Elektroauto
Alles über den Zukunfts-Antrieb
Verbrenner Motor Verbot Länder 2019 Pexels / Patrick Lang
BMW X5 xDrive
Kia E-Soul Praxis-Check und Fahrbericht
Fiat 500e, Exterieur 51 Bilder

Verbot von Verbrenner-Fahrzeugen: Die Fahrpläne der Länder

Verbot von Diesel- und Benziner-Autos Die Ausstiegs-Fahrpläne der EU und der Länder

Nachdem immer mehr Nationen weltweit Verbrenner-Verbote planen, setzt sich nun die EU an die Spitze dieser Entwicklung. Wir zeigen, zu welchen Zeitpunkten Verbote geplant sind.

2035 könnte Schluss sein mit dem Auto, wie wir es bislang kennen. In ihrem neuen Klima-Plan "Fit for 55" fordert die EU-Kommission für dieses Jahr, die jährlichen CO2-Emissionen neuer Fahrzeuge auf null zu reduzieren. Bedeutet im Umkehrschluss: Zu diesem Zeitpunkt ist der Verbrenner raus; es können dann nur noch reine Elektroautos oder Fahrzeuge, die mit Wasserstoff, Biokraftstoff oder E-Fuels betankt werden, neu zugelassen werden.

Bis zum Beschluss wird es noch dauern

Das ist freilich noch lange nicht beschlossen. Bevor der Plan umgesetzt werden kann, muss er noch den gesamten Gesetzgebungs-Prozess durchlaufen. Dabei müssen auch die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zustimmen, wobei aus einigen Ländern starker Widerstand zu erwarten ist. Zum Beispiel jenen, in denen die heimische Autoindustrie einen Großteil zur jeweiligen Wirtschaftsleistung beiträgt und die entsprechende Lobby großen Einfluss nimmt.

CO2, Abgas
Politik & Wirtschaft

Es gibt aber auch Staaten, welche die EU-Pläne begrüßen dürften. Etwa die Niederlande: Das Land hatte die EU-Kommission schon im März 2021 in einem Schreiben dazu aufgefordert, ein Ausstiegsdatum für den Verkauf von Benzin- und Dieselautos zu nennen. In dem inoffiziellen Papier, einem sogenannten Non-Paper, werden zudem Österreich, Belgien, Dänemark, Griechenland, Malta, Irland, Litauen und Luxemburg als Absender genannt. Obendrein sprachen sich die Staaten darin für eine bessere Ladeinfrastruktur für emissionsfreien Verkehr und deutlich strengere CO2-Emissions-Standards aus.

Dänemark und Spanien mit eigenen Plänen

Das Beispiel Dänemark zeigte zuvor, wie schwierig es für ein EU-Land ist, ein Verbrenner-Verbot auf eigene Faust durchzusetzen. Bereits 2018 kündigte die Regierung in Kopenhagen an, Diesel und Benziner ab 2030 verbieten zu wollen. Doch sie musste ihre Pläne zurückziehen, da sie gegen EU-Recht verstoßen. Seitdem wagten die Skandinavier mehrere weitere Vorstöße: Die EU müsse ihre Regeln ändern und den Mitgliedsländern erlauben, ein Verbrenner-Verbot erlassen zu können. Nun darf man gespannt sein, ob die Dänen auf die EU-Linie umschwenken und damit leben können, dass das Verbrenner-Verbot fünf Jahre später kommt als von ihnen gewünscht.

Kommentar Gerd Stegmaier EU Verbrenner-verbot
Politik & Wirtschaft

Einige weitere EU-Staaten (Irland, Niederlande, Slowenien und Schweden) verfolgten bisher dasselbe Ziel wie Dänemark. Frankreich wollte sich bisherigen Plänen zufolge bis 2040 Zeit lassen. Das spanische Parlament hat kürzlich ein Energiewende-Gesetz verabschiedet, nach dem bereits bis 2023 in allen spanischen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern Zonen eingerichtet werden sollen, in denen der Verkehr mit besonders klimaschädlichen Fahrzeugen beschränkt ist. Ab 2040 sollen in dem Land keine Verbrennungsmotor-Fahrzeuge mehr verkauft werden und ab 2050 sollen dann solche Fahrzeuge gar nicht mehr auf öffentlichen Straßen fahren dürfen.

