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Mercedes-AMG One (2022) Mercedes-AMG
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Mercedes-AMG One: AMG-Hypercar mit 1.063 PS

Mercedes-AMG One Allein die Inspektion kostet 850.000 Euro

Mercedes-AMG bringt mit dem One Formel-1-Technik auf die Straße. Das 1.063 PS starke Hypercar kostet 2,275 Millionen Euro. Die Wartungskosten für das Auto sind extrem hoch.

"Viele mögen über die Dauer der Entwicklungszeit hinweg gedacht haben, das Projekt wäre unmöglich umzusetzen." So ungewöhnlich das Statement von AMG-Chef Philipp Schiemer erscheint, so außergewöhnlich ist der One: ein Sportwagen mit Formel-1-Motor. Doch jetzt, 55 Jahre nach der Gründung von AMG durch Aufrecht und Melcher in Großaspach, darf das Hypercar auf die Straße. Zugelassen, zertifiziert und mit Euro-6-Abgasnorm im RDE-Zyklus, also im echten Straßenverkehr.

Wartungskosten: bis zu 850.000 Euro

Laut dem Post eines Instagram-Nutzers weist Mercedes-AMG im Kaufvertrag darauf hin, dass der One "zusätzlich zu den regulären Serviceintervallen, alle 31.000 Meilen (ca. 49.890 km) einen Service benötigt, damit kritische Komponenten des Antriebsstrangs überprüft und erforderlichenfalls ersetzt werden können." Dieser Service kann "bis zu maximal 850.000 Euro" kosten, wie der Hersteller auf Nachfrage bestätigte. Dies sei ein worst-case, wenn der ganze Triebstrang überarbeitet werden müsste. Ein Service, bei dem unter anderem alle Flüssigkeiten gecheckt und gewechselt werden, ist einmal jährlich oder alle 5.000 Kilometer fällig. Zu den Kosten dieser Jahresinspektion macht AMG keine Angaben.

Wie das Portal carscoops.com berichtet, hat sich der Hersteller offenbar entschlossen, den One nicht in den USA zu zertifizieren. Die Bedingungen für eine US-Straßenzulassung zu erfüllen, hätte demzufolge spürbare Kompromisse bei der Leistungsfähigkeit und dem Charakter des F1-Triebwerks erfordert. Ob das tatsächlich so ist, hat AMG auf Nachfrage nicht bestätigt. Das Portal nannte zudem den möglichen Ausweg einer Sonderzulassung mit begrenzter Jahresfahrleistung, wie er auch bei anderen Hypercars angewendet würde.

Kaufpreis: 2,275 Mio. Euro netto

Seinen ersten Auftritt feiert der AMG One beim Festival of Speed in Goodwood (23. bis 26. Juni). Wer ihn kaufen will, sollte 2,275 Millionen Euro netto auf der hohen Kante haben. Dafür gibt es einen Hypersportwagen, der in jeder Hinsicht ungewöhnlich ist – und den es so womöglich auch nicht noch einmal geben wird. Der One hat zwei Sitzplätze, eine Carbon-Karosserie und im Carbon-Monocoque einen Antriebsstrang, der aus einem Formel-1-Mittelmotor mit Hybridtechnik und einer elektrisch angetriebenen Vorderachse besteht. Das vor fünf Jahren erstmals gezeigt und mehrmals verschobene Auto fährt bis zu 352 km/h – und kurze Strecken auch rein elektrisch.

5 Motoren mit 1.063 PS

Mercedes-AMG hatte den One auf der IAA 2017 gezeigt und angekündigt, den Sportwagen mit Formel-1-Motor 2019 auf den Markt zu bringen. Aus dem Termin wurde nichts. Weil der Antriebsstrang Probleme machte, vertröstete Daimler die Kunden zunächst auf 2021. Softwareprobleme führten zu einer weiteren Verzögerung: AMG musste seine Kunden ein zweites Mal um Geduld bitten. Jetzt ist der One da.

