Elektroauto Batterie Produktion VW Volkswagen AG

Batteriezellen-Fertigung in Deutschland

Wo Elektroauto-Akkus entstehen (sollen)

Die Entwicklung und Produktion von E-Auto-Batterien ist bislang fest in asiatischer Hand. Doch Industrie und Politik wollen das ändern. Die (teils geplanten) Standorte im Überblick.

Das Thema Batteriezellen für Elektroautos und deren Fertigung ist ein widersprüchliches. Einerseits heißt es immer, die Asiaten hätten einen so großen technologischen Vorsprung und könnten die Stromspeicher so günstig fertigen, dass sich eine eigene europäische Zellfertigung nicht lohne. Dies war beispielsweise eine Begründung dafür, warum Bosch seinen eigenen Bestrebungen in dieser Hinsicht im Frühjahr 2018 eine Absage erteilte. Die Schwaben scheuten das finanzielle Risiko.

Andererseits wird immer wieder die Wichtigkeit der Batterien für die Elektromobilität beschworen. Selbst die Autohersteller nennen diese als wichtigsten Teil eines E-Fahrzeugs; nicht etwa den oder die Motor(en) oder das Fahrwerk. Man dürfe sich also bei den Batteriezellen nicht zu abhängig machen von den großen Playern aus China oder Südkorea. Deshalb findet allmählich ein Umdenken statt. Gemeinsam mit Firmen wie CATL, LG Chem oder Samsung und unterstützt von der Politik beginnt die europäische Autoindustrie, Zellfertigungen in Europa hochzuziehen. Die Planungen sind umfangreich und erste Fabriken gibt es schon – auch an mehreren Standorten in Deutschland.

Kamenz: Daimler und Deutsche Accumotive

Es war ein Ping-Pong-Spiel zwischen Daimler und der Batterie-Fertigung in Kamenz: 2008 nahm die Li-Tec GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der Evonik und der Daimler AG, ihre Arbeit auf. Nach sieben unrentablen Jahren war mit der Produktion vorerst Schluss. Aber nicht lange: Inzwischen fertigt die Deutsche Accumotive, eine hundertprozentige Daimler-Tochter, in Kamenz wieder E-Auto-Batterien. 2019 hat die Firma bereits ihr zweites Werk in der sächsischen Stadt in Betrieb genommen und fertigt dort Akkus für Pkw und Nutzfahrzeuge – unter anderem für die Mercedes EQ-Modelle.

Ökobilanz Elektromobilität, Produktion e-Auto-Batterie
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Daimler nutzt immer mehr Antriebsbatterien aus dem sächsischen Kamenz.

Salzgitter: Volkswagen und Northvolt

VW-Chef Herbert Diess setzt voll auf die Karte Elektromobilität. Eine nachvollziehbare Strategie, die für die konzerneigenen Komponentenwerke allerdings nachteilig ist. Beispiel Salzgitter: Was passiert mit einem Werk, in dem Verbrennungsmotoren gefertigt werden, wenn keine Verbrennungsmotoren mehr gefragt sind? Die Antwort im konkreten Fall: Es entstehen Batteriezellen für Elektroautos. Zusammen mit seinem neuen Partner Northvolt investiert VW etwa eine Milliarde Euro in Salzgitter, damit etwa 1.000 Beschäftigte genug Akkus produzieren, um einen Großteil des eigenen Batteriebedarfs abzudecken. 2020 soll in Salzgitter außerdem eine Batterieforschung ihre Arbeit aufnehmen.

Arnstadt: CATL

Der Spatenstich ist bereits erfolgt: 2022 will der Zellfabrikant Contemporary Amperex Technology (CATL) am Erfurter Kreuz seine neue Fabrik in Betrieb nehmen. Der chinesische Konzern investiert 1,8 Milliarden Euro, damit etwa 2.000 Mitarbeiter in einem der weltgrößten Batteriezellenwerke E-Auto-Akkus produzieren. Bei der Entscheidung für den Standort in Thüringen dürften auch die Interessen von BMW eine Rolle gespielt haben. Der bayerische Autohersteller ist über sein chinesisches Joint Venture Brilliance an CATL beteiligt und möchte ein Drittel seines Akkubedarfs aus deutscher Produktion decken. Die Lieferwege dürften kurz werden: BMW fertigt in Leipzig den i3 und in Dingolfing die Serienversion des iNext.

Grünheide bei Berlin: Tesla

Es war DIE Nachricht der vergangenen Wochen: Tesla wird in Grünheide seine erste europäische Gigafactory errichten. Nach Vorbild einer ebenfalls neuen Fabrik in Shanghai sollen in der brandenburgischen Kleinstadt nicht nur Autos, sondern direkt auch die dafür benötigten Batterien gefertigt werden. In welchen Dimensionen das in dem östlich von Berlin gelegenen Werk passieren wird, ist noch nicht klar.

Ludwigsfelde: Microvast

Hat es etwas mit der Tesla-Ankündigung zu tun, dass sich der Batteriesystemhersteller Microvast ebenfalls in Brandenburg ansiedelt? Nämlich im nur 50 Kilometer von Grünheide entfernten Ludwigsfelde. Wahrscheinlich nicht, denn die Amerikaner unterhielten bisher keine Geschäftsbeziehungen zu den Kaliforniern. Und das Grundstück, auf dem die neue Europazentrale entsteht, hat Microvast schon vor einiger Zeit gekauft. Das Unternehmen will insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, damit bis zu 250 Mitarbeiter jährlich 300.000 bis 500.000 Batteriemodule fertigen. Anfang 2021 soll die Produktion anlaufen.

Mercedes-Benz eCitaro mit vollelektrischem Antrieb

Mercedes-Benz eCitaro with all-electric drive
MediaPortal Daimler AG
Ob der E-Mobilität wirklich der Durchbruch gelingt, hängt vor allem von den Batterien ab.

Kaiserslautern? Deutsch-französisches Batterie-Konsortium

In Deutschland und Frankreich treibt die Politik den Aufbau einer europäischen Batteriezellenfertigung energisch voran. Ein daran beteiligtes Konsortium wurde von Opel, dem Mutterkonzern PSA und dem französischen Batteriehersteller Saft gegründet. Um die – Zitat – „weltweit besten Batterien“ zu produzieren, sollen ein französisches Pilotwerk sowie je eine Fabrik in Frankreich und Deutschland in Betrieb genommen werden. Da in Deutschland dafür eine bereits bestehende Anlage genutzt werden soll, spricht Insidern zufolge einiges für den Opel-Standort Kaiserslautern. In dem derzeitigen Komponentenwerk könnten dann 1.500 Mitarbeiter beschäftigt sein.

Europäischer Batteriezellen-Verbund

An einem zweiten Batteriezellen-Verbund beteiligen sich sogar neun europäische Staaten. An der Spitze der Initiative steht das Bundeswirtschaftsministerium, das den Aufbau einer einheimischen Batteriezellen-Produktion mit einer Milliarde Euro fördert. Allerdings ist noch nicht offiziell bekannt, welche Firmen die Mitglieder dieses zweiten Konsortiums sind. Das „Handelsblatt“ nennt unter anderem BMW, BASF sowie Varta und ein viertes deutsches Unternehmen. Wo die Fertigungsstätten errichtet werden sollen und wie viele Arbeitsplätze dort entstehen könnten, ist bisher ebenfalls noch nicht bekannt. Die Förderung der Wertschöpfung und der Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland ist aber ein konkretes Ziel der Initiative.

TerraE bzw. BMZ Group

Vor und zurück ging es auch für TerraE. Im Frühjahr 2017 wurde in Frankfurt das Konsortium von sechs Firmen gegründet – mit dem Ziel, schrittweise eine Batteriezellen-Fabrik bis hin zur Gigafactrory aufzubauen. Federführend war der Akku-Spezialist BMZ Group aus Karlstein, der TerraE im Herbst 2018 komplett übernahm. Bisher verarbeiten die Unterfranken asiatische Batteriezellen zu Lithium-Ionen-Akkus, die unter anderem von Streetscooter genutzt werden, dem Aachener Produzenten von Elektro-Transportern. Nun wollen sie selbst eine Zellenfertigung aufziehen und sind für dieses Projekt auf Investorensuche. Ob dafür tatsächlich wie geplant 2020 der Startschuss fällt, ist derzeit aber noch nicht absehbar.

Münster: Batteriezellenforschung

Bevor Batteriezellen gefertigt werden können, müssen sie entwickelt werden. Ein dafür vom Staat mit 500 Millionen Euro gefördertes Forschungszentrum soll an der Universität Münster entstehen. So weit, so klar. Oder doch nicht? Pikant ist der Zuschlag für die nordrhein-westfälische Universitätsstadt deshalb, weil Experten eigentlich andere Standorte favorisierten. Zudem soll der Vergabeprozess nicht ganz sauber abgelaufen sein, und der Wahlkreis von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) liegt im benachbarten Tecklenburger Land. Wie es aussieht, behält Münster allerdings den Auftrag.

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Ja. Davon hängt das Wohl und Wehe der E-Mobilität ab.
Nein. Asiatische Akkus sind besser und billiger.

Fazit

Es tut sich was in Sachen Batteriezellen in Deutschland. Und das anscheinend gerade noch rechtzeitig, bevor die Elektromobilität hierzulande so richtig durchstartet. Vorausgesetzt, dies passiert auch tatsächlich. Voraussetzung dafür sind wiederum funktionierende und reichweitenstarke Akkus. Alles hängt also mit allem zusammen, weshalb sich Deutschland auch bei allen Aspekten konsequent positionieren muss.

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