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Rimac Bugatti Fusion Bugatticz Hersteller / Patrick Lang
Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021 34 Bilder

Bugatti-Rimac - neues Joint-Venture

Neue Modelle für das Joint-Venture Bugatti-Rimac Rimac heiratet Bugatti, mehrere Kinder geplant

Die VW-Marke Bugatti muss perspektivisch weg vom CO2-Monster mit W-16-Motor und hin zum E-Antrieb. Dabei wird der kroatische Spezialist Rimac helfen, der gerade sein elektrische Hypercar Nevera auf den Markt bringt. Der Kroate hat zudem Pläne für neue Bugatti-Modelle abseits des Hypercar-Segments.

Supersportwagen-Hersteller Bugatti und der für seine elektrischen Supersportwagen bekannte kroatische Hersteller Rimac (gesprochen "Rimats") gründen ein Gemeinschafts-Unternehmen. Es heißt ganz pragmatisch "Bugatti-Rimac" und nicht etwa Rimatti oder Bugac. Die Gründung soll im vierten Quartal 2021 stattfinden, Hauptsitz des Herstellers wird mit Zagreb der Sitz von Rimac sein. Der Unternehmens-Gründung müssen noch die Kartellbehörden verschiedener Länder zustimmen.

Mate Rimac
Rimac
Mate Rimac hat Rimac 2009 gegründet. Durch das Joint Venture Bugatti-Rimac sieht er sein Unternehmen auf einem neuen Level.

Rimac hält Mehrheit der Anteile an Bugatti-Rimac

Rimac hält mit 55 Prozent die Mehrheit an dem Joint Venture, die restlichen 45 Prozent bekommt Porsche. Die Ursprungs-Unternehmen Rimac Automobili und Bugatti Automobiles bleiben gleichzeitig als eigenständige Unternehmen komplett erhalten – an Rimac Automobili ist Porsche inzwischen mit 24 Prozent beteiligt. Die Stuttgarter investieren bereits seit 2018 in Rimac und haben ihre Anteile schrittweise erhöht. Eine komplette Übernahme hat Rimac-Gründer Mate Rimac aber bisher nicht im Sinn, da er einige der von seinen Ingenieuren entwickelten Technologien auch anderen Kunden zur Verfügung stellt.

Rimac Bugatti Fusion Rimac Bugatti Joint Venture
Rimac / Porsche
Die neue Beteiligungsstruktur von Rimac und Bugatti Rimac.

VW bringt Bugatti ein und übergibt an Porsche

Die aktuelle Bugatti-Mutter VW bringt den französischen Hersteller in das Joint Venture ein, dann findet die Übertragung der Anteile an Porsche statt. Porsche-Chef Oliver Blume freut sich über die Bündelung der Kompetenzen der Marken Bugatti und Rimac mit dem Hinweis, dass Bugatti eine starke Expertise im Hypercar-Geschäft habe und Rimac mit großer Innovationskraft im Bereich Elektromobilität dabei sei. Bugatti sei eine traditionsreiche Marke, die eine treue Kundenbasis und ein weltweites Händlernetz habe, betont Blume. Rimac steuere nicht nur Technologie, sondern auch neue Denkansätze bei.

Elektro Supersportwagen Rimac Nevera Serienmodell 2021
Rimac / Patrick Lang
Die Produktion des elektrischen Supersportwagens Rimac Nevera beginnt noch im Sommer 2021.

Mate Rimac steht auf Performance

Der inzwischen 33-jährige Kroate Mate Rimac hat als Kind mit seiner Familie sieben Jahre in Deutschland gelebt und spricht fließend deutsch. 2009 gründete der Vegetarier und Erfinder, dem es auch bei Elektroautos vor allen Dingen um Performance geht, im bei Zagreb gelegenen Sveta Nedelja die Firma Rimac Automobili, die gerade das Hypercar Nevera auf die Straße bringt und deren Chef er bis heute ist.

