Nikola One Truck Nikola Motor
Nikola One
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Nikola Two 11 Bilder

Nikola-Design war eingekauft

Überraschende Wende bei Klage gegen Tesla

Nikola wirft Tesla vor, das Design des Semi-Trucks geklaut zu haben. Dabei hat Nikola den Entwurf selbst bei Rimac eingekauft.

Im Jahr 2018 hat das kleine Startup Nikola das damals schon große Startup Tesla wegen angeblichen Designklaus verklagt. Die Nikola-Verantwortlichen fanden, dass das Design des Tesla-Sattelschleppers, der bisher nur unter seiner englischen Gattungsbezeichnung Semi Truck bekannt ist, zu sehr dem des eigenen Wasserstoff-Lkws namens One ähnele. Jetzt kommt heraus: Nikola hat das Design 2015 für mehrere tausend Dollar von Rimac-Designchef Adriano Mudri gekauft.

Nikola One
Nikola Motor Company
Nikola One: Dieses Design soll Tesla für seinen Sattelschlepper geklaut haben.

Nikola geht von eigenem Entwurf aus

In der Klageschrift gibt Nikola an, dass der One ein eigener Entwurf sei. Diesen Standpunkt vertritt das Unternehmen auch nach Bekanntwerden des Design-Kaufs: Es sei üblich, Entwürfe zu kaufen und weiterzuentwickeln, betonen die Nikola-Verantwortlichen. Mudri sei nie Mitglied des Design-Teams gewesen und der fertige One sehe wesentlich anders aus als die ursprünglichen Entwürfe des Rimac-Designers.

Tesla und Rimac haben die Vorgänge bisher nicht kommentiert. Die Nachricht kommt für Nikola zu einer Unzeit: Das Startup sieht sich heftigen Betrugsvorwürfen ausgesetzt, in deren Folge Nikola-Chef Trevor Milton zurückgetreten war.

Nikola-Chef tritt wegen Betrugsvorwürfen zurück

Nikola aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona teilte mit, man habe den Rücktritt Miltons akzeptiert. Neuer Chef wird Stephen Girsky, der im Nikola-Verwaltungsrat sitzt und zuvor bei General Motors tätig war.

Via Twitter hatte Milton seinen Rücktritt öffentlich gemacht und schrieb unter anderem, dass der "Fokus auf dem Unternehmen und seiner Mission liegen soll, und nicht auf ihm". Er beabsichtige sich gegen die falschen Anschuldigungen zu verteidigen, die von externen Kritikern gegen ihn erhoben werden.

Konkret hatte die Investmentgesellschaft Hindenburg Research – spezialisiert auf Leerverkäufe – Nikola "komplexen Betrug" vorgeworfen, der auf Lügen des 39-jährigen Firmengründers beruht. So seien Geschäftspartner in die Irre geführt worden, weil man nicht über wichtige Technologien verfüge, so Hindenburg Research. Nikola habe neben General Motors, Bosch sowie den italienischen Nutzfahrzeughersteller CNH Industrial auch den großen südkoreanischen Mischkonzern Hanwha (Chemie, Rüstung, Logistik, Bau) mit falschen Versprechungen in Kooperationen gelockt.

Brennstoffzelle war "heiße Luft"

So soll unter anderem der Lkw-Prototyp "Nikola One" bei einer Präsentation einen Berg hinunter gerollt worden sein, da das Modell keinen Antriebsstrang besessen habe. Frühere Partner verzeichnen laut Hindenburg Research die Batterie- und Wasserstoffbrennstoffzelle von Nikola als "heiße Luft". Fahrzeuge seien nie mit Brennstoffzellenantrieb gefahren, sondern mit Erdgas.

Nikola Badger Elektro-Pickup
E-Auto

Nikola weist die Vorwürfe zurück und beschuldigt seinerseits, Hindenburg Research habe den Aktienkurs manipuliert, um mit Leerverkäufen bei fallenden Kursen Gewinne zu generieren. Alle Vorwürfe und Behauptungen werden nun von der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) und dem US-Justiz-Ministeriums untersucht.

Trevor Miltion verfügt aktuell über ein Privatvermögen von 3,5 Milliarden US-Dollar und hält rund 40 Prozent Anteile an Nikola. 2014 gründete er die Nikola Motor Company und wollte zunächst nur ein Wasserstofftankstellennetz mit einem norwegischen Partner aufbauen. Mit Stand Herbst 2019 liegen Nikola Motor 14.000 Vorbestellungen für Lkw vor, darunter auch 800 Lkw für die US-amerikanische Brauerei Anheuser-Busch. Erst im August 2020 hatte der US-Müllentsorger Republic Services bei Nikola einen Auftrag über 2.500 batterie-elektrisch angetriebene Müllfahrzeuge deponiert. Der Auftrag sollte später um weitere 2.500 Fahrzeuge wachsen.

Nikola One Truck

Die Brennstoffzellen-Lkw von Nikola kamen indes nie über den Prototypen-Status hinaus. Neben dem Nikola Zero, dem Nikola One und Nikola Two zeigten das Unternehmen einen Nikola Tre sowie den Pickup-Truck Badger.

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Fazit

Der Prozess um einen möglichen Lkw-Designklau von Tesla bei Nikola ist jetzt um eine Komplikation reicher: Möglicherweise stammt das fragliche Design gar nicht direkt von Nikola, sondern ist der eingekaufte Entwurf eines Rimac-Designers.

Sollte Nikola diese Information dem Gericht vorenthalten haben, wirft dies kein gutes Licht auf ein Startup, was sich aktuell ohnehin heftigen Betrugsvorwürfen ausgesetzt sieht.

Das Ergebnis des Designklau-Prozesses Nikola gegen Tesla ist damit allerdings noch weiterhin offen: Ob das Design von Nikola selbst stammt oder ob das Unternehmen die Entwürfe nur gekauft hat, könnte für das Gericht unerheblich sein – geklaut wäre geklaut.

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