Rivian R1T Elektro Pickup Rivian

Neue Pickups mit Elektroantrieb

Das sind die Konkurrenten des Tesla Cybertruck

Nun wurde er also vorgestellt, der erste Pickup von Tesla. Doch die Kalifornier sind längst nicht die einzigen, die Derartiges planen. Ein Überblick von den großen Herstellern wie GM und Ford bis zu Start-ups wie Rivian, Bollinger und Co.

Sie heißen Atlis, Bollinger oder Rivian. Und sie wagen die Revolution: Pickups, diese uramerikanische Fahrzeuggattung, die man sich ohne hubraumstarke, bollernde und spritschluckende V8-Motoren kaum vorstellen kann, sollen künftig von Elektromotoren angetrieben werden und ihre Energie aus Batterien ziehen. Konkurrenz (oder Unterstützung, je nach Sichtweise) erhalten die Startups von etablierten Herstellern. Ford, und General Motors planen dasselbe, und Tesla hat seinen ersten Pickup jetzt vorgestellt. Einige kleine Firmen mit mehr oder weniger geringen Erfolgsaussichten mischen ebenfalls mit bei der Casting-Show „Amerika sucht den Super-Elektro-Pickup“.

Tesla Cybertruck

An der Spitze der Bewegung steht wenig überraschend Tesla. Nun hat Elon Musk sein neues Prestigeprojekt enthüllt: den Cybertruck. Das fahrende Dreieck schlägt mit seinem Design völlig aus dem Rahmen und verfügt über eine Karosserie aus gehärtetem Edelstahl, die schlag- und schusssicher sein soll. Mit seinen Dimensionen (5,86 Meter lang, 2,03 Meter breit und 1,90 Meter hoch) orientiert sich der Cybertruck am US-Pickup schlechthin, dem Ford F-150. Die Pritsche ist 1,98 Meter lang, im Fahrerhaus ist Platz für Sechs und die Zuladung gibt Tesla mit 1.588 Kilogramm an. Drei Batteriegrößen sollen für Reichweiten von 402, 483 und 805 Kilometer gut sein und mit drei Motorvarianten kombiniert werden. Die Grundpreise bewegen sich je nach Modellvariante zwischen 39.900 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 36.050 Euro), 49.900 Dollar (45.085 Euro) und 69.900 Dollar (63.155 Euro). Die Auslieferungen sollen Ende 2021 beginnen.

Tesla Cybertruck
Tesla Cybertruck Tesla Cybertruck Tesla Cybertruck Tesla Cybertruck 22 Bilder

Ford F-150 EV

Dass sich der Tesla-Chef den Ford F-150 als direkten Gegner ausgeguckt hat, kommt nicht von ungefähr: Der Pickup ist schließlich seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto der USA. Nicht nur in seinem Segment, sondern überhaupt. Und er kommt 2020 in einer Elektroversion, wie Ford längst bestätigte. Schon eine ganze Weile probiert Ford Prototypen auf der Straße aus. Und setzte einen davon aus PR- und Marketing-Zwecken effektvoll in Szene: Der Elektro-F-150 zog zehn mit 42 konventionellen Ford-Pickups beladene Eisenbahn-Waggons, die zusammen 454 Tonnen wogen. Mehr weiß man über das Auto allerdings noch nicht.

Ford F-150 EV Prototyp
Ford F-150 EV Prototyp Ford F-150 EV Prototyp Ford F-150 EV Prototyp Ford F-150 EV Prototyp 10 Bilder

Rivian R1T

Es könnte beispielsweise sein, dass Ford für den elektrischen F-150 eine Rivian-Plattform nutzt. Schließlich ist der Autogigant im Frühjahr mit 500 Millionen Dollar (gut 450 Millionen Euro) bei dem E-Auto-Startup eingestiegen. Gehen dessen Pläne auf, rollen noch in diesem Jahr die ersten verkauften R1T-Exemplare auf die Straße. Die vier radnah installierten Elektromotoren sollen eine Gesamtleistung von 588 kW (800 PS) und im Höchstfall 1.120 Newtonmetern liefern. Die maximal mögliche Batteriegröße (180 Kilowattstunden) soll für eine Reichweite von bis zu 640 Kilometern sorgen. Als Basispreis stellt Rivian für den 5,50 Meter langen R1T 70.000 Dollar (knapp 63.500 Euro) in Aussicht, ein Modell mit hoher Reichweite und einfacher Ausstattung soll 85.000 Dollar (etwa 77.000 Euro) kosten.