Mercedes-AMG One (2022)
Mercedes-AMG
Der AMG One trägt seine Technik offen zur Schau.

Entwickelt haben den Hypersportwagen Ingenieure in Affalterbach und Brixworth. Was laut AMG-Boss Schiemer nicht einfach war: "Mit dem Mercedes-AMG One haben wir das Limit mehr als ausgereizt. Die immensen technischen Herausforderungen, einen modernen Formel-1-Triebstrang tauglich zu machen für den alltäglichen Straßenbetrieb, haben uns zweifellos an unsere Grenzen gebracht."

In 7 Sekunden von null auf 200 km/h

Mercedes-AMG One (2022)
Mercedes-AMG
Push the button: Der One startet auf Knopfdruck. Was bei einem Formel-1-Motor nicht selbstverständlich ist.

Statt eines Teams aus Ingenieuren mit Laptops ist zum Start des Triebwerks nur ein Knopfdruck nötig. Los fährt der One jedoch zunächst einmal elektrisch – mit je 120 kW starken Elektromotoren an den Vorderrädern und einem an der Kurbelwelle. Ein vierter E-Motor bringt mit 90 kW den Turbolader in Schwung. Der 1,6-Liter-V6 aus der Formel-1-Saison 2015 springt erst an, wenn vier Metall-Katalysatoren vorgeheizt sind. Je zwei Keramik-Katalysatoren und Otto-Partikelfilter kümmern sich um den Rest. Die Abgasnachbehandlung des kleinen hochdrehenden Formel-1-Motors bezeichnet AMG-Chef Schiemer als "Herkulesaufgabe".

Jetzt sind alle ECE-Zertifizierungen bestanden, das Hypercar darf offiziell auf die Straße. Auch offizielle Daten gibt es jetzt: In sieben Sekunden sprintet der One aus dem Stand auf 200 km/h, erreicht abgeregelte 352 km/h. Elektrisch fährt er auch: Die Energie im 8,4-kWh-Akku reicht für 18,1 Kilometer, nachgeladen wird während der Fahrt oder an der Steckdose mit 3,7 kW. Die Systemleistung liegt bei 1.063 PS.

1,6-Liter-V6 mit 11.000 U/min

Der Verbrenner leistet bei 9.000/min 574 PS. Literleistung und Drehfähigkeit liegen über dem in Straßenautos Üblichen: 359 PS pro Liter Hubraum. Stirnräder treiben die vier obenliegenden Nockenwellen an. Pneumatische Federn öffnen und schließen die Ventile. Damit dreht das Triebwerk bis zu 11.000/min. Weniger als in der Formel 1, weil das Straßenauto Super Plus tankt statt Rennsprit und der Motor länger halten soll. Den Spagat zwischen hoher spezifischer Leistung – wie geschrieben, 359 PS pro Liter Hubraum – und dem Einhalten der Euro-6-Abgasnorm lösten die Techniker mit zwei Einspritzsystemen: Wie in manchen Straßenautos auch verfügt der Motor über Kanal- und Direkteinspritzung. Je nach Situation spritzen Düsen den Kraftstoff mit bis zu 270 bar direkt in den Brennraum oder indirekt in den Ansaugkanal.

Turbotechnik aus der Formel 1

Das Prinzip des elektrischen Turboladers entspricht dem im aktuellen Formel-1-Motor. Im Turbolader befindet sich auf der Welle zwischen Abgas- und Verdichterturbine ein Elektromotor, der das Verdichterrad auf bis zu 100.000/min beschleunigt. So baut der Turbo Ladedruck auf, bevor der Abgasstrom stark genug ist. So steht beim Gasgeben schnell Kraft zur Verfügung. Bis zu 3,5 bar erzeugt die Turbine. Überschüssige Energie aus dem Abgas nutzt der Elektromotor, um als Generator elektrische Energie zu erzeugen. Der Strom fließt dann entweder direkt an einen der Elektromotoren oder in einen Hochvolt-Lithium-Ionen-Akku. Technik und Name – Motor Generator Unit Head (MGU-H) – stammen aus der Formel 1.

