Charles Leclerc war in Silverstone der glücklichste Pilot des ganzen Fahrerfelds. Der Monegasse gewann zum ersten Mal seit dem US-GP 2024 wieder ein Rennen. Die letzten Wochen waren eine harte Zeit für den neunmaligen Grand-Prix-Sieger. Vor seinem Heimspiel beim Monaco-Grand-Prix hatte Ferrari Anfang Juni die Vertragsverlängerung des selbst ausgebildeten Piloten verkündet. Das war es aber mit den positiven Nachrichten rund um den 28-Jährigen. Der Qualifying-Spezialist verlor immer mehr den Anschluss gegenüber Teamkollege Lewis Hamilton.
Der Routinier hatte in Barcelona den ersten Ferrari-Sieg seit Mexiko 2024 geholt, während dort Leclerc mit einem Quali-Crash negativ aufgefallen war. In Österreich am vorherigen Wochenende fuhr der Monegasse hinterher. Auch in Silverstone hatte Hamilton bis zur Qualifikation den besseren Speed.
Dann drehte Leclerc allerdings auf. Er schnappte sich Starplatz zwei und ging beim Rennstart in Führung. Hinter ihm hatte sich noch Hamilton vor Pole-Setter Kimi Antonelli geschoben. Der Mercedes-Pilot war der schnellere der beiden Verfolger, doch fand erst in Runde 10 einen Weg an Hamilton vorbei. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Leclerc seinen Vorsprung auf mehr als vier Sekunden ausgebaut.
Antonelli-Defekt hilft Leclerc
In der 25. Runde beorderten die Ferrari-Strategen den Führenden zum einzigen Stopp an die Box und bannten die Undercut-Gefahr. Mercedes hingegen setzte auf eine andere Taktik. Antonelli blieb zehn weitere Runden auf der Strecke. Als der WM-Führende sich hinter Leclerc einreihte, betrug der Abstand 7,5 Sekunden.
Mit den frischeren Reifen blies Antonelli zur Aufholjagd. Innerhalb weniger Umläufe halbierte der 19-Jährige den Rückstand. "Wir sind in keiner guten Position, oder?", bemerkte Leclerc am Funk das sich anbahnende Unheil. Allerdings bremste ein kurioser Defekt am Mercedes den Jäger aus. Leclerc hatte freie Bahn. "Mit Kimi wäre es wirklich eng geworden. Danach musste ich es nur noch nach Hause fahren."
Eine Schrecksekunde gab es aber noch zu überstehen. Die Rennleitung hatte wegen des Unfalls von Max Verstappen das Safety-Car in der 48. Runde auf die Strecke geschickt. Der Vorsprung von 20 Sekunden war dahin. Das Team holte den späteren Sieger umgehend zum zweiten Mal an die Box. Es gab die weichen Reifen für ein mögliches Finale. "Als ich gehört habe, dass das Safety-Car rauskommt, war ich besorgt. Wir sind mit 120 km/h hinter dem Safety-Car rumgetrödelt, meine Reifen waren ganz kalt."

Charles Leclerc übernahm beim Start die Führung.
Keine Rennfreigabe rettet Leclerc
Zu einem Restart kam es nicht mehr. Leclerc durfte ohne Gegenwehr über die Ziellinie rollen. "Das fühlt sich unglaublich an nach den schwierigen letzten Wochen zu gewinnen. Ich hatte das Gefühl, dass wir zwischen dem Sprint und dem Qualifying etwas gefunden haben."
Das Kurzformat am Samstag (4.7.) hatte Leclerc noch auf dem fünften Platz beendet, während Stallgefährte Hamilton zehn Sekunden vor ihm Zweiter geworden war. "Charles war in den letzten Wochen viel Kritik von außen ausgesetzt. Aber nicht von uns. Das ist ein sehr gutes Ergebnis für ihn", lobte Teamchef Frédéric Vasseur. "Wir haben das Setup ein bisschen angepasst, aber auch er musste sich etwas an das Auto anpassen. Ab jetzt sollte es wieder konstant besser laufen", erklärte der Franzose.
Mit dem starken Auftreten in Silverstone hatte man bei Ferrari vor dem Wochenende nicht gerechnet. Wegen des Leistungsdefizits dachte die Scuderia, keine Rolle um den Sieg spielen zu können.

Die Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Lewis Hamilton holten die Plätze eins und drei in Silverstone.
Hamilton nur Dritter
Aus Sicht der englischen Fans hatte der falsche Ferrari in Silverstone gewonnen. Für Hamilton reichte es nur zu Rang drei. Der Altmeister hatte einen Fehlstart hingelegt und eine Strafe kassiert. "Ich bin am Start losgerollt und habe die Fünf-Sekunden-Strafe bekommen. Ich hatte Probleme mit der Balance. Das Team leistet großartige Arbeit. Wir haben noch einen kleinen Abstand bei der Performance, aber wir versuchen, das aufzuholen."
Nach seinem Stopp, bei dem er die Strafe absitzen musste, traf Hamilton auf Max Verstappen und George Russell. Nach ein paar wilden Zweikämpfen, dem Plattfuß an Russells Auto und dem Defekt bei Antonelli schien er den Doppelsieg perfekt zu machen.
Letztendlich wurde es aber nur P3, weil nach dem Unfall von Verstappen das Safety-Car ausrückte, holte ihn der Kommandostand an die Box und gab ihm weiche Reifen für den möglichen Restart mit. Dazu kam es allerdings nicht. Er verlor den zweiten Platz an George Russell.
Glück für Hamilton
Durchatmen durfte der Rekordsieger nach dem Rennen. Es schwebte eine mögliche Strafe wegen eines Vergehens unter gelber Flagge im Raum. Hamilton soll beim Ausfall von Nico Hülkenberg (Audi) nicht ausreichend verlangsamt haben. Die Rennleitung sprach den Altmeister jedoch frei.
In ihrer Urteilsbegründung erkannten die Stewards mildernde Umstände an. Die Warnung auf Hamiltons Lenkrad-Display erschien extrem spät, wodurch seine Reaktionszeit stark limitiert war. Zudem war seine Aufmerksamkeit durch einen kurz zuvor geführten Zweikampf mit Max Verstappen gebunden, da er einen Gegenangriff erwartete. Da Hamilton nach dem Aufleuchten der Anzeige dennoch keine erkennbare Geschwindigkeitsreduzierung vornahm, wurde die Verwarnung als angemessene Strafe für den nicht vollständig erfüllten Regelverstoß erachtet. Es war die erste Verwarnung für Hamilton in dieser Saison.