08/2021, Rimac Nevera auf der Viertelmeile
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Der Rimac-CEO sieht durch das neue Joint Venture sein Unternehmen auf ein vollkommen neues Niveau gehoben. Er empfindet seine Firma als Branchenpionier bei elektrischen Technologien und seinen Partner Bugatti als ein Unternehmen mit mehr als einem Jahrhundert Erfahrung bei der Entwicklung von Spitzenfahrzeugen. Die über mehr als 100 Jahre Erfahrung sind in der Realität zwar etwas löchrig, gehören aber gerade wegen der mehrfachen Wiederbelebungen der Marke zu den spannendsten der Autoindustrie: 1909 von Ettore Bugatti im elsässischen Molsheim (bis 1918 deutsches Kaiserreich, dann Frankreich) gegründet, konnte der Hersteller nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen und fusionierte, wirtschaftlich schwer angeschlagen, 1963 mit Hispano-Suiza. 1987 übernahm der italienische Unternehmer Romano Artioli die Namensrechte und baute mit der Bugatti Automobili S.p.A. am neuen Standort im italienischen Campogalliano bis 1998 die aufsehenerregenden Supersportwagen EB 110 GT und EB 110 Supersport. Eine Wirtschaftskrise in Europa und Nordamerika zwang Bugatti zum Aufgeben, vom letzten Modell EB 112 entstanden nur noch Prototypen.

Bugatti EB110: Sportwagen ohne Volkswagen

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Mächtige Wiederbelebung unter VW

1998 übernahm VW die Design- und Markenrechte von Romano Artioli und brachte Bugatti nach Molsheim zurück – damit begann die bis heute vielleicht spektakulärste Wiederbelebung einer Fahrzeugmarke in der Automobilgeschichte. Erst mit dem Veyron und aktuell mit dem Chiron verschoben die Bugatti-Ingenieure unter VW-Regie die Grenzen des in Kleinserienproduktion Machbaren weit nach oben – nie zuvor gab es so einfach und sicher zu fahrende Supersportwagen, deren Höchstgeschwindigkeit jenseits von 400 km/h lag und die außergewöhnlich hohe Standards in Sachen Sicherheit und Qualität erfüllten. Schon heute genießen Veyron und Chiron Legendenstatus als Kunstwerke der Ingenieurstechnik.

Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke
Porsche
Auch Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke bekommt bei Bugatti-Rimac einen Aufsichtsratsposten.

Gemeinsame Modelle aus Molsheim

Unter dem Dach von Bugatti-Rimac läuft die Produktion des Bugatti Chiron im französischen Molsheim weiter, Rimac nimmt die Herstellung des Nevera in Zagreb auf. Später sollen von Rimac und Bugatti gemeinsam entwickelte Modelle in der Molsheimer Manufaktur entstehen. Einen Chiron-Nachfolger will Rimac von Grund auf neu entwickeln und hybridisieren. Zu schaffen sein soll das, weil Entwicklungsarbeit bei Rimac um den Faktor zwei bis drei günstiger sei als in Deutschland. Ein Verbrenner bleibe an Bord, ihn soll aber eine besonders intelligente Form von Elektrifizierung beziehungsweise Hybridisierung unterstützen und einen überhasteten Abschied vom Verbrenner überflüssig machen.

Auf einer Pressekonferenz kündigte Mate Rimac an, dass es mittelfristig elektrisch angetriebene Bugatti-Modelle geben werde. Aber einen schnellen Wechsel auf den E-Antrieb schloss er genauso aus, wie einen abgewandelten Rimac Nevera mit Bugatti-Label. Selbst wenn beide Marken in Zukunft rein elektrisch unterwegs sein werden, sollen die Gleichteile eher auf Bereiche beschränkt bleiben, die der Kunde weniger wahrnimmt, wie etwa die Klimaanlage. Er verglich den Unterschied zwischen den Marken mit Arten von Uhren: Bugatti sei eher wie eine hochwertige Analog-Uhr mit mechanischem Laufwerk voller handwerklicher Präzision, Rimac sei dagegen wie eine Appel-Watch, innovativ, performant, digital.