MGU-K und 800 Volt

Mercedes-AMG One, Technik
Mercedes Benz
Komplexer Antriebsstrang, mittendrin ein Formel-1-Motor.

Auch das Kürzel MGU-K für Motor Generator Unit Kinetic ist aus der Formel 1 bekannt. Ein 120 kW starker Elektromotor am Verbrennungsmotor ist über einen Stirnradantrieb mit der Kurbelwelle verbunden. Zwei weitere Elektromotoren mit jeweils 120 kW treiben die Vorderräder an – über eigene Untersetzungsgetriebe und Leistungselektronik radselektiv. Die Vorderachse kann also rechts und links mit unterschiedlichem Drehmoment (Torque Vectoring) das Kurvenverhalten beeinflussen. Die Kraft an die Hinterachse überträgt ein automatisiertes 7-Gang-Schaltgetriebe mit 4-Scheiben-Carbon-Kupplung und Sperrdifferenzial. Es ist in den Karosserie-Rohbau integriert, was Gewicht sparen soll.

Zurück zur Vorderachse: Mit bis zu 80 Prozent Rekuperation gewinnen die Elektromotoren in Schub- und Bremsphasen Energie zurück. Die fließt in einen Lithium-Ionen-Akku, dessen Aufbau sich so ähnlich auch im AMG GT 63 S E Performance findet. Die Batterie sitzt im Wagenboden hinter der Vorderachse, sie soll besonders schnell Energie aufnehmen und wieder abgeben können. Das liegt auch an einer Direktkühlung: Eine Pumpe schickt das Kühlmittel von oben nach unten durch die Batterie an jeder Zelle vorbei und durch einen Wärmetauscher. So soll der Akku immer bei seiner optimalen Arbeitstemperatur von 45 Grad gehalten werden. Auch die Spannung von 800 Volt – wie in Hyundai Ioniq 5 und Porsche Taycan – dient der Effizienz.

Abschaltbares ESP

Mercedes-AMG One (2022)
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Pushrods führen die Räder.

Vorder- wie Hinterräder sind an je fünf Lenkern mit Pushrod-Federbeinen geführt. Die Dämpfung des Fahrwerks ist in drei Stufen einstellbar: Comfort und Sport stehen in vier für die Straße gedachten Fahrprogrammen zur Verfügung. Die Stellung Sport+ ist den beiden Rennstrecken-Fahrprogrammen vorbehalten. Die Karosserie lässt sich außerdem vorn um 37 Millimeter und hinten um 30 Millimeter absenken. Ein Vorderachslift schützt die Schnauze. Im Gegensatz zu einem Formel-1-Auto hat der One ABS und ESP – letzteres mit Handlingmodus für höhere Gierwinkel und abschaltbar.

Die Carbon-Keramik-Verbundbremsanlage besteht aus innenbelüfteten und gelochten Bremsscheiben, die vorn 398 und hinten 380 Millimeter Durchmesser haben. Vorn haben die Festsättel sechs, hinten vier Kolben. Die Räder – serienmäßig Aluminium, optional Magnesium – sind teilweise mit Carbonblenden abgedeckt, damit sie dem Wind möglichst wenig Widerstand bieten. Die Reifen, Pilot Sport Cup2R M01, hat Michelin extra für den AMG One entwickelt, was an der Fahrzeug-Silhouette auf der Seitenwand zu sehen ist. Vorn sind Reifen der Größe 285/35 ZR 19 montiert, hinten 335/30 ZR 20.

Aktive Aerodynamik

Mercedes-AMG One (2022)
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Aufstellbare Louvers entlüften die Radhäuser.

Die aktive Aerodynamik erzeugt ab 50 km/h Abtrieb. Mit drei Programmen kann der Fahrer die Stellungen von Louvers (Öffnungen in den Radhäusern), Flaps, Frontdiffusor und Heckflügel beeinflussen. In den Straßen-Fahrprogrammen "Race", "Race Safe", "EV" und "Individual" sind die Louvers geschlossen, die aktiven Flaps am Frontdiffusor ausgefahren und der Heckflügel eingefahren.

