Automated Valet Parking Stuttgart Flughafen Mercedes S-Klasse Dieter Rebmann / Daimler AG
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Automated Valet Parking Stuttgart Flughafen Mercedes S-Klasse 8 Bilder

Fahrerloses Parken am Stuttgarter Flughafen

Wie komfortabel ist das Geister-Parken wirklich?

Bosch und Mercedes testen mit der neuen S-Klasse am Stuttgarter Flughafen das vollautomatisierte Parken. Der große Vorteil: Weniger Stress für den Fahrer, mehr Platz für den Parkhausbetreiber. Doch wie komfortabel ist das fahrerlose Parken wirklich?

Mein Chef schickt mich auf einen Pressetermin nach Hamburg. Soweit, so gut: Zähne putzen, Koffer packen – und ab an den Flughafen. Auf der A8 ist noch nicht viel los, erst vor der Parkhauseinfahrt verdichtet sich der Verkehr. Einige der Parkhäuser sind bereits voll, die noch freien Plätze ein gutes Stück Fußweg vom Abflugterminal entfernt. Wirklich viel Platz habe ich mit meinem Kombi in den meist mehrstöckigen Gebäuden nicht. Ohne zu rangieren schaffe ich es kaum auf Anhieb um die engen Kurven. Also noch einmal den Rückwärtsgang einlegen und zurück. In 40 Minuten geht der Flieger – das könnte knapp werden.

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Platz reservieren, Fahrzeug anfordern und bezahlen: Im AVP-Parkhaus funktioniert alles per App.

Bosch will "Mobilitätsgeschichte" schreiben

Gut, dass ich in Wirklichkeit gar nicht in Eile bin, geschweige denn nach Hamburg fliegen muss. Auch das mit den vollen Parkhäusern war gelogen, denn die sind am Stuttgarter Flughafen seit Beginn der Pandemie nur zu rund 20 Prozent ausgelastet. Ich befinde mich im Erdgeschoss des P6. Ein Pilotparkhaus, wie gleich mehrere Schilder an der Einfahrt deutlich machen. Dort soll – geht es nach Bosch – heute "Mobilitätsgeschichte" geschrieben werden.

Der Zulieferer erprobt zusammen mit Mercedes-Benz das sogenannte Automated Valet Parking, kurz AVP. Eine S-Klasse soll in einem der ältesten und auch engsten Parkhäuser am Flughafen fahrerlos und vollautomatisiert einparken. Am Ende des Testbetriebs will Bosch die AVP-Erlaubnis vom Gesetzgeber.

Mercedes S-Klasse W223
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Automated Valet Parking: Parken mit Harmonie – und ohne Fahrer

Parken, unumstritten ein hochemotionales Erlebnis. Keiner macht es wirklich gerne, schon gar nicht unter Beobachtung und erste Recht nicht, wenn währenddessen im Rückspiegel ungeduldige Autofahrer genervt die Hupe drücken – Stress pur.

Im P6 wurden deshalb zwei sogenannte "Drop-off"-Zonen rund 15 Meter hinter der Schranke eingerichtet. Auf diesen großzügig bemessenen Flächen stellen AVP-Nutzer zukünftig ihre Fahrzeuge ab, laden ihr Gepäck aus dem Fahrzeug und starten über eine App den eigentlichen Parkvorgang. Das Auto sucht sich in der Folge einen freien Parkplatz. Der Fahrer ist da schon längst auf dem Weg zum Terminal. Übrigens: So wie das Auto selbst einparkt, kommt es auf App-Befehl auch wieder zur markierten Fläche – klingt ziemlich cool.