Rivian R1T
Rivian R1T Rivian R1T Rivian R1T Rivian R1S 18 Bilder

Atlis XT

Aus der Rubrik „Bei der Geburt getrennt“ könnte neben dem Rivian der Atlis XT stammen, den beide Elektro-Pickups ähneln sich sehr. Nicht nur optisch, sondern auch bei der Technik. Auch beim XT verfügt jedes Rad über einen eigenen E-Motor und liefern drei Batterieoptionen bis zu 805 Kilometer Reichweite. Das zulässige Gesamtgewicht soll bei knapp 16 Tonnen liegen, was auf eine enorm große Anhängelast hindeutet. Im Gegensatz zu den aktuellen Lowtech-Pickups soll der Atlis mit XXL-Bildschirmen, Apple Carplay- und Android Auto-Konnektivität und irgendwann auch autonomem Fahren auf Level 5 sehr fortschrittlich ausgerüstet sein. Die Markteinführung des ab 45.000 Dollar (knapp 41.000 Euro) erhältlichen Atlis XT ist für Ende 2020 geplant.

Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis XT Elektro-Pick-up Atlis XT Elektro-Pick-up Atlis XT Elektro-Pick-up Atlis XT Elektro-Pick-up 23 Bilder

Bollinger B2

Überhaupt scheint 2020 das Jahr der elektrischen Pickups zu werden, denn auch Bollinger strebt für den B2 einen Marktstart im kommenden Jahr an. Ziemlich konkret erscheinen dessen technische Daten: Die beiden an jeder Achse positionierten Elektromotoren leisten zusammen 458 kW / 623 PS und liefern genug Kraft (906 Newtonmeter, um genau zu sein), um den B2 mit 2,3 Tonnen zu beladen und maximal 3,4 Tonnen an den Haken zu nehmen. Die 120-Kilowattstunden-Batterie soll genug Energie für 332 elektrisch gefahrene Kilometer liefern. Sicherheit und Komfort wird im Elektro-Pickup von Bollinger anscheinend eher kleingeschrieben. Dafür ist der Preis selbstbewusst: 125.000 Dollar (gut 113.000 Euro) wollen die Amerikaner für jeden B2 mindestens haben.

09/2019, Bollinger B2
09/2019, Bollinger B2 09/2019, Bollinger B2 09/2019, Bollinger B2 09/2019, Bollinger B2 11 Bilder

Workhorse W-15

Eines hat der Workhorse W-15 den zuvor präsentierten Elektro-Pickups voraus: Man kann ihn bereits kaufen und erste Exemplare sollen in den vergangenen Monaten auch schon veräußert worden sein. Aber wohl nicht genug: Das Startup soll 2019 bereits Verluste im mittleren zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich verzeichnet haben und schweigt den W-15 derzeit tot. War er mit zwei zusammen 460 PS starken E-Motoren zu schwach auf der Brust? Oder die Elektro-Reichweite von 108 Kilometern zu gering? Letzteres sollte ein als Range Extender fungierender Benzinmotor ausbügeln, der den Aktionsradius auf rund 500 Kilometer erhöht. Offenbar ohne Erfolg.

Workhorse W-15 Plug-in Electric Pickup Truck 11/2016
Workhorse W-15 Plug-in Electric Pickup Truck 11/2016 Workhorse W-15 Plug-in Electric Pickup Truck 11/2016 Workhorse W-15 Plug-in Electric Pickup Truck 11/2016 Workhorse W-15 Plug-in Electric Pickup Truck 11/2016 10 Bilder

Lordstown Endurance

Oder lebt der Workhorse W-15 doch weiter? Nun gibt es mit Lordstown Motors nämlich eine Firma, die nicht nur das in der gleichnamigen Stadt befindliche Ex-GM-Werk, sondern dem Vernehmen nach auch die Technik des Elektro-Pickups übernimmt. Lordstown soll die angeblich bereits eingegangenen 6.000 W15-Vorbestellungen übernehmen und dafür Provision an Workhorse bezahlen. Inzwischen hat man zudem für Endurance eine eigene Bestellliste eröffnet, auf der potenzielle Kunden für 1.000 Dollar Anzahlung ihr verbindliches Interesse für den mindestens 52.500 Dollar (etwa 47.400 Euro) teuren E-Pickup hinterlegen können. Im vierten Quartal 2020 soll die Produktion anlaufen, und irgendwann sollen in Lordstown 500.000 Elektro-Pickups jährlich vom Band rollen.