Auch Griechenland will ab 2030 den Verkauf neuer Autos mit Verbrennermotoren verbieten. Das geplante Verbrenner-Aus ist Teil eines neuen Umweltgesetzes, das für verschiedene Sektoren wie Gebäude, Verkehr und Energieerzeugung Emissionsobergrenzen sowie spezifische Verpflichtungen zur Dekarbonisierung vorsieht. Bereits ab 2025 müssen in Athen und Thessaloniki alle neuen Taxis sowie ein Drittel der Mietwagen elektrisch angetrieben sein.

Rigorose Vorhaben in Norwegen und GB

Noch rigoroser plant Nicht-EU-Land Norwegen ein Verbrenner-Verbot (schon ab 2025). Auch das ausgetretene Großbritannien macht sich strenge Vorgaben. Direkt nach dem Brexit hatte die britische Regierung Anfang Februar 2020 angekündigt, das Verbot von Verbrennern in Neuwagen von 2040 auf das Jahr 2035 vorzuziehen. Das Verbot soll für Benziner, Diesel und neu auch Hybrid-Modelle mit einem Verbrenner an Bord gelten. Im Herbst 2020 brachte der britische Premier Boris Johnson sogar das Jahr 2030 für ein Verbrenner-Verbot ins Spiel.

Hersteller Verbrenner Ausstieg Elektromobilität Zukunft Strategie
Alternative Antriebe

Johnsons Kabinett hat bei seinem Vorhaben nicht nur den Pkw-Sektor im Blick. Auch bei Nutzfahrzeugen sollen Verbrennungsmotoren in mehreren Schritten ausrangiert werden. Bis 2035 soll ein solches für Transporter und leichte Lastwagen zwischen 3,5 und 26 Tonnen Nutzlast gelten. Für schwere Lkw über 26 Tonnen Nutzlast strebt die Regierung das Ausstiegsjahr 2040 an – "oder früher, wenn ein schnellerer Übergang machbar erscheint", heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Verkehrsministeriums. Die Verbrenner-Verbote seien wichtige Zwischenschritte auf Großbritanniens Weg, bis 2050 das bereits 2019 ausgerufene Netto-Null-Emissionsziel zu erreichen. Dann sollen überhaupt keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr auf britischen Straßen fahren.

In Schottland gilt das Verbot reiner Verbrenner ab 2032 bereits als gesetzt. Dabei haben die Schotten ihr Vorhaben im März 2019 sogar noch präzisiert: Unter das Verkaufsverbot sollen demnach auch reine Hybridfahrzeuge ohne externen Ladeanschluss fallen, wie sie derzeit vor allem von den asiatischen Herstellern noch stark auf den Markt gebracht werden. Zulassungsfähig sollen dann nur noch reine Elektrofahrzeuge (BEV) sowie Plug-in-Hybride (PHEV) sein.

Geplante Verbote in Städten und Regionen

Doch nicht nur in Ländern, auch in den europäischen Metropolen werden Fakten geschaffen. Beispielsweise in Paris: Ein komplettes Dieselfahrverbot gilt in Frankreichs Hauptstadt ab 2024, Fahrverbote für Benziner folgen 2030. Oder Amsterdam: Laut dem "Clean Air Action Plan" will die niederländische Hauptstadt nach Möglichkeit ab 2030 jegliche Benzin- und Dieselfahrzeuge aussperren. Das gilt wohlgemerkt auch für Motorräder und Roller. Schon ab 2025 soll die Ringautobahn A10 von einem Fahrverbot für Taxis, Busse, Transporter und Roller mit Verbrenner-Motoren betroffen sein, fünf Jahre später dann auch für private Pkw und Motorräder.

Gastbeitrag Robin Engelhardt Warum die Debatte um ein Verbrenner-Verbot vollkommen überflüssig ist
Alternative Antriebe

Die geplanten Verbrenner-Verbote tangieren freilich nicht nur die Einheimischen, sondern auch Touristen. Selbst auf der bei den Deutschen so beliebten Ferieninsel Mallorca stehen die Verbrenner-Ampeln auf Rot: Neue Diesel-Pkw dürfen dort ab 2025 nicht mehr zugelassen werden, Benziner sind ab 2035 dran. Das gilt natürlich auch für die Mietwagenbranche, der bereits ab dem kommenden Jahr 2020 kontinuierlich steigende Quoten an Elektroautos vorgeschrieben werden.

Nach einer Erhebung der Unternehmensberatung Berylls sind in Europa 16 Millionen Fahrzeuge von Aussperrungen bedroht. Direkt betroffen von Fahrverboten seien demnach 35,9 Millionen Bürger.