Bugatti 16 C Galibier : Pläne für einen Bugatti-GT gab es schon

Bugatti Galibier
Bugatti
Bugatti Galibier Bugatti 16 C Galibier Concept Bugatti 16 C Galibier Concept Bugatti Galibier 45 Bilder

GT, Limousine, GT, SUV – alles geht

Außerdem verwies Rimac darauf, dass es in der Bugatti-Historie Phasen mit mehr als einem Modell gab, und dass die neue Technik Bugatti die Möglichkeit gäbe, andere Modelle als Hypercars anzubieten. Man werde allerdings nicht gleich mit einem Bugatti-SUV auf den Markt kommen, so Rimac gut gelaunt. Das wiederum deutet eher auf einen GT oder eine Limousine bzw. viertüriges Coupé hin, wie es der Galibier andeutete. Bis 2030 versprach er einen rein elektrischen Bugatti, sicherte aber gleichzeitig zu, dass es für das Ende des Jahrzehnts noch Bugattis mit Verbrennungsmotor geben werde, wenn auch stark hybridisiert.

Porsche als strategischer Partner

Porsche möchte bei Bugatti-Rimac ein starker strategischer Gesellschafter sein. Oliver Blume sagte auf der Pressekonferenz, dass beispielsweise auch Modelle wie neuer 911 stärker elektrifiziert sein werden und dabei auch die Nähe zu Rimac helfe.

Oliver Blume
Picture Alliance
Porsche-Chef Oliver Blume wird bei Bugatti-Rimac Mitglied des Aufsichtsrats.

Oliver Blume und Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke werden dem Aufsichtsrat des neuen Unternehmens beitreten. Mate Rimac wird Chef von Bugatti-Rimac. Das Unternehmen soll sein Hauptquartier in Zagreb haben und zu seinem Start 430 Mitarbeiter beschäftigen. Davon arbeiten zirka 300 am Hauptsitz in Kroatien und 130 in Molsheim. Rimac insgesamt beschäftigt inzwischen mehr als 1000 Mitarbeiter.

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Sollte Porsche versuchen, sich Rimac komplett zu schnappen?
Na klar - wem was gehört, der bestimmt schließlich auch darüber.
Nein, die sollen auch weiterhin eigenständig entwickeln dürfen.

Fazit

Mit der Gründung des Joint Ventures Bugatti-Rimac gibt VW seiner Supersportwagen-Tochter eine aussichtsreiche Zukunft: Rimac hat in seiner noch jungen Unternehmensgeschichte Erfahrungen mit außergewöhnlichen elektrischen Supersportwagen gesammelt und somit Technologien entwickelt, die Bugatti für seine künftigen Fahrzeuge dringend braucht. Schließlich rollten bisher reine Verbrennungs-Motor-Modelle aus der Manufaktur im französischen Molsheim.

Interessant ist nach wie vor, dass VW nun Porsche die Regie bei Bugatti übergibt – bisher schien Porsche nicht allzu viel mit den technischen Entwicklungen von Bugatti zu tun zu haben, die Fahrzeugkonzepte waren einfach zu unterschiedlich. Aber Rimac dürfte Porsche bei der Entwicklung elektrischer Sportwagen nützlich sein. Schon die 800-Volt-Technik haben Rimac, Porsche und Hyundai, ebenfalls an Rimac beteiligt gemeinsam.

Porsche möchte, dass Rimac weiter wie ein Startup arbeiten kann, um solche Innovationen hervorzubringen und dabei Entwicklungskosten sparen. Das wird auch Bugatti helfen. Drum liegen mit 55 Prozent die Mehrheit der Gemeinschaftsunternehmens-Anteile bei Rimac – niemand soll die Innovationskraft von Mate Rimac einschränken können. Aber über die 45 Prozent Anteil kann und soll Porsche von den neu entwickelten Hochtechnologien des Joint Ventures profitieren.

Hinzu kommt: VW überlegt, die Porsche AG an die Börse zu bringen – und an der Börse werden Erwartungen gehandelt. Erwarten die Aktionäre also Großes von Bugatti-Rimac, kann dies mit einer Porsche-Verflechtung für den Aktienkurs der Porsche AG nicht schlecht sein.

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