89. Geneva International Motor Show, 04.03.2019, Palexpo - Stefan Baldauf, Guido ten Brink / SB-Medien -

Seat El Born Elektroauto

Elektro-Spanier schafft 420 Kilometer

Auto Salon Genf 2019

Seat präsentiert in Genf seine Version des Elektroautos auf Basis des modularen Elektrobaukastens (MEB) von VW zunächst als Concept Car mit dem Namen eines Stadtteils von Barcelona. 2020 soll das Serienauto auf den Markt kommen.

Die Front der Studie El Born hat Ähnlichkeit mit dem Model 3 von Tesla, Heck und Proportionen erinnern an verflossenen Kompaktvan Altea. Die A-Säulen sind, typisch Elektroauto, weit nach vorn gerückt, was gut für den Platz im Passagierabteil ist. Allerdings stören sie den Fahrer beim Einblick in Linkskurven. Das dürfte auch an der überschaubaren Breite des El-Born liegen – mit 1,77 Meter ist der Seat mehr als zehn Zentimeter schmaler als Audis MEB-SUV Q4 E-Tron. Die großzügige Dreiecksfenster vorne helfen da nur bedingt, die mit alcantaraähnlichem Stoff bezogenen Verkleidungen der A-Säule sind einfach zu kräftig im Blickfeld. Außerdem ist der Ausblick aus dem spanischen MEB-Auto nicht so gut wie beispielsweise beim Q4 E-tron. Im Seat würde man den Fahrersitz gern höher schrauben, weil sich die attraktiv nach innen gewölbte Haube vorn nur an ihren Seiten erahnen lässt.

Die 20 Zoll großen Räder sitzen nah an den Karosserieenden. Das maximiert den Radstand auf rund 2,77 Meter (wie Q4 E-Tron) und kommt ebenfalls dem Innenraum zu Gute, wo die Beinfreiheit vorn und hinten üppig ist. Allerdings zeigen sich die Grenzen der Raumökonomie des MEB, wenn die Karosse trotz der 14 Zentimeter hohen Batterie im Fahrzeugboden nicht allzu hoch werden soll. Der Seat ist mit 1,54 Meter sieben Zentimeter weniger hoch als beispielsweise der Q4 E-Tron. Darum ist die hintere Sitzbank fast ein bisschen niedrig, um auf jeden Fall ausreichend Kopffreiheit zu erhalten. Aber dadurch fehlt größeren Personen hinten Schenkelauflage. Außerdem sind die Sitze relativ niedrig auf dem flachen Boden montiert, so dass die Füße nicht so leicht drunter Platz finden. Der Kofferraum wirkt dagegen selbst im Prototypen ausreichend und sehr gut zugänglich. Nur unter den doppelten Ladeboden wollten die Spanier noch niemanden Blicken lassen. Insgesamt ist der El-Born mit 4,33 Meter übrigens nur fünf Zentimeter länger als ein Leon. Im Innenraum wirkt er trotz der beschriebenen Einschränkungen gegenüber Audis erheblich größeren Elektro-SUV deutlich luftiger als der aktuelle Kompaktwagen mit Verbrennungsmotor.

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Seat el-Born Sitzprobe
3:03 Min.

Bei der Gestaltung der Karosse haben die Spanier eben besonderen Wert auf die Aerodynamik gelegt wie die flache Front, der aufwendige Dachspoiler und das Turbinendesign der Felgen zeigen. Denn die Windschlüpfigkeit ist der Schlüssel zu mehr Reichweite vor allem bei höherem Tempo, denn der Luftwiderstand wächst mit steigender Geschwindigkeit quadratisch an. Einen cW-Wert gibt Seat allerdings nicht an.

Die skalierbare MEB-Batterie soll in der Seat-Version des VW ID. Neo 62 kWh haben und eine WLTP-Reichweite von 420 Kilometer erlauben. Dank der Schnelllademöglichkeit mit bis zu 100 kW (Gleichstrom) soll eine leere Batterie nach 47 Minuten Laden wieder 80 Prozent der Maximal-Reichweite bieten. Außerdem soll eine Wärmepumpe die Reichweite um bis zu 60 Kilometer steigern, weil sie den Verbrauch der Elektroheizung senkt.

204-PS-Motor im Heck

Der Motor sitzt beim MEB im Heck. In Seats Concept Car ist es die 204-PS-Version des Synchronmotors, der das Elektroauto aus dem Stand in 7,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen soll und den Schriftzug FR am Heck der Studie rechtfertigt. Für die erste Version des ID. Neo sprach VW hingegen von 170 PS und 8 Sekunden Beschleunigungszeit sowie einer 48 kWh-Batterie in der Basisversion.

Beim Serienstart lässt Seat VW den Vortritt: Während der ID. Neo noch 2019 auf die Straßen rollen soll, ist der Marktstart des el-Born für 2020 avisiert. Ob das Auto dann so heißen wird, ist noch nicht klar. Die Modellbezeichnung entspricht aber immerhin Seats Gewohnheit, Namen aus der spanischen Geographie zu verwenden und hier auf einen Stadtteil einer Metropole zurückzugreifen, ist für Elektroauto sicher passend. Ganz sicher ist zudem, dass der MEB-Seat wie der ID. Neo aus dem gerade auf die Elektroauto-Produktion umgerüsteten VW-Werk in Zwickau kommen wird.

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Fazit

Der Seat auf Basis des Modularen Elektrobaukastens widersteht der Versuchung, wie die Konzerngeschwister auf der hochbauenden SUV-Welle zu reiten. Das ist gut für cW-Wert, Stirnfläche und Luftwiderstand und damit Reichweite. Fürs Platzangebot weniger. Da ist der el-Born, 5 Zentimeter länger als der Leon, subjektiv nicht besser als ein Golf und damit vermutlich schlechter als der ID.Neo, der vor ihm auf den Markt kommt. Dafür ist das Design markengerecht.

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