Kanada zieht sein Verbot vor

Kanada hatte bisher eher konservative Szenarien für den Verbrenner-Ausstieg verkündet. Zuerst wollte das nordamerikanische Land 2050 ein Verbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotor umsetzen. Dann stand die Jahreszahl 2040 im Raum. Nun verkündete Verkehrsminister Omar Alghabra übereinstimmenden Medienberichten zufolge, den Plan sogar schon 2035 umsetzen zu wollen. Er folgt damit dem Vorhaben der bevölkerungsreichsten Provinz Quebec. Die im Westen Kanadas gelegene Provinz British Columbia wollte eine derartige Vorgabe ab 2040 umsetzen, muss sich nun aber wohl nach den strengeren Vorgaben aus Ottawa richten.

Vergleich Mini E Opel Corsa E IAA 2019
Politik & Wirtschaft

Zwischen den US-Bundesstaaten scheint ein Wettlauf um einen möglichst frühzeitigen Ausstieg aus dem Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren entbrannt zu sein. Nachdem sich bereits zehn Staaten ein Verbrenner-Verbot auferlegt haben und Kalifornien, Massachusetts sowie New Jersey bereits 2035 aussteigen, prescht der Bundesstaat Washington vor (nicht zu verwechseln mit der zu keinem Bundesstaat gehörenden US-Hauptstadt Washington, D.C., die zwischen den Bundesstaaten Maryland und Virginia liegt).

US-Bundesstaat Washington mit frühem Verbrenner-Ausstieg

Die Regierung des im Nordwesten der USA gelegenen Staates hat ein Verbrenner-Verkaufs-Aus für 2030 beschlossen – in nicht einmal neun Jahren dürfen dort keine neuen Autos mehr mit Verbrennungsmotor auf den Markt kommen. Damit lässt Washington das in Sachen Umweltpolitik als fortschrittlich geltende Kalifornien um fünf Jahre hinter sich. Als Paukenschlag für die US-Autoindustrie galt der kürzlich von GM verkündete Ausstieg aus der Verbrennungsmotor-Produktion für ebenfalls 2035 – je nachdem, welche Ausstiegfristen sich weitere US-Bundesstaaten setzen, könnte sich für den größten US-Autobauer sogar ein Vorziehen dieser Frist lohnen.

Fahrverbote für Diesel und Benziner in Europa
Berylls
In Europa sind 16 Millionen Fahrzeuge von Fahrverboten in Städten betroffen.

Kalifornien nimmt seine traditionelle Vorreiterrolle ernst und bestellt schon jetzt, mit Ausnahme von Sicherheitsfahrzeugen, keine Regierungsfahrzeuge mehr, die über klassische Verbrennungsmotoren verfügen. Darüber hinaus haben sich die Metropolen des Westküsten-Bundesstaates strenge Auflagen verpasst. San Francisco will bis 2040 einen komplett emissionsfreien Verkehr erreicht haben; ab 2030 sollen nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb neu zugelassen werden. Los Angeles strebt in seinem "Green New Deal" an, dass im Jahr 2050 ausschließlich E-Mobile auf den Straßen der Millionenstadt unterwegs sind.

Ab 2035 keine Verbrenner-Pkw mehr in New York

Der Bundesstaat New York, der zu den 14 Staaten (plus District of Columbia) gehört, die sich bereits grundsätzlich für einen Verbrenner-Ausstieg entscheiden haben, präzisiert nun seine Pläne. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete im September 2021 ein Gesetz, nach dem dort von 2035 an nur noch emissionsfreie Pkw und leichte Pickups verkauft werden dürfen. Mittleren und schweren Nutzfahrzeugen räumt die in Albany ansässige Regierung eine Schonfrist von weiteren zehn Jahren ein. Allerdings soll New Yorks Umweltbehörde eine Strategie erarbeiten, wie zuvor bereits die Nutzfahrzeug-Emissionen gesenkt werden können. Angelehnt an Kaliforniens Plan werde die neue Verordnung vorschreiben, "dass ab Modelljahr 2025 ein zunehmender Prozentsatz aller in New York als Neuwagen verkauften Trucks emissionsfrei sein muss", sagt New Yorks Umwelt-Kommissar Basil Seggos. Bis 2050 will der Bundesstaat, dessen größte Stadt New York City ist, seine Treibhausgas-Emissionen um 85 Prozent reduzieren.

