Mercedes genährt. Nur 41 Punkte liegt der Rekordsieger hinter Kimi Antonelli. Dank des ersten Motoren-Upgrades und weiterer neuer Teile am SF-26 wollen die Tifosi in Österreich (28.6.) den nächsten roten Erfolg sehen. Nach dem Trainingsfreitag gilt es festzuhalten: Das wird schwierig.
Mercedes ist die Messlatte in Spielberg. Im ersten Training holte Antonelli P1 vor Teamkollege George Russell. Am Abend legte der Youngster nochmal nach. Er umrundete in 1.07,014 Minuten den 4,326 Kilometer langen Kurs. Russell wurde zwar nur Sechster, doch der Engländer hatte keine perfekte Runde. Entscheidender war aber die Pace, die Mercedes gehen konnte. Beide Piloten drehten einen Longrun auf dem Medium-Reifen und kamen auf einen Schnitt von 1.11,2 Minuten.
Als zweite Kraft reihte sich McLaren in den Alpen ein. Oscar Piastri verlor als Zweiter aber bereits zweieinhalb Zehntelsekunden auf Antonelli. Sein Stallgefährte Lando Norris reihte sich in FP2 direkt dahinter ein. Im ersten Training kam der Brite wegen eines Hydraulik-Problems auf nur neun Runden.
Doch im Longrun am Abend war der Weltmeister stark unterwegs. Mit der Marke von 1.11,4 Minuten musste sich Norris nicht verstecken. Im Gegensatz zu den Mercedes brachen aber am McLaren die Reifen schneller ein.
Ferrari abgeschlagen
Erst hinter Mercedes und McLaren sind Red Bull und Ferrari einzusortieren. Der runderneuerte Red Bull benötigt aber noch ein bisschen Detailarbeit am Setup. Sowohl Max Verstappen als auch Isack Hadjar beschwerten sich über die Balance des Autos. Immerhin reichte es bei Verstappen zu Rang vier. Die technischen Probleme vom Vormittag an beiden RB22 konnte das Team beheben. Der Medium-Longrun mit 1.11,7 Minuten war aber vielversprechend.
Schlechter lief es bei Ferrari. Hamilton erreichte nur Platz fünf im Training. Der Ausdauerlauf auf der mittleren Reifenmischung lag im Schnitt bei 1.11,7 Minuten. Die Scuderia scheint in Spielberg (noch) nicht auf dem Niveau von Mercedes oder McLaren zu sein. Ferrari hadert noch mit der Konstanz. Das wird die Hausaufgabe bis zum Samstag (27.6.).

Der hohe Reifenverschleiß treibt die Teams in Spielberg um.
Pirelli geht von zwei Stopps aus
Bei einer Außentemperatur von 32 Grad Celsius und einem fast 50 Grad Celsius heißen Asphalt leiden die Reifen besonders. Zwar hat Spielberg im Gegensatz zu Barcelona nicht so viele schnelle Kurven, doch Pirelli hat den weichsten Satz an Reifen in die Steiermark gekarrt. "Solche Bedingungen hatten wir nicht erwartet. Wir haben die Mischungen C3, C4 und C5 hierhergebracht und sehen mehr Verschleiß. Vor dem Wochenende hatten wir an eine Ein- oder Zwei-Stopp-Strategie gedacht", erklärte Motorsport-Chef Dario Marrafuschi. "Bei den Longruns haben wir einen höheren Verschleiß gesehen. Wir gehen von einer Zwei-Stopp-Strategie aus."
Neben den Reifen müssen die Fahrer auch auf die Bremsen achten. Bei der Hitze hatten einige Piloten mit diesen zu kämpfen und beschwerten sich am Funk. Es gab mehrere Ausritte. Unter anderem verbremste sich Lewis Hamilton. Auch Lando Norris schoss in Kurve 3 mal über das Ziel hinaus. Auf der Berg- und Talbahn gibt es mehrere starke Bremszonen. Die Reifen und Bremsen scheinen nach dem Trainingsfreitag die einzigen Gegner für Mercedes zu sein – und wenn die zuletzt anfällige Technik hält.

Audi-Pilot Nico Hülkenberg landete im zweiten Training auf dem 14. Platz.
Cadillac im Pech
Im Mittelfeld machte Liam Lawson im Racing Bull auf P9 eine gute Figur. Gerade so in die Top 10 hüpfte mit Gabriel Bortoleto ein Audi-Chauffeur. Nico Hülkenberg musste sich mit Rang 14 zufriedengeben. Das Werksteam hat einige Updates an den R26 geschraubt. Von den Auswirkungen hatte man sich etwas mehr erhofft. Das Layout schmecke dem Auto aus Hinwil nicht so wirklich. Positiv sei aber, dass man sich in der Nähe der Punkteplätze befindet.
Von solchen Problemen kann Cadillac nur träumen. Die US-Amerikaner hatten ein riesiges Paket an neuen Teilen für Spielberg geschnürt. Doch das nützt wenig, wenn beide Autos ausrollen. Sergio Perez hatte bereits im ersten Training Probleme mit der Zündung und musste kurz vor Ende der 60 Minuten das Auto abstellen. In FP2 rollte sein Caddy nach zwei Umläufen aus. Kurz darauf brannte dann auch noch der Wagen von Teamkollege Valtteri Bottas. Der Finne hatte nach sechs Runden Feierabend.












