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Verbot von Verbrenner-Fahrzeugen

Wo das Aus für Benziner und Diesel wann droht

Immer mehr Länder und Regionen weltweit planen, Fahrzeuge mit Verbrennern zu verbieten. Wir zeigen, welche Länder zu welchem Zeitpunkt welche Verbote planen.

Die Luft wird buchstäblich dünn für das Auto, wie wir es bislang kennen. In immer mehr Regionen der westlichen Welt wird Benzin- und Dieselmotoren das baldige Ende verordnet. Während in Deutschland noch über Dieselfahrverbote diskutiert wird, machen andere konkrete Vorgaben. Nun fasst die Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors zusammen, welche Länder Verbrenner-Verbote planen – und zu welchem Zeitpunkt.

Neun US-Bundesstaaten planen Verbote

Eher spät, nämlich 2050, will Kanada ein Verbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotor umsetzen. Recht uneinheitlich ist das Bild beim südlichen Nachbarn, den USA – einem der größten Automärkte der Welt. Hier haben sich aktuell neun von 50 Bundesstaaten, darunter Kalifornien, New York und Massachusetts, Verbrenner-Verbote verordnet, die zwischen 2035 und 2050 in Kraft treten sollen. Gemessen am weltweiten Autoabsatz 2019 (89,7 Millionen Exemplare) wären davon 4,7 Millionen Autos betroffen, die nicht mehr verkauft werden dürften. Kalifornien geht sogar einen Schritt weiter und bestellt schon jetzt, mit Ausnahme von Sicherheitsfahrzeugen, keine Regierungsfahrzeuge mehr, die über klassische Verbrennungsmotoren verfügen.

10/2020, Verbote Verbrennungsmotoren weltweit
Berylls Strategy Advisors
Die Karte zeigt es: Verbrenner-Verbote werden vor allem in Europa und den USA diskutiert.

Bereits im Juni 2019 hatte die US-Metropole San Francisco eine "Electric Vehicle Roadmap" veröffentlicht, in der ein komplett emissionsfreier Verkehr in der kalifornischen Stadt bis zum Jahr 2040 angestrebt und Zwischenziele für 2025 und 2030 festgelegt werden. Bis 2025 soll die Hälfte aller Pkw-Neuzulassungen auf Elektroautos entfallen. Ab 2030 sollen nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb neu zugelassen werden.

Radikale Einschnitte in Los Angeles

Davor hatte bereits Los Angeles mit dem Plan zum "Green New Deal" angekündigt, unter anderem den öffentlichen Nahverkehr, aber auch den Lieferverkehr und die privaten Pkw in den Fokus zu rücken. So sieht der Plan des Bürgermeisters von Los Angeles, einer Metropolregion mit vier Millionen Einwohnern, durchaus radikale Einschnitte vor: Bereits 2025, also in sechs Jahren, sollen 25 Prozent der Autos in Los Angeles rein elektrisch fahren, im Jahr 2050 dann ausschließlich E-Mobile erlaubt sein. Schon deutlich früher soll der öffentliche Transport revolutioniert werden: Ausschließlich elektrische Taxis ab 2028, ebenfalls komplett lokal emissionsfreie Schulbusse ab 2028, ab dem Jahr 2035 muss der gesamte Lieferverkehr in der Stadt emissionsfrei fahren.

Los Angeles Green New Deal
plan.lamayor.org
Plan für LA: Die Kehrtwende im Verkehr

Dass die kalifornische Metropole, wo man sich trotz der nach wie vor den privaten Verkehr dominierenden SUV und Pickup-Trucks gerne als ökologischer Vorreiter feiert, aus europäischer Sicht weit weg ist, sollte hierzulande niemanden zur Tagesordnung übergehen lassen. Denn im Vergleich zum noch in weiter Ferne liegenden 100-Prozent-Elektroanteil in 2050 für L.A. sind viele Länder und Kommunen in Europa schon weiter. Oder wären es, wenn die EU sie denn ließe, denn nach bisherigen Regeln wäre dies nur möglich, wenn die Mitgliedsstaaten dies gemeinsam beschließen würden.

Dänemark will mehr Freiheiten von der EU

Das Beispiel Dänemark zeigt, wie schwierig es für ein EU-Land ist, ein Verbrenner-Verbot durchzusetzen. Bereits 2018 kündigte die Regierung in Kopenhagen an, Diesel und Benziner ab 2030 verbieten zu wollen. Doch sie musste ihre Pläne zurückziehen, da sie gegen EU-Recht verstoßen. Nun wagen die Skandinavier einen weiteren Vorstoß: Die EU müsse ihre Regeln ändern und den Mitgliedsländern erlauben, ein Verbrenner-Verbot erlassen zu können. Ein EU-weites Verbot wäre zwar der Plan A, aber wenn das nicht ginge, müssten die Regeln zumindest Einzelstaaten ermöglichen, in Eigenregie Verbote zu erlassen.