Soweit die Theorie. Dass die Technik auch im realen Betrieb funktioniert, bekomme ich live am Beispiel der neuen S-Klasse vorgeführt. Das Flaggschiff von Mercedes erfüllt autonomes Fahren nach Level 4, braucht demzufolge keinen Fahrer hinter dem Lenkrad und ist das weltweit das erste Serienfahrzeug mit AVP-Technik an Bord. Wobei es von Letzterer gar nicht so viel brauch: Die S-Klasse greift überwiegend auf die bereits vorhandene Serientechnik zurück. Teure Sensoren braucht es nicht. Lediglich ein spezielles Modul ist notwendig, um mit dem Parkhausrechner kommunizieren zu können. Potenzielle Käufer können die Komfortfunktion künftig über die Sonderausstattung "Intelligent Park Pilot" ordern. Laut Hersteller liegen die Kosten im niedrigen, vierstelligen Bereich – für S-Klasse-Fahrer dürfte der Preis ohnehin zweitrangig sein.

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Statt wie bisher teure Laser-Sensoren (LiDar) zu verbauen, setzt Bosch jetzt auf deutlich günstigere Kameras.

Alte Parkhäuser, neue Technik

Im Vergleich zu vorangegangenen Testprojekten nutzt Bosch im P6 keine Lidar-Sensoren, sondern kostengünstige Kameras. Rund 180 davon wurden im an der Decke montiert. Die bestimmen die Position des Fahrzeugs zehn Mal pro Sekunde. Ein Server zwei Stockwerke über mir ermittelt die Daten. Von dort aus wird der Fahrbefehl für das Auto berechnet und per Wlan an das Auto übergeben. Das System erkennt außerdem durch einen speziell gesprenkelten Belag mögliche Gegenstände auf dem Boden. Steht ein Gepäckwagen im Weg, meldet die Technik den Vorfall und informiert einen Mitarbeiter.

Mehr Platz, mehr Autos, mehr Kosten

Das AVP-System hat offensichtlich gleich mehrere Vorteile: Die Sensorik muss nicht ins Auto, sondern nur ins Parkhaus. Damit lässt sich die Technik auch einfacher von anderen Automobilherstellern nutzen. Bosch steht bereits in intensiven Gesprächen mit anderen Firmen. Mit wem genau, wollte man mir nicht sagen. Da die Kamera-Infrastruktur einfach in ein Parkhaus eingebaut werden kann, ist die Technik auch für ältere Gebäude interessant. Eine modulare Nachrüstung, also Stockwerk für Stockwerk, ist ebenfalls kein Problem.

Auch deshalb ein durchaus interessantes Konzept für Parkhausbetreiber wie Apcoa. Das Unternehmen betreibt in 13 Ländern mehr als 9500 Standorte mit zusammen rund 1,5 Millionen Stellplätzen. Da das Einparken mit AVP völlig fahrerlos erfolgt, können die Fahrzeuge enger nebeneinander gestellt werden. Das sorgt für mehr Platz. Apcoa rechnet mit einem Platzgewinn von 20 Prozent. Gleichzeitig versucht die größte Betreiberfirma Europas, den Bezahlprozess möglichst kontaktfrei abzubilden. Soll heißen: Kein Automat, kein Ticket, kein Knöpfedrücken an der Schranke. In Zeiten von Corona sicherlich keine schlechte Idee.

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Fazit

Es ist schon beeindruckend, wie präzise die mehr als fünf Meter lange S-Klasse elegant die engen Kurven im Parkhaus nimmt. Doch brauch es solchen Schnickschnack wirklich? Ich bin skeptisch, packe meine Sachen zusammen, mache mich wieder auf den Weg zu meinem Kombi und schmeiße meine Arbeitstasche in den Kofferraum. Ein SUV parkt direkt neben mir. Ich ziehe den Bauch ein, um irgendwie hinter das Steuer zu kommen. Das Pfeifkonzert der Sensoren beim Ausparken gibt mir den Rest, und wo war jetzt gleich nochmal das Ausfahrticket? Richtig, in der Tasche im Kofferraum. Vielleicht ist das AVP doch keine so schlechte Idee – vorausgesetzt es wird nicht zu teuer. Wie viel der Service am Ende kostet, ist noch nicht bekannt. Klar muss aber sein: Ein Premium-Service dürfte auch einen Premium-Preis haben.

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