Doch Nordamerika und Europa sind natürlich nicht die einzigen Kontinente, auf denen es Verbots-Bestrebungen gibt. In Afrika treibt bisher allerdings nur Ägypten einen Verbrenner-Bann (für 2040) voran. Israel will bereits 2030 soweit sein. Japan hat ebenfalls dieses Zieljahr genannt. Der asiatische Inselstaat will seine Treibhausgas-Emissionen bis 2050 auf Null reduzieren; ein wichtiger Zwischenschritt soll ein 20 Jahre früher eingeführtes Verkaufsverbot für neue Verbrenner sein. Singapur und Sri Lanka lassen sich mit einer solchen Vorgabe zehn Jahre länger Zeit.

Thailand möchte ab 2035 keine neuen Verbrenner mehr

In Thailand sollen ab 2035 keine neuen Pkw mit Verbrennungsmotor auf den Markt kommen. Außerdem möchte sich das Land zu einem südostasiatischem Zentrum für die Produktion von Elektroautos entwickeln. Das Land verfügt bereits über eine etablierte Autoindustrie mit funktionstüchtigen Lieferketten – der Industriezweig gilt als der größte in Südost-Asien und steuert zirka zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung Thailands bei. BMW, Ford, GM, Honda, Mazda, Mercedes, Mitsubishi, Nissan, Toyota und Volvo sind nur einige der Hersteller, die in Thailand Werke betreiben. In der thailändischen Autoindustrie und ihrer Peripherie sind aktuell 850.000 Mitarbeiter beschäftigt, die Hälfte der Produktion geht in Länder wie Indonesien, Malaysia und die Philippinen.

10/2020, Verbote Verbrennungsmotoren weltweit
Berylls Strategy Advisors
Neu in der Liste ist China. Allerdings lässt sich die Volksrepublik mit dem Verbrenner-Bann noch lange Zeit.

Außerdem verschärft Thailand die Geschwindigkeit des Verbrenner-Ausstiegs: 2030 sollen bereits 50 Prozent aller Neuwagen einen reinen Elektroantrieb haben – bisher waren 30 Prozent das Ziel. Gleichzeitig investiert das in Florida ansässige Elektro-Infrastruktur-Unternehmen Evlomo zirka 50 Millionen Dollar (aktuell umgerechnet zirka 41 Millionen Euro), um zusammen mit dem australischen Ladestationen-Hersteller Tritium und dem chinesischen Energie-Dienstleister East Group ein Gleichstrom-Ladenetz aufzubauen.

China wartet bis 2060

Eine Entscheidung für ein Verkaufsverbot für Verbrenner-Pkw gab es in China laut Berylls bis vor Kurzem nur für die Provinz Hainan, dort allerdings bereits ab 2030. Für das gesamte Land wurde ein Verbot seit 2017 diskutiert. Inzwischen hat sich die Zentralregierung zu einem Entschluss durchgerungen. Und der lautet überraschend, dass es einen Bann für Verbrennerautos erst ab dem Jahr 2060 gibt. Berylls zufolge richtet China mit dem neuen Fünfjahresplan die Wirtschaft neu aus und gibt dem Verbrennungsmotor sowie synthetischen Kraftstoffen, aber auch der Brennstoffzelle, weiterhin Chancen, Teil der Mobilität zu sein. "Für die OEMs bedeutet das neue Datum, dass sie weiter mehrgleisig fahren müssen", sagt Andreas Radics, geschäftsführender Partner bei Berylls Strategy Advisors. "Einerseits brauchen sie ein überzeugendes Angebot an E-Autos, vor allem für die Megacities. Andererseits dürfen sie aber auch die Weiterentwicklung der konventionellen Antriebe nicht aus dem Fokus verlieren."

Umfrage

39695 Mal abgestimmt
Was halten Sie von einem Verbrenner-Verbot?
Gar nichts. Solche Vorgaben sind Schwachsinn.
Viel. Derartige Regeln sind überfällig.

Fazit

Nachdem sich die EU-Kommission das Schauspiel rund um Verbrenner-Verbote lange Zeit nur mehr oder weniger angeschaut hat, will sie sich nun selbst mit ihrem Plan "Fit for 55" als Lokomotive vor diesen Zug spannen. So richtig interessant wird es allerdings jetzt erst, schließlich müssen noch die Mitgliedsländer zustimmen. Hier treffen teils komplett unterschiedliche Interessen aufeinander: Die einen wollen frühere Verbote, die anderen möglichst späte. Man darf gespannt sein, wie viel von diesem ambitionierten Klimaprojekt der EU-Kommission letztlich übrigbleiben wird.

Mehr zum Thema Elektroauto
Mercedes EQV 300, Exterieur
Tests
Erlkönig Audi E-Tron Sportback
Neuheiten
11/2021, Tazzari Zero 4
Alternative Antriebe
Mehr anzeigen