Der Berylls-Auswertung zufolge hat Dänemark sein 2030er-Ziel wieder aufgegriffen. Einige weitere EU-Staaten (Irland, Niederlande, Slowenien und Schweden) verfolgen dasselbe Ziel. Noch rigoroser plant Norwegen ein Verbrenner-Verbot (schon 2025), Frankreich und Spanien wollen sich bis 2040 Zeit lassen. Deutschland peilt aktuell 2050 an, aber in der Politik gibt es auch Vorschläge für einen früheren Ausstieg. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat bereits das Jahr 2035 ins Spiel gebracht, die Grünen fordern ein Ausstiegs-Szenario für 2030.

Verbote in EU-Metropolen geplant

In die Verbots-Phalanx der europäischen Metropolen (beispielsweise in Paris: komplettes Dieselfahrverbot ab 2024, Fahrverbot für Benziner ab 2030) reiht sich auch Amsterdam ein. Laut dem "Clean Air Action Plan" will die niederländische Hauptstadt nach Möglichkeit ab 2030 jegliche Benzin- und Dieselfahrzeuge aussperren. Das gilt wohlgemerkt auch für Motorräder und Roller. Schon ab 2025 soll die Ringautobahn A10 von einem Fahrverbot für Taxis, Busse, Transporter und Roller mit Verbrenner-Motoren betroffen sein, fünf Jahre später dann auch für private Pkw und Motorräder.

Die geplanten Verbrenner-Verbote tangieren freilich nicht nur die Einheimischen, sondern auch Touristen. Selbst auf der bei den Deutschen so beliebten Ferieninsel Mallorca stehen die Verbrenner-Ampeln auf Rot: Neue Diesel-Pkw dürfen dort ab 2025 nicht mehr zugelassen werden, Benziner sind ab 2035 dran. Das gilt natürlich auch für die Mietwagenbranche, der bereits ab dem kommenden Jahr 2020 kontinuierlich steigende Quoten an Elektroautos vorgeschrieben werden.

Großbritannien schon ab 2030 Verbrenner-frei?

Direkt nach dem Brexit hat die britische Regierung Anfang Februar 2020 angekündigt, das Verbot von Verbrennern in Neuwagen von 2040 schon auf das Jahr 2035 vorzuziehen. Das Verbot soll für Benziner, Diesel und neu auch Hybrid-Modelle mit einem Verbrenner an Bord gelten. Der britische Premier Boris Johnson kann sich aber auch vorstellen, das Verbot noch stärker vorzuziehen – laut Berylls plant das Vereinigte Königreich seinen Ausstieg derzeit bereits 2030. Großbritannien strebt an, bereits 2050 komplett klimaneutral unterwegs zu sein. Experten hatten gewarnt, dass mit einem Verbrenner-Verbot erst ab 2040 dieses Ziel nicht zu schaffen sei.

10/2020, Verbote Verbrennungsmotoren weltweit
Berylls Strategy Advisors
Sollte sich China zu einem Verbrenner-Verbot durchringen, stehen allein 24,6 Millionen Neuzulassungen auf dem Spiel.

In Schottland gilt das Verbot reiner Verbrenner ab 2032 bereits als gesetzt. Dabei haben die Schotten ihr Vorhaben im März 2019 sogar noch präzisiert: Unter das Verkaufsverbot sollen demnach auch reine Hybridfahrzeuge ohne externen Ladeanschluss fallen, wie sie derzeit vor allem von den asiatischen Herstellern noch stark auf den Markt gebracht werden. Zulassungsfähig sollen dann nur noch reine Elektrofahrzeuge (BEV) sowie Plug-In-Hybride (PHEV) sein.

China diskutiert noch

Doch Nordamerika und Europa sind natürlich nicht die einzigen Kontinente, auf denen es Verbots-Bestrebungen gibt. In Afrika treibt bisher allerdings nur Ägypten einen Verbrenner-Bann (für 2040) voran. Israel will bereits 2030 soweit sein. 2040 ist auch in Singapur und Sri Lanka das Zieljahr. Ein solches gibt es in China laut Berylls bisher nur für die Provinz Hainan, dort allerdings bereits ab 2030. Für das gesamte Land wird ein Verbot aber bereits seit 2017 diskutiert. Zwar ist derzeit kein Ergebnis absehbar. Aber wenn sich das Land dazu durchringt, steht ein großes Absatzloch ins Haus: Wie Berylls vorrechnet, wären davon satte 24,6 Millionen verkaufte Autos betroffen.

Auch wenn aus heutiger Sicht das Jahr 2030 noch in weiter Ferne liegt, werden die Begleitumstände bereits in unmittelbarer Zukunft spürbar sein. Die Automobilindustrie denkt in Dekaden, beim Erscheinen einer Modellgeneration mit einem üblichen Lebenszyklus von sieben bis zehn Jahren wird bereits längst an der Nachfolgegeneration entwickelt. Da sind elf Jahre nicht viel: Laut KBA lag das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen Pkw im Jahr 2018 bei rund 9,4 Jahren.

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Fazit

Ein EU-weites Verbot für die Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren dürfte vorerst ziemlich sicher an den Mitgliedsstaaten mit starker Autoindustrie (etwa Deutschland, Frankreich oder Italien) scheitern. Ob dagegen auf nationaler Ebene solche Verbote erlassen werden dürfen, wird die Zukunft zeigen. Es dürften aber bald noch weitere Städte und Regionen in dieser Hinsicht Fakten schaffen.

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