Volkswagen in der Krise: Sparen allein ist keine Lösung

Volkswagen in der Krise
Sparen allein ist keine Lösung

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.07.2026
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VW ID.5 Produktion Werk Zwickau (2022)
Foto: Volkswagen

Deutschlands einstige Vorzeige-Industrie befindet sich auf Schlingerkurs: VW, Mercedes, Ford, BMW und Co. geraten immer mehr ins Straucheln, gefühlt gibt es keinen Tag mehr ohne Negativ-Schlagzeilen. Trauriger Höhepunkt sind die aktuellen Turbulenzen bei VW. Es geht um den Abbau von rund 100.000 Arbeitsplätzen und Werksschließungen – darunter auch das einstige Vorzeigewerk Zwickau. Böse auch das Erwachen am Tag nach der Aufsichtsratssitzung: Es gibt – wie immer – keine Lösung. Es gibt nur Streit auf dem Rücken von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen mit vergleichsweise kleinem Gehalt, die zu Recht wissen wollen, wie es denn nun weitergeht.

Kein Plan statt Reaktion

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht im auto motor und sport-Interview deshalb von "zerstörtem Vertrauen" und verweist darauf, dass es sich hier um das produktivste und kostengünstigste Werk von VW in Deutschland handelt. "Wir verschleppen Entscheidungen immer weiter. Daraus entsteht eine depressive Stimmung, und den Unternehmen wird durch zu langes Zögern und Nicht-Handeln die ökonomische Kraft genommen. Irgendwann ist das Geld nicht mehr da für neue Produktentwicklungen und Innovationen."

Weniger Absatz – was sollen die Werke bauen?

Vielen Experten und Menschen vor Ort schwante schon 2018 Böses, als der damalige VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess den Umbau des Werks Zwickau zu einem reinen Zentrum für Elektromobilität durchgesetzt hat. Aber das war längst nicht die einzige Weiche, die völlig falsch gestellt wurde.

Das viel zu lange Zaudern bei der Umsetzung der Elektromobilität, die Konzentration auf große, teure Modelle, eine unübersichtliche Variantenvielfalt und nicht mehr konkurrenzfähige Entwicklungszeiten – alle Verantwortlichen von Audi über BMW, Ford, Opel, Mercedes, Porsche und VW haben die Entwicklung der Märkte nicht richtig eingeschätzt. China lässt mit den aktuellen Absatzeinbrüchen einmal mehr grüßen.

Zukunftsfähig dank Kreislaufwirtschaft?

Aber Deutschland kann und muss wieder fit für die Zukunft gemacht werden. Es darf keine monatelange Schlammschlacht zwischen Vorstand, Gewerkschaften und wie im Fall VW dem Land Niedersachsen geben. Wir alle wissen: Es werden weltweit weniger Autos produziert, also brauchen wir schnell Lösungen, wie wir die Werke neu auslasten können. Bleiben wir beim Beispiel Zwickau: Dort laufen Vorbereitungen, das Werk unter dem Stichwort der Circular-Economy-Strategie zu einem Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft zu machen – also Primärrohstoffe und Emissionen reduzieren und dabei gleichzeitig neue Wertschöpfung, Resilienz und innovative Geschäftsmodelle aufzubauen. VW will 90 Millionen Euro investieren, 11 Millionen Euro gibt es an Förderung.

Ein Tropfen auf den heißen Stein? Nein. Ein konstruktiver Denkansatz, wie wir Deutschland in eine bessere Zukunft führen und Arbeitsplätze retten können. Für Zwickau könnte das ein echter Hoffnungsschimmer sein.

Mehr Arbeiten statt Stellen ans Ausland verlieren

Kretschmer sieht neben der Politik auch die Gewerkschaften in der Verantwortung, etwa durch Verlängerung der Wochenarbeitszeit, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern. Die Arbeitszeitverlängerung bei Mercedes begrüßt der Politiker ausdrücklich. "Wenn wir 40 statt 35 Stunden arbeiten, ist das ein enormer Produktivitätsfortschritt, und Produktion muss nicht ins Ausland verlagert werden. Genau darum geht es, dass man sich den Realitäten stellt und sie nicht weiter ausblendet."

Deutschland hat immer noch die Kraft, sich aus dieser Situation zu befreien – denkt übrigens auch Ex-VW-Chef Herbert Diess im Moove Podcast. Voraussetzung: Kurzfristiges Denken mit Blick auf eigene Interessen und Wahlstrategien – sei es in Vorständen, in der Politik oder auch bei den Menschen – muss ein Ende haben. Alle, die das nicht einsehen, tragen zu dieser Krise maßgeblich bei. Dabei sind die Menschen am Band genau von diesen Entscheidungen abhängig.