"Track", in den Fahrprogrammen "Race Plus" und "Strat2" schaltbar, klappt die Frontflügel Flaps hoch, fährt den Heckflügel voll aus, öffnet die Radhausabdeckungen und senkt das Auto ab; vorn um 37 und hinten um 30 Millimeter. Damit steigt der Abtrieb im Vergleich zur Straßenstellung laut AMG bis zum Fünffachen.

"Race DRS" nimmt einen Teil des Abtriebs zurück, damit der One schneller beschleunigt. Dafür fahren die Heckflügel-Flaps ein, die Louvers über den Radhäusern werden geschlossen.

Sechs Fahrprogramme

Mercedes-AMG One (2022)
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Der Fahrer steuert über das eckige Airbaglenkrad den AMG One sowie die Fahrprogramme.

Im Standard-Fahrprogramm "Race" fährt der One elektrisch an, der Verbrennungsmotor schaltet sich zu, wenn der Fahrer mehr Gas gibt. In "Race" läuft der Verbrenner immer mit und lädt den Akku stärker auf. In Stellung "EV" fährt der One rein elektrisch – bis zu 18,1 Kilometer weit. Unter "Individual" kann der Fahrer sein eigenes Straßen-Fahrprofil ablegen. Zwei weitere Fahrprogramme sind ausschließlich für die Rennstrecke gedacht: "Race Plus" mit Karosserie-Absenkung (vorn: 30 mm, hinten: 37 mm), strafferem Fahrwerk, aktiver Aerodynamik und speziellem Leistungsmanagement. In "Strat2" geben die Motoren außerdem ihre volle Leistung ab.

Die Fahrprogramme kann der Fahrer steuern, ohne seine Hände vom eckigen Lenkrad mit Racetex-Bezug nehmen zu müssen. Auch die Tasten für die neunstufige Traktionskontrolle und die Fahrwerkseinstellungen befinden sich in dem Airbaglenkrad. Im oberen Lenkrad ist ein Schaltblitz integriert.

Teaser-Video mit Lewis Hamilton

Bei der Abstimmung des Hypercars hat Weltmeister Lewis Hamilton geholfen, was dem ganzen Projekt noch zusätzlichen Formel-1-Glanz verlieh. Das Gleiche gilt auch für die Liste der Kunden: Zu den Käufern, die ihre Bestellung verbindlich abgegeben haben, gehören neben dem sechsfachen F1-Weltmeister zum Beispiel auch Teamkollege Valtteri Bottas und die Ex-Grand-Prix-Piloten Nico Rosberg und David Coulthard.

Ein erstes Teaser-Video zeigte den noch getarnten One im Sommer 2020 in seinem damaligen Entwicklungs-Status, und zwar fahrend auf einer Rennstrecke in Deutschland. Der Sportwagen ist darin recht flott unterwegs, fährt aber auch vollelektrisch. "Das Auto verhält sich wie eine Kanonenkugel", sagt der F1-Champion, "es beschleunigt unglaublich und klingt wie ein Rennwagen."

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Ein cooles, ambitioniertes Projekt, das eben genug Entwicklungszeit erfordert.
AMG sollte einsehen, dass man sich übernommen hat, und das Projekt einstellen.

Fazit

Nachdem es zwischenzeitlich Gerüchte gab, Mercedes könnte das Experiment namens Project One wegen der vielen technischen Schwierigkeiten beenden, steht nach derzeitigem Stand fest: Das Auto kommt, und zwar ab sofort zum Preis von 2,75 Millionen Euro ohne Steuer. Das begrenzt die Zahl derer, die ans Steuer dürfen. Für jeden einzelnen dürfte es ein einzigartiges Erlebnis werden. Erleben können Zuschauer den One das erste Mal Ende Juni in Goodwood.

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