11/2019, Lordstown Pickup mit Elektroantrieb
11/2019, Lordstown Pickup mit Elektroantrieb 11/2019, Lordstown Pickup mit Elektroantrieb 11/2019, Lordstown Pickup mit Elektroantrieb 11/2019, Lordstown Pickup mit Elektroantrieb 4 Bilder

Neuron EV T/One

Noch ganz am Anfang steht das E-Auto-Start-up Neuron EV. Gerade stellten die Kalifornier bei einer Messe in China ihre ersten Modelle vor. Darunter den T/One, einen Pickup mit aerodynamisch geformter Karosserie. Konkrete Daten nennt Neuron EV zwar noch nicht, aber die Firma will ihre Autos mit modularen Antriebssträngen ausstatten. Zudem sollen die Plattformen hochgradig flexibel und skalierbar sein, was unterschiedliche Fahrzeuglängen gewährleisten und die Kosten für die Produktion niedrig halten soll. Wann letztere startet und zu welchen Preisen der T/One erhältlich sein soll, ist noch nicht bekannt.

11/2019, Neuron EV Pickup und Transporter mit Elektroantrieb
11/2019, Neuron EV Pickup und Transporter mit Elektroantrieb 11/2019, Neuron EV Pickup und Transporter mit Elektroantrieb 11/2019, Neuron EV Pickup und Transporter mit Elektroantrieb 11/2019, Neuron EV Pickup und Transporter mit Elektroantrieb 13 Bilder

Dongfeng Rich 6 EV

Deutlich konkreter ist die Lage beim chinesischen Hersteller Dongfeng, dessen Elektro-Pickup Rich 6 EV bereits erhätlich ist. Der Pritschenwagen basiert auf dem Navara-Fahrgestell des Joint-Venture-Partners Nissan und bezieht seine Energie aus einem 68-Kilowattstunden-Akku, der eine NEFZ-Reichweite von 402 Kilometern erlauben soll. Der 119 kW / 162 PS starke Dongfeng ist mit 109 km/h Topspeed allerdings nicht besonders schnell. Erhältlich ist er bisher nur in China, wo er nach Abzug von staatlichen Subventionen umgerechnet ungefähr 16.900 Euro kostet.

Dongfeng Rich 6 EV
Dongfeng Rich 6 EV Tesla Model 3 Pick-up-Umbau Rivian R1T EV Pickup

JAC iEV 330P

Ebenfalls aus China kommt der JAC iEV 330P. Der Hersteller, der unter anderem ein Joint Venture mit Volkswagen unterhält, bietet seinen Elektro-Pickup vorerst allerdings nur in Brasilien an. Der 5,60 Meter lange iEV 330P verfügt über eine 67-Kilowattstunden-Batterie und kommt damit bis zu 300 Kilometer weit. Die Motordaten: 150 PS und maximal 324 Newtonmeter, die den maximal 2,2 Tonnen schweren JAC in neun Sekunden von Null auf Hundert beschleunigt. Der Marktstart ist für April 2020 anberaumt.

Truckla-Pickup auf Tesla Model 3-Basis

Einige Leute können die Premiere des Tesla Pickups nicht erwarten. Youtuberin Simone Giertz gehörte anscheinend zu diesen Menschen, weshalb sie sich einfach selbst einen solchen baute. Zusammen mit drei weiteren Youtubern und einigen anderen Helfern entstand der Truckla. Ein Tesla Model 3 mit Ladefläche, Gerüst für den Holztransport, Zusatzscheinwerfern und 110-Volt-Stromanschluss. Bislang planen Giertz und Co. keine Serienproduktion ihrer Tesla-Kreation. Aber das übernimmt Elon Musk ja in absehbarer Zeit selbst.

Tesla Model 3 Pick-up-Umbau
Tesla Model 3 Pick-up-Umbau Tesla Model 3 Pick-up-Umbau Tesla Model 3 Pick-up-Umbau Tesla Model 3 Pick-up-Umbau 16 Bilder

Fisker Elektro-Pickup

Der bevorzugte Kommunikationskanal des Tesla-Chefs ist bekanntlich Twitter. Ähnlich scheint es bei Henrik Fisker zu sein, der kürzlich den Kurznachrichtendienst nutzte, um zwei weitere Elektroautos anzukündigen. Dazu veröffentlichte er ein Foto, dass recht eindeutig einen Pickup von hinten zeigt. Technische Einzelheiten blieb der Däne schuldig. Nur so viel: Die neuen Modelle sollen auf der Plattform des bereits vorgestellten SUVs basieren, das wohl den Namen Ocean trägt. Dieses zeichnet sich durch E-Motoren an jeder Achse und einen 80-Kilowattstunden-Lithium-Ionen-Akku aus, der eine Reichweite von 480 Kilometern garantieren soll.

Fisker Pickup
Fisker
Der elektrische Fisker Pickup dürfte eine SUV-Plattform nutzen.

Karma EREV Conversion Project

Plant auch das Elektroauto-Startup Karma einen Elektro-Pickup? Das im Rahmen der LA Auto Show 2019 präsentierte EREV Conversion Project legt es nahe. Auf ersten Bildern ist klar ein Pickup mit eckigem, viertürigem Fahrerhaus samt Solarmodulen auf dem Dach und freier Ladefläche zu sehen. Er basiert auf der Skateboard-Architektur des aktuellen Revero, die sowohl einen rein elektrischen als auch einen Antrieb mit Range Extender darstellen kann. Der vorgestellte Pickup verfügt über Letzteren mit zwei zusammen 536 PS starken Elektromotoren und einem 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner von BMW. Marktstart? Schwer zu sagen. Vielleicht 2021, wenn alles optimal läuft.

Karma Elektro-Pickup Teaser
Karma
Fahrerhaus, Ladefläche, grobstollige Reifen: Auf dem Taserbild ist klar ein Karma-Pickup zu sehen.

GM Elektro-Pickups

Auch General Motors plant elektrisch angetriebene Pickups. Das ahnte man, seit sich der Konzern mit der amerikanischen Auto-Gewerkschaft UAW darauf verständigt hat, sein Werk Detroit-Hamtramck für die Produktion von Elektroautos umzurüsten. Inzwischen hat GM-Chefin Mary Barra das Vorhaben bestätigt. Beschlossene Sache ist, dass dort ein Elektro-Pickup der Marke GMC produziert werden soll. Darüber hinaus ist ein zweites Modell im Gespräch, von dem es eine Kleinserie geben soll. Gerüchten zufolge soll mit diesem im Herbst 2021 startenden Auto der Markenname Hummer reaktiviert werden. Zwei bis drei Jahre später soll es dann mit der Massenproduktion losgehen.

Umfrage

15855 Mal abgestimmt
Ein rein elektrischer Pickup - kann das funktionieren?
Ja, ein Elektroantrieb ist offroad und zum Ziehen von Lasten super.
Nein, wahrscheinlich zu schwer, zu teuer, zu geringe Reichweite.

Fazit

Elektrisch angetriebene Pickups könnten ein riesiger Markt werden. Entsprechend viel tut sich gerade in diesem Segment. Doch sowohl die Startups als auch die etablierten Hersteller treffen auf zwei zentrale Probleme. Erstens: Amerikanische Pickup-Käufer gehören wohl zu den konservativsten Autokunden der Welt – ob sie sich vom E-Antrieb überzeugen lassen? Zweitens: Verbrenner-Pickups sind in den USA sehr günstig zu haben. Ihre Elektro-Pendants dürften deutlich teurer werden. Fraglich, ob die Klientel bereit sein wird, mindestens das Doppelte der aktuellen Preise zu bezahlen.

Nutzfahrzeuge E-Auto Tesla Cybertruck Tesla Cybertruck kostet 39.900 Dollar Kugelsicher, sauschnell und günstig

Der Tesla-Pickup überrascht mit einem extrem schrägen Design. Alle Fakten.

Mehr zum Thema Pickups
Tesla Cybertruck
E-Auto
Ford Ranger Polizei Pickup
Neuheiten
11/2019, Tesla Cybertruck Dubai Police
